Antifaschist Barlach?

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geschrieben von Andreas Paul Schulz, München

zu »Beleidigende Kriegerdenkmale« in antifa Sept./Okt.

Nov.-Dez. 2011

Über Heinrich Finks Barlach-Artikel in der antifa für September/Oktober 2011 habe ich mich geärgert. Nach dem simplen Strickmuster »die Feinde meiner Feinde sind meine Freunde« wird Ernst Barlach zum Antifaschisten hochstilisiert, weil die Nazis unter der Führung des verkrachten Künstlers H., anders als etwa die italienischen Faschisten, kein Verständnis für moderne Kunst hatten. Nur ein wenig Nachprüfungsaufwand, »warum Ernst Barlach als Antifaschist so lange unbekannt blieb« hätte der VVN diese Blamage erspart. Durch seine Unterschrift unter den Aufruf der Kulturschaffenden, der im August 1934 im Völkischen Beobachter veröffentlicht wurde, bekundete Ernst Barlach nämlich zusammen mit noch bekannteren Gallionsfiguren der »deutschen Kunst«: »Wir glauben an diesen Führer, der unseren heißen Wunsch nach Eintracht erfüllt hat. [...] Der Führer hat uns wiederum aufgefordert, in Vertrauen und Treue zu ihm zu stehen. Niemand von uns wird fehlen, wenn es gilt, das zu bekunden. [...] Wir setzen unsere Hoffnung auf den Mann« und »gehören zu des Führers Gefolgschaft«. Hätte H. z.B. auf seinen gebildeteren Adlatus Goebbels gehört, wären Barlach, Nolde und andere willfährige Zeitgenossen als Leitfiguren einer »nordischen Moderne« problem- und bruchlos zu Hofkünstlern der Nazis geworden.

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