Das war der 4. Bundeskongress der VVN-BdA

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geschrieben von Regina Girod

Mai-Juni 2011

Es war ein guter Kongress. Zwei Tage lang haben wir intensiv diskutiert, Vorträge angehört und Erfahrungen ausgetauscht. Die Atmosphäre war außerordentlich kameradschaftlich und konstruktiv, es hat Spaß gemacht, dabei gewesen zu sein. Offensichtlich hat sich die langfristige inhaltliche Vorbereitung, an der sich auch mehr Kameradinnen und Kameraden als früher beteiligt haben, ausgezahlt. Mit dem Leitantrag wurde ein Beschluss angenommen, der die Schwerpunkte für die Arbeit der nächsten Jahre festlegt, die Leitungsgremien wurden mit großer Zustimmung wieder gewählt.

Zwei Tage lang prangte die Losung »Das Vermächtnis des Widerstandes weitertragen« über der Bühne des Ernst-Reuter-Saales der Berliner Humboldt- Universität, die wie immer eine gute Gastgeberin unserer Veranstaltung war. In ihrem prunkvollsten Raum – dem Senatssaal – hatte am Vorabend bereits die Diskussionsveranstaltung mit Professor Moshe Zuckermann stattgefunden, der dafür extra aus Tel Aviv angereist war. Sein intensiver, von großer Klarheit geprägter Vortrag über die Situation in Israel und ihre Widerspiegelung in den Positionen deutscher Linker, wurde von den mehr als 200 Zuhörern mit großer Aufmerksamkeit aufgenommen. Ein wichtiger Beitrag für weitere Diskussionen zu diesem Thema.

Die Beteiligung von Gästen aus anderen Organisationen und dem Kongress übermittelte Grußworte belegten, dass die politische Arbeit der VVN-BdA von vielen Bündnispartnern geschätzt wird. Wie schon bei den vorhergehenden Kongressen sprach Romani Rose vom Zentralrat der Sinti und Roma in Deutschland zu den Delegierten (Foto oben). In seinem Beitrag verwies er auf das erneute Aufbrechen von Gewalt und Hass gegen Siniti und Roma in mehreren Ländern Europas. Solidarität mit Sinti und Roma bleibt nicht nur aus diesem Grund ein wichtiges Anliegen der VVN-BdA. Weiter Grußworte hielten Bettina Jürgens (Vorsitzende der DKP) und -Katina Schubert, Die Linke.

Der Kongress lebte von der Beteiligung vieler. Das Einführungsreferat zur Diskussion am ersten Kongresstag hielt Professor Kurt Pätzold, der nach der Bedeutung von Geschichte für unsere heutigen Kämpfe fragte. Zu den Schwerpunktthemen des Leitantrags hielten mehrere Bundessprecher kurze einleitende Beiträge. An den mehrstündigen Diskussionen beteiligten sich viele Delegierte aus allen Landesverbänden, wobei Vertreter aus Baden-Württemberg besonders aktiv in Erscheinung traten. Aber auch die gewählten Kommissionen (auf unserem Foto rechts die Mandatsprüfungskommission mit Bundesgeschäftsführer Thomas Willms, der den größten Teil der organisatorischen Kongressvorbereitung zu bewältigen hatte), die Antragskommission und die Wahlkommission trugen ihren Teil zum Gelingen des Kongresses bei.

Besonders berührt waren die Teilnehmer des Kongresses von den Begrüßungsworten, die der ehemalige Häftling von Sachsenhausen und Auschwitz, Dr. Adam König (oben rechts), und der 98-jährige ehemalige Moorsoldat Erwin Schulz aus Berlin an die Versammelten richteten. Auch ihr persönliches Vermächtnis wird in unserer Organisation weiter getragen werden.

Der zweite Kongresstag begann mit der Antragsdebatte. Die 18 Anträge spiegelten das gesamte Spektrum der politischen und organisatorischen Aufgaben der Vereinigung wieder. In der zum Teil kontroversen Diskussion erwies sich die gewachsene Fähigkeit vieler Aktiver der VVN-BdA, mit widersprüchlichen Auffassungen in den eigenen Reihen solidarisch umzugehen. Gerade aus Landesverbänden wie Berlin und Brandenburg, in denen viele neue und jüngere Mitglieder mitarbeiten, kamen Anträge, die nicht immer mit dem bisherigen Selbstverständnis und den Positionen der Organisation in Übereinstimmung zu stehen scheinen. Die Diskussion über diese Fragen muss im Bundesausschuss kontinuierlich weitergeführt werden, denn die schwierige Aufgabe, das richtige Maß zwischen Kontinuität und Erneuerung in einer sich verändernden Organisation zu finden, wird uns auch in den nächsten Jahren begleiten. Die auf dem 1. Bundeskongress angenommene Satzung wird beim nächsten Kongress an die veränderten Bedingungen anzupassen sein und auch bei der Besetzung der Leitungsgremien werden Vertreter der nachrückenden Generationen stärker als diesmal vertreten sein müssen. Der Kongress dankte Prof. Gerhard Fischer (Foto unten links), der nicht wieder als Bundessprecher kandidierte, herzlich für die intensive Arbeit, die er über viele Jahre in den Gremien der VVN-BdA geleistet hat.

Am Ende des Kongresses standen die Wahlen zum Bundessprecherkreis. Selbstkritisch hat dieser in seiner ersten Sitzung die organisatorischen Schwächen des Wahlaktes und die mangelhafte Abstimmung zwischen Wahlkommission und Versammlungsleitung ausgewertet. Gewählt wurden Paul Bauer (BaWü) mit 95 Stimmen, Jürgen Gechter (Bayern) mit 98 Stimmen, Regina Girod (Berlin) mit 120 Stimmen, Axel Holz (MV) mit 110 Stimmen, Ulrich Sander (NRW) mit 113 Stimmen, Ulrich Schneider (Hessen) mit 108 Stimmen sowie Heinz Siefritz (BaWü) mit 91 Stimmen. Susanne Willems (Berlin) erhielt 81 Stimmen und wurde damit nicht gewählt. Im Namen aller Gewählten möchte ich mich an dieser Stelle noch einmal für das uns entgegen gebrachte Vertrauen bedanken.

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