Der Prozess

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geschrieben von Heinrich Fink

Vor 50 Jahren stand Eichmann in Jerusalem vor seinen Richtern

Mai-Juni 2011

Ausstellung: »Der Prozess – Adolf Eichmann vor Gericht« in der Topographie des Terrors Berlin. 6. April bis 18. September 2011. Der Ausstellungskatalag ist für 15 Euro erhältlich.

Seit dem 11. April ist in den Räumen der Berliner »Topographie des Terrors« eine sowohl für die Erforschung des Holocaust, als auch des Antijudaismus/Antisemitismus und des Faschismus einmalige Ausstellung zu sehen, die nicht nur für die jüngere Generation bisher nicht Gesehenes dokumentiert: »Der Prozess – Adolf Eichmann vor Gericht«. Vor 50 Jahren war dieser Prozess, ebenfalls am 11. April, in Jerusalem eröffnet worden.

Das Besondere der Ausstellungseröffnung bestand in der Teilnahme des Anklägers von Eichmann, Gabriel Bach, der von seinen persönlichen Eindrücken der damaligen Ereignisse berichtete.

Gabriel Bach wurde 1927 in Halberstadt geboren, er besuchte am Adolf-Hitler-Platz in Berlin die Theodor-Herzl-Schule. Über Holland konnte er auf der »pro patria« nach Palästina flüchten, jenem Schiff, das vor Haifa explodierte und 270 Menschen in den Tod riss.

Eindrücklich schilderte Bach die Durchsicht der Dokumente, in denen er hoffte, etwas Entlastendes zu Gunsten Eichmanns zu finden. Er fand nichts. Eichmann habe selbst die Bitten von Seinesgleichen, diesen oder jenen Juden zu verschonen, abschlägig beantwortet. Der Leiter des »Judenreferats« im Reichssicherheitshauptamt entschied, aus prinzipiellen Erwägungen könne er keine Ausnahmen machen.

Trotz der erdrückenden Beweislast zeigte Eichmann keinerlei Rührung und keine Reue. Bachs Berichte über den Prozess und vor allem über Eichmanns Reaktionen ergriffen die Zuhörer sichtlich. Bis zum Eichmann-Prozess hätten in Israel Überlebende der Shoa über ihr Leiden in den KZs geschwiegen. Auch die Nachgeborenen wollten bis dahin nicht viel von den faschistischen Verbrechen hören, weil sie sie nicht verstehen konnten und sich schämten, dass sich Juden widerstandslos hätten abschlachten lassen. Erst durch den Prozess erfuhren sie, wie die Mörder ihre Opfer über das ihnen zugedachte Los getäuscht hatten.

Staatsminister Bernd Neumann betonte in seiner Begrüßungsrede, dass der Holocaust seit dem Eichmann-Prozess eine zentrale Bedeutung in der Geschichtsschreibung der BRD einnehme.

Die Ausstellung muss sich räumlich beschränken. Sie setzt sichtbar auf die Macht der Bilder und stellt das Verhältnis von Opfern und Tätern heraus. Andreas Nachama, Direktor der Stiftung »Topographie des Terrors« sprach von einer »Kunst der Reduktion«. Durch die Kooperation mit der Gedenkstätte »Haus der Wannseekonferenz« und der Stiftung »Denkmal für die ermordeten Juden Europas« und die Nutzung von Steven Spielbergs »Shoa-Archiv« ist diese Ausstellung für mich ein besonderes wissenschaftliches Zeitzeugnis geworden. Kritiker bemängeln, dass die Ausstellung die von Israel jetzt frei gegebenen Dokumente, darunter Protokolle von Gesprächen Eichmanns mit seinem Anwalt Robert Servatius, nicht zeigt. Doch das Verschweigen von Akten über Eichmann durch den BND wird von ihnen nicht bemängelt. Über dieses unrühmliche Kapitel deutscher Geschichte wird der Rechtsanwalt Dr. Reiner Geulen am 3. Mai auf einer der Begleitveranstaltungen der Ausstellung sprechen.

Besonders erwähnt werden muss auch der Katalog, den man unbedingt erwerben sollte. Er informiert ausführlich über alle am Prozess Beteiligte und vermerkt viele bisher unbekannte Details. Wer im Sommer einen Berlinbesuch plant, darf diese Ausstellung nicht verpassen. Sie bleibt bis zum 18. September geöffnet.

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