Die Fakten sprechen

geschrieben von
Gerhard Hoffmann

5. September 2013

Das deutsche Buchenwaldkomitee in den Jahren 1945 – 1958

Juli-Aug. 2010

Das deutsche Buchenwaldkomitee: Die Periode von 1945 bis 1958, von Heinz Koch und Udo Wohlfeld, Geschichtswerkstatt Weimar, 204 Seiten, 10 Euro

Ein bedeutsames, noch dazu ästhetisch anspruchsvolles Buch liegt seit dem 65. Jahrestag der Selbstbefreiung der Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald der Öffentlichkeit vor. Heinz Koch und Udo Wohlfeld haben die Wirksamkeit des deutschen Buchenwaldkomitees in der Periode 1945 bis 1958 aufgearbeitet. Wichtig sind die Texte für alle, die sich bemühen, mit der Wahrheit des Lagers und der Gedenkstätte umzugehen, die das Faktische wissen wollen, um vielfachen Spekulationen entgegentreten zu können. Getragen von dem Willen, den Schwur von Buchenwald umzusetzen, richtete sich das Bestreben der befreiten Häftlinge darauf, die im Lager erfahrene Solidarität zu erhalten und fußend auf den Erfahrungen des illegalen Kampfes ein politisches und organisatorisches Zentrum zu schaffen. Diese Prämissen wurden über die Zeiten bestimmend. So gelang es bereits am 11. und 12. April 1946 ein erstes größeres Treffen ehemaliger politischer Häftlinge in Weimar durchzuführen. Auf dem Weimarer Hauptfriedhof, das Lager war zu dieser Zeit von der sowjetischen Besatzungsmacht benutzt, hielt Walter Bartel eine programmatische Rede, in der er sagte: »Es entspricht der historischen Wahrheit, wenn ich feststelle, dass die antifaschistische Widerstandsbewegung des Lagers aktiven Anteil an diesem Befreiungskampf genommen hat. Es war ein Akt der Selbstbefreiung.« Die Autoren verweisen zu Recht darauf, dass die Selbstbefreiung eine Tatsache ist und nicht eine imaginäre Erfindung. Akribisch werden die vielfältigen Aktivitäten des Buchenwaldkomitees für die folgenden Jahre aufgeführt. Es sprechen die Fakten, kommentierende Texte dienen der Erläuterung von Zusammenhängen. Bemerkenswert sind die vielen Details zu politischen und organisatorischen Problemen, denen sich das Buchenwaldkomitee zuzuwenden hatte. Dabei nimmt das Mühen um die Schaffung einer würdigen Gedenkstätte nicht unerheblichen Raum ein. Bedrückend sind die Dokumente und Kommentare, die Arroganz und Ignoranz von Funktionären der SED gegenüber dem Komitee, einzelnen Personen und dem würdigen Gedenken belegen. Dass im Rahmen der internationalen Arbeit des deutschen Buchenwaldkomitees dem Destruktiven immer wieder entgegengewirkt werden konnte und Buchenwald damit seit seiner Befreiung im Bewusstsein der Öffentlichkeit blieb, ist unbedingt Verdienst des Komitees.

Ein außerordentlich interessanter Bildteil bereichert das Buch ebenso wie der ausführliche Anmerkungsapparat und die Biogramme. Es bleibt zu wünschen, die Autoren mögen mit gleicher Konsequenz, Sachkunde und Gründlichkeit an die Aufarbeitung der Perioden nach 1958 gehen können.