»Die Rechte« gegründet

Drucken

geschrieben von Janka Kluge

Arbeit an Alternative nach möglichem NPD-Verbot

Juli-Aug. 2012

1994 wurde Christian Worch wegen der Teilnahme an einem Führungstreffen der NSDAP-AO zu einer Haftstrafe mit 2 jähriger Bewährung verurteilt. Im selben Jahr kam eine weitere Verurteilung wegen der Fortführung der ANS/NA hinzu.

Am Pfingstsonntag wurde in Hamburg eine neue Partei gegründet. Nur einen Tag nach der Bekanntgabe der endgültigen Auflösung der Deutschen Volksunion (DVU) haben jene Mitglieder, die die Verschmelzung mit der NPD nicht mitmachen wollten, die Partei »Die Rechte« gegründet. Zum Bundesvorsitzenden wurde Christian Worch gewählt, seit Jahrzehnten einer der führenden Köpfe militanter Nazigruppen. Seinen Weg begann er neben Michael Kühnen bei der Aktionsgemeinschaft Nationaler Aktivisten/Nationaler Sozialisten (ANS/NA). Nach dem Verbot der Gruppe trat er mit den meisten anderen Mitgliedern zu der bis dahin unbedeutenden Kleinpartei Freiheitliche Arbeiterpartei (FAP) über. Als stellvertretender Bundesvorsitzender war er mitverantwortlich dafür, dass sich die FAP in den achtziger Jahren innerhalb kürzester Zeit zur gefährlichsten Nazigruppe entwickelte. Es gab kaum Anschläge oder Gewalttaten, an denen nicht Mitglieder der FAP beteiligt waren. Neben der öffentlich aktiven FAP organisierten sich viele Kader der ANS/NA in der Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front (GdNF). Ziel der GdNF war es, ein nach außen scheinbar zerstrittenes Netzwerk aufzubauen. 1989 trat Christian Worch der Hamburger Nationalen Liste bei. Die sorgte unter anderem für Aufmerksamkeit durch die Herausgabe der Zeitschrift Index. Hier veröffentlichten Nazis zum ersten Mal Namen und Adressen von Antifaschisten.

Nach dem Verbot vieler Parteien und Gruppen der GdNF war Christian Worch maßgeblich an der Entwicklung des Konzepts der Freien Nationalisten beteiligt. Danach sollen unabhängige Zusammenschlüsse ohne Satzung und Vorstände entstehen, die schwerer zu verbieten sind. Diese Kameradschaften haben in den letzten Jahren die neonazistische Szene geprägt. Zur NPD hatte Christian Worch immer ein taktisches Verhältnis. Zwar war er mitbeteiligt am Aufbau enger Kontakten zwischen den Kameradschaften und der NPD, ist ihr selbst aber nie beigetreten. Lange Zeit war sie ihm zu angepasst und nicht radikal genug. Mit der Gründung der Partei »Die Rechte« versucht der Stratege Worch nun offenbar, eine Alternative für die Zeit nach einem möglichen NPD-Verbot aufzubauen.

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen