Die Wahrheit verteidigen

geschrieben von
Heinrich Fink

5. September 2013

Geschichtspolitische Konferenz der VVN-BdA am 24./25. April

März-April 2010

Mitveranstalter der Konferenz

Am 8. Mai jährt sich zum 65. Mal der Tag des Sieges über den Hitlerfaschismus, der Tag der Befreiung für Millionen Menschen in Europa und der Welt. Befreit wurde auch das deutsche Volk: befreit von der faschistischen Diktatur, befreit von Rassenwahn und dem Zwang, Eroberungskriege zu führen, sich an Morden und Kriegsverbrechen zu beteiligen. Doch nur eine Minderheit des deutschen Volkes hatte sich dieser verbrecherischen Politik widersetzt. Deshalb empfanden sich viele Deutsche zunächst als Besiegte, nicht als Befreite. In der Bundesrepublik dauerte es vierzig Jahre, bis sich ein Bundespräsident dazu durchrang, den 8. Mai als »Tag der Befreiung« auch für die Deutschen zu bezeichnen.

Doch damit wurde keine dauerhafte Wende in der offiziellen Geschichtspolitik der Bundesrepublik vollzogen. Mit der Übernahme der DDR und dem Anspruch, das gesamte sozialistische Erbe zu delegitimieren, bekamen jene Kräfte wieder die Oberhand, die in der Tradition des »Kalten Krieges« militanten Antikommunismus verbreiten und durch die Gleichsetzung von Faschismus und Kommunismus alle progressiven und antifaschistischen Bestrebungen »endgültig erledigen« wollen. So ist es nicht verwunderlich, dass die Geschichtsschreibung heute mit allen Mitteln versucht, den unter größten Opfern erkämpften Sieg der Völker der Sowjetunion zu relativieren und umzudeuten.

Dagegen legen wir Einspruch ein. Auf einer Geschichtskonferenz am 24. /25. April in Berlin wollen wir uns mit heute gängigen geschichtsrevisionistischen Positionen auseinandersetzen und gemeinsam mit Bündnispartnern unsere Gegenpositionen formulieren und diskutieren.

Ausgehend davon, dass der Geschichtsrevisionismus nicht nur in der BRD, sondern in ganz Europa auf dem Vormarsch ist, wird es dabei auch um die Auseinandersetzung mit Vorstößen gehen, eine grundlegende Neubewertung der Geschichte des 20. Jahrhunderts auch auf europäischer Ebene voranzutreiben. Zum Beispiel mit der Installierung eines Gedenktages für alle Opfer von Diktaturen und Totalitarismen am 23. August, dem Tag des Hitler-Stalin-Abkommens. Als Referenten und Diskussionspartner für diesen Themenblock konnten der Präsident der FIR, Michel Vanderborght, Thomas Lutz von der Stiftung Topographie des Terrors, Judith Demba, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Linksfraktion und der Polen-Spezialist Dr. Holger Politt gewonnen werden.

Ein zweiter Themenblock wird sich der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Totalitarismustheorien widmen. Zum Problem ideologischer Konstruktionen, der Gleichsetzung von nicht Gleichem und der Verkehrung von Ursachen und Wirkungen werden Professor Dr. Moshe Zuckermann aus Tel Aviv, Prof. Dr. Wolfgang Wippermann und Professor Dr. Kurt Pätzold sprechen. Thesen zu ihren Beiträgen finden sich im »Spezial« dieser Ausgabe der antifa auf den Seiten 13 bis 16.

Am zweiten Tag der Konferenz werden Hannes Heer und Ulrich Sander die Rolle der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg und die Fortsetzung militaristischer Traditionen in der Bundeswehr thematisieren. Teilnehmen werden an dieser Runde auch Vertreter griechischer und italienischer Opfer deutscher Kriegsverbrechen.

Dr. Detlef Garbe, Leiter der Gedenkstätte Neuengamme, Rosel-Vadehra-Jonas vom Freundeskreis Ravensbrück und Vertreter des Zentralrats der Sinti und Roma und jüdische Verfolgte werden zum Abschluss ihre Positionen zur gegenwärtigen Gedenkstättenpolitik zur Diskussion stellen.

Besonders wichtig ist für uns die Tatsache, dass Teilnehmer am antifaschistischen Widerstand und Überlebende des faschistischen Terrors, deren Stimme für die Verteidigung der historischen Wahrheit von großem Gewicht bleiben wird, an der Konferenz mitwirken. Die Ehrenvorsitzende unserer Organisation und Auschwitzüberlebende Esther Bejarano, wird am Sonnabend gemeinsam mit ihren Kindern Edna und Joram und der Microphone Mafia ein Konzert geben. Dr. Adam König, Überlebender der Konzentrationslager Sachsenhausen, Auschwitz und Buchenwald-Dora, hält das Schlusswort.

Die Konferenz »Einspruch!« ist die zentrale Veranstaltung der VVN-BdA zum 65. Jahrestag der Befreiung. Auf ihr werden wir öffentlich Einspruch gegen die herrschende Geschichtsfälschung erheben und antifaschistischen Positionen nachdrücklich Gehör verschaffen.

Die Wahrheit verteidigen!

geschrieben von Jugendgruppe VVN-BdA Freiberg/BED

5. September 2013

Ein Bericht vom 19. Antifacamp in Buchenwald

Sept.-Okt. 2007

Kern unserer Kultur

Das Vermächtnis der einstigen Buchenwald-Häftlinge gehöre zum Kern des demokratischen Selbstverständnisses und der politischen Kultur der Bundesrepublik, heißt es in der vom Weimarer Stadtrat einstimmig verabschiedeten gemeinsamen Erklärung von Buchenwaldhäftlingen und der Stadt Weimar anlässlich des 70. Jahrestages der Errichtung des KZs Buchenwald.

Deutliche Kritik an der Gedenkstättenkonzeption des Bundes sowie an einigen weiteren bundesdeutschen Zuständen übte auf der selben Gedenkveranstaltung der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer.

Er erklärte, die in der Gedenkstättenkonzeption des Bundes enthaltene Parallelität zum SED-Regime sei unerträglich. Sie führe zur Relativierung der nazistischen Vernichtungspolitik. Das rühre unter anderem daher, dass diese Konzeption ohne Einbeziehung der Naziopfer entstanden sei. SED-Regime und Nazidiktatur hätten nichts miteinander zu tun. Ebenso wenig dürfe es länger hingenommenwerden, dass Bürger, die sich Neonazis in den Weg stellen, behindert und sogar bestraft werden. Auf der Veranstaltung wurde mehrmals das Verbot der NPD gefordert.

Auch in diesem Jahr wurden wieder wichtige Arbeitsprojekte durchgeführt. Schwerpunkte waren der OP2, das Kleine Lager, die Bahnstrecke und die Lesung auf dem Theaterplatz. Am OP2 beschäftigten wir uns mit der Freilegung der gesamten Grundfläche. Aus der Bahntrasse soll ein Wanderweg zur Gedenkstätte Buchenwald entstehen. Die Gedenkstätte ist zwar damit einverstanden, aber gearbeitet wird an diesem Projekt nur durch eine Weimarer Bürgerinitiative, die wir natürlich gern unterstützt haben.

Ein weiterer Schwerpunkt war aber auch die Auseinandersetzungen mit der Gedenkstätte über das Illegale Lagerkomitee und die Selbstbefreiung. Im vergangenen Jahr wurde unsere Kritik mit Bemerkungen: »Wir wüssten nicht, wovon wir reden« und »Wir sollten uns erstmal in der Ausstellung kundig machen«, abgetan. Darauf entstand die Idee, in diesem Jahr Dr. Ullrich Schneider, Generalsekretär der FIR, Bundessprecher der VVN-BdA und Historiker, einzuladen. Ulli kam unserer Bitte sehr gern nach. Eine Führung durch die Gedenkstätte und eine offene Diskussionsrunde fanden statt. An dieser nahm auch der Leiter der pädagogischen Abteilung der Gedenkstätte Buchenwald teil Nach seinen Worten war er erstaunt über die Aussagen von Dr. Ullrich Schneider. Im Gegensatz zu ihm konnten jedoch die meisten den Schlussfolgerungen des Referenten folgen.

Unsere Hauptkritikpunkte: Es fehlt die Vorstellung der Illegalen Lagerorganisation und die authentische Darstellung der Selbstbefreiung. Wir nutzten natürlich auch die Gelegenheit, eigene Fragen zu stellen, etwa: »Warum wird das Internationale Lagerkomitee nicht als solches in der Ausstellung benannt?« Die Antwort lautete: »Diese Organisation hätte so viele verschiedene Namen, dass man nicht wüsste welche man verwenden sollte.« Nach der Ankündigung, dass die Gedenkstätte ihre Ausstellung im nächsten Jahr neu gestalten wird, fragten wir, ob dann immer noch der unsägliche Begriff »Kommunistische Geheimorganisation« für den Widerstand im Lager stehen wird. Der Gedenkstättenvertreter hielt das für sehr wahrscheinlich. Zu einem Eklat kam es, als er erklärte, dass die Ausstellung im Museum im Glockenturm die teuerste der gesamten Gedenkstätte wäre. Dies veranlasste einen Teilnehmer des Camps zu bemerken: »Früher war dieses Gebäude das Klo am Glockenturm, das heißt, die Geschichte der DDR wurde aufs Klo verbracht und wenn es darum geht, die DDR zu diskreditieren dann ist auch genug Geld da!« Bemerkenswert war auch die Mitteilung, die Gedenkstätte sammle Vorschläge für die Neugestaltung der Ausstellung. Wir haben uns in den folgenden Tagen des Camps die Ausstellung sehr genau angesehen und halten auch danach alle Kritikpunkte aufrecht. Es werden Ereignisse der Geschichte des Lagers Buchenwald durch Berichte über einzelne Personen dargestellt. Es gab also einzelne gute Menschen, aber keine Organisation. Einige Beispiele:

Rolf Kralovitz berichtet in einem Video über zusätzliche Essenrationen. Er schildert diese Aktion sehr eindrücklich, bleibt aber, zumindest in dem Videoabschnitt, die Aussage schuldig – woher kam dieses zusätzliche Essen?

Kurt Goldstein kam nach dem Todesmarsch von Auschwitz ins Lager und beschloss, sich als Franzose auszugeben. Der Schreiber der Effektenkammer begrüßte ihn: »Hallo Julio« – sein Name aus dem Spanienkrieg. Wenige Tage später holte man Goldstein aus dem Kleinen Lager. Das Werk eines einzelnen Schreibers?

Die 46 Häftlinge, welche sich kurz vor der Befreiung am Tor melden mussten, wurden versteckt. Ging das ohne Hilfe? Ohne Organisation?

Spontan entschlossen wir gegen diese Geschichtsfälschung zu protestieren. Unter den Losungen: »Nehmt den Häftlingen nicht ihre Würde – gegen die Leugnung der Selbstbefreiung!« und »Gegen die Umdeutung der Geschichte – die Selbstbefreiung achten!«, demonstrierten wir vor dem Eingang des Lagers Buchenwald und anschließend mit einer Spontandemo durch Weimar. Dabei gab es viele Gespräche mit Bürgern Weimars und Touristen, über tausend Flugblätter wurden verteilt und gelesen!

Wir fordern von der Gedenkstätte: