Gerettete Bücher übergeben

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geschrieben von Regina Girod

In Potsdam entsteht eine »Bibliothek der verbrannten
Bücher«

Nov.-Dez. 2010

Der Spanienkämpfer Artur Dorf (1908 bis 1972) hätte bestimmt seine Freude daran gehabt, dass jene 150 Bücher, die er über die Zeit des Faschismus rettete, indem er sie von seinem Schwiegervater in dessen Küche einmauern ließ, jetzt in einer richtigen Bibliothek stehen und sogar öffentlich zugängig sind. Bände von Marx, Engels und Lenin, aber auch von Ferdinand Lasalle und Karl Kautky sind darunter, einige Raritäten wie die gesammelten »Spartakusbriefe« oder ein Heft aus der Reihe »Unter dem Banner des Marxismus« aus dem Jahr 1933, gehören ebenfalls dazu. Artur Dorfs Sohn, Jean-Claude, hat die Bände am 13. Oktober der »Brandenburger Bibliothek der im Faschismus verbrannten Bücher« in Potsdam übergeben. Getragen wird diese Stiftung vom Fritz-Teppich-Verein, benannt nach dem letzten heute noch lebenden deutschen Spanienkämpfer. Artur Dorf und Fritz Teppich waren, auch wenn sie sich kaum begegnet sein dürften, Kampfgefährten in einer schweren Zeit. Ihr Erbe wird heute weiter getragen vom Verein ‘»Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936-1939«, über den auch der Kontakt zwischen Jean-Claude Dorf und Herbert Driebe zustande kam. Der ist verantwortlich für die Bibliothek, die der Verein seit einigen Monaten in der Potsdamer Hessestraße 19 betreibt. Gut 1000 Bücher stehen schon in ihren Räumen, doch es ist noch viel Platz in den Regalen, denn der Verein ist auf Schenkungen (oder wie im Fall der »eingemauerten« Bücher auf Dauerleihgaben) angewiesen. So gab es am 13. Oktober noch eine kleine Überraschung, als die alte Potsdamerin Inge Maja Weiße, die in der örtlichen Presse von der Buchübergabe gelesen hatte, ebenfalls eine Bücherspende vorbeibrachte. 1933 hatte sie diese Bücher, darunter eine Ausgabe von August Bebels »Die Frau und der Sozialismus« aus dem Jahr 1891, in ihrem Garten vergraben. Doch nicht nur auf so spektakuläre Weise gerettete Bücher werden angenommen. Auch Belletristik der über 100 Autoren, deren Werke 1933 von den Faschisten exemplarisch verbrannt wurden, wird noch gesucht. Leider kann die Bibliothek noch keine regelmäßigen Öffnungszeiten anbieten. Interessentenkönnen sich telefonisch unter 0331/ 231470 29 bei Herbert Driebe anmelden.

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