Huldigungen an den Führer

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geschrieben von Detlev Beyer-Peters

Argumente für die Auseinandersetzung mit Agnes Miegel

März-April 2012

Die Veröffentlichungen von Dr. Marianne Kopp nutzen rechtskonservative und neofaschistische Kreise, um gegen die Umbenennung von Agnes-Miegel-Straßen anzukämpfen, von denen es in Westdeutschland noch 92 gibt. Dazu gehört auch die Agnes-Miegel-Straße in Hildesheim, gegen deren Umbenennung u.a. die NPD, die DVU und sog. Freie Kameradschaften anstürmen. Dass Marianne Kopp keine Berührungsängste zu Faschisten hat, bewies sie als Hauptreferentin eines Seminars der neofaschistischen Bildungsstätte des inzwischen verbotenen Vereins Collegium Humanum 2001 in Vlotho.

Weitere umfassende Informationen sowie Quellenhinweise unter:

http://www.vvn-bda-re.de/index.php?site=textsite&textsite=Faschismus%20in%20Herten

Im August letzten Jahres zog der Ardey-Verlag in Münster nach nur einer Woche das Buch »Agnes Miegel. Ihr Leben, Denken und Dichten von der Kaiserzeit bis zur NS-Zeit« wieder aus dem Handel. Die Verharmlosung der Verstrickungen von Agnes Miegel mit dem NS-Regime war dem Verlag doch zu viel geworden. Die Herausgeberin Dr. phil. Marianne Kopp, Vorsitzende der Agnes-Miegel-Gesellschaft e.V., hat gerade in den letzten Jahren alles dafür getan, um die persönliche Schuld der Agnes Miegel klein zu reden.

Agnes Miegel hing »glühend an Ostpreußen«. Als zu Beginn des 1. Weltkrieges die russische Armee bei Tannenberg unter dem Befehl von Paul von Hindenburg vernichtend geschlagen wurde, verfasste Agnes Miegel ihr erstes Huldigungsgedicht »Hindenburg«. Nach dem verlorenen Weltkrieg entwickelten sich die nationalistischen Parteien in Ostpreußen zur stärksten parlamentarischen Kraft. Für deren Zeitungen arbeitete Agnes Miegel ab 1920.

Nach der Übertragung der Macht auf die -NSDAP wurde die beliebte ostpreußische Heimatdichterin zum »literarischen Aushängeschild«. Ihre »Heimatliteratur«, »Neoromantik« sowie »Blut-und-Boden-Literatur« entsprach dem Geschmack der Nazis. Anfang Mai 1933 wurde Agnes Miegel in die gleichgeschaltete Sektion Dichtkunst der Preußischen Akademie der Künste berufen. Am 26.10.1933 wurde ein Treuegelöbnis auf Adolf Hitler veröffentlicht, dass von 88 Literaten – u.a. von Agnes Miegel – unterzeichnet worden war. Am 18.08.1934 erschien im Parteiorgan der NSDAP der »Aufruf der Kulturschaffenden«, mit dem u.a. Agnes Miegel Adolf Hitler die bedingungslose »Gefolgschaft« erklärte. Sie unterstützte die Hitler-Jugend und den »Bund deutscher Mädchen« und erhielt dafür 1939 die Ehrennadel der Hitler-Jugend. Anlässlich der »Volksabstimmung« über den Einmarsch deutscher Truppen in das besetzte Rheinland schrieb Agnes Miegel Anfang 1936 ihr zweites Huldigungsgedicht, »Dem Führer«:

Laß in deine Hand,

Führer! uns vor aller Welt bekennen:

Du und wir, nie mehr zu trennen,

stehen ein für unser Vaterland.

Von Adolf Hitlers Drang nach Osten war Agnes Miegel begeistert. In der chorischen Dichtung »Memelland« lässt sie 1935 sagen:

»Nach Ostland wollen wir reiten,

Nach Ostland wollen wir gehen.«

Ich hatte in langen Zeiten

so stolze Jugend nicht gesehn.

In Ihrem Gedicht »An Deutschlands Jugend« ruft sie unmittelbar nach Beginn des Zweiten Weltkrieges die Jugend auf, dem Ruf des Führers zu folgen. 1940 wird ihr viertes Anbetungsgedicht »An den Führer« veröffentlicht.

»Unermüdlich, über alle Strapazen hinwegsehend, mit Kräften, die plötzlich wieder da waren, über die sie sich selber wunderte« ging Agnes Miegel während des Zweiten Weltkrieges auf Lesefahrten, die sie bis nach Russland führten. 1944 wurde sie in die »Gottbegnadeten-Liste« aufgenommen. Damit war sie – neben fünf weiteren Schriftstellern – »in Würdigung ihrer besonderen künstlerischen Fähigkeiten« von jeglichem Kriegseinsatz befreit.

Erst 1949 wird Agnes Miegel »entnazifiziert«. Die Verantwortung für die Entnazifizierung war zu diesem Zeitpunkt weitgehend in deutschen Händen. Vom Vorsitzenden »ihres« Entnazifizierungsausschusses, dem nationalsozialistisch ausgerichtete Schriftsteller Waldemar Augustiny, erhielt sie den gewünschten »Persilschein«.

Bis zu ihrem Tode am 26.10.1964 schaffte Agnes Miegel zwar nicht mehr viel Literarisches, aber ein fünftes Huldigungsgedicht, diesmal für Theodor Heuss, war noch dabei. Die Aufarbeitung ihrer persönlichen Schuld fiel noch spärlicher aus: »Auf Ihre Anfrage über meine Stellung zum Nationalsozialismus kann ich nur sagen, dass ich, die Grenzdeutsche, mich aus Idealismus dazu bekannte«. Außerdem wollte sie nur einen daran teilhaben lassen: »Dies habe ich mit meinem Gott alleine abzumachen und mit niemand sonst.«

Dafür aber ließ sie es zu, dass ihre Gedichte in der rechtsextremen Zeitschrift »Nation Europa« und im »Ostpreußenblatt« der Landsmannschaft Ostpreußen veröffentlicht wurden.

Als Beleg der geringen Schuld der Dichterin, dient der Agnes-Miegel-Gesellschaft der Besuch des SPD Kanzlerkandidaten, Willy Brandt, zu ihrem 82. Geburtstag. Hatte er die Rolle von Agnes Miegel im 3. Reich verkannt oder wollte er nur die Herzen und Stimmen der Ostpreußen gewinnen? Denn die hatten Agnes Miegel nach 1949 zur »Mutter Ostpreußens« und damit zu ihrer Identifikationsfigur hochstilisiert. Die nationalsozialistische Vergangenheit der Dichterin wurde dabei jedoch vollkommen ausgeblendet.

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