Mutig und unerschrocken

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geschrieben von Peter C. Walther

Eine informative Ausstellung zum Jugendwiderstand in Frankfurt/Main

März-April 2011

»Es lebe die Freiheit!

Junge Menschen gegen den Nationalsozialismus«

Eine Ausstellung des Studienkreises Deutscher Widerstand 1933-1945

Frankfurt am Main, Rossertstr.9,

Telefon: 069 / 721575

E-Mail: kontakt@studienkreis-widerstand-1933-45.de

Web: www.studienkreis-widerstand-1933-45.de

Voraussichtlich ab März gibt es zur Ausstellung einen Katalog (Preis ca. 10.- Euro), erhältlich beim Studienkreis Deutscher Widerstand.

Opposition und Widerstand junger Menschen gegen das Naziregime behandelt eine Ausstellung des Studienkreises Deutscher Widerstand 1933-1945. »Es lebe die Freiheit! Junge Menschen gegen den Nationalsozialismus« lautet ihr Titel. Im Februar wurde sie in Frankfurt am Main im Haus des IG Metall-Vorstandes, der auch die Herstellung unterstützt hat, eröffnet.

Die Ausstellung zeigt exemplarisch die Lebensläufe junger Menschen, die mit ihrem Verhalten und ihren Handlungen die Vielfalt des Jugend-Widerstandes erkennen lassen. Dazu gehören sowohl bekannte Gruppen wie die Weiße Rose oder die Edelweiß-Piraten als auch viele einzelne Beispiele. Auf über dreißig Bild- und Texttafeln gibt die Ausstellung einen ebenso informativen wie eindrucksvollen Überblick über die Beteiligten, die verschiedenen Gruppierungen, Formen und Arten der Opposition und des Widerstandes.

»Die Bandbreite oppositionellen Handelns von Jugendlichen reichte vom zivilen Ungehorsam über Nicht-Anpassung bis hin zum aktiven Widerstand. Man weigerte sich, sein Leben den Vorgaben der Nazis anzupassen, traf sich heimlich in verbotenen Gruppen, versuchte den Lügen der NS-Propaganda etwas entgegenzusetzen«, heißt es auf einer der Übersichtstafeln. Und: »Für junge Juden, Sinti und Roma oder auch Zwangsarbeiter war das bloße Überleben bereits ein Akt des Widerstandes.«

Die Ausstellung weist zugleich auf das Ausmaß und die Härte des Naziterrors hin. 1940 wurde das erste KZ speziell für männliche Jugendliche errichtet; zwei Jahre später das Mädchen-KZ Uckermark; unabhängig davon, dass Jugendliche und bei der rassistischen Verfolgung von Juden, Romas und anderen auch Kinder in die KZs verschleppt wurden. Das Regime wurde zunehmend brutaler gegen jegliche Opposition und Widerstand. Während zu Beginn der Naziherrschaft das Verbreiten von Flugblättern noch mit Gefängnisstrafen geahndet wurde, wurden in den vierziger Jahren hierfür auch Jugendliche zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Bei der Eröffnungsveranstaltung berichteten zwei Zeitzeugen aus ihrem eigenen Leben als junge Menschen im Widerstand. Die eine, Irmgard Heydorn, aus einer sozialdemokratischen Familie kommend, gehörte dem Internationalen Sozialistischen Kampfbund (ISK) an; der andere, Hans Heisel, aus einer unpolitischen Familie stammend und, wie er sagt, sehr naiv denkend, wandelte sich vom Marinesoldaten und Mitarbeiter einer im besetzten Paris stationierten Einrichtung der Marineführung durch Kontakte mit Widerständlern zum aktiven Nazigegner, der sich schließlich der Résistance anschloss. Bei den Schilderungen wurde deutlich, wie mutig und unerschrocken, aus heutiger Sicht zuweilen auch leichtsinnig und immer lebensgefährlich junge Widerständler lebten.

»Heute ist es viel leichter ‘Nein’ zusagen, Courage zu zeigen. Mehr Mut zur Kritik und Opposition im Alltag, das täte uns gut«, wird auf einer Ausstellungs-Tafel Irmgard Heydorn zitiert.

Der Ausstellung »Es lebe die Freiheit!« sind viele Stationen und viele Besucher zu wünschen. Es lohnt sich, sie zu zeigen und anzuschauen.

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