Noch immer unverzichtbar

Drucken

Viel Achtung und Anerkennung für die VVN beim 65. Jahrestag der
Gründung

Mai-Juni 2012

Gut aufgestellt präsentierte sich die VVN-BdA mit drei Veranstaltungen am 17. und 18. März in Frankfurt am Main. Auf jenes Wochenende war der 65. Jahrestag der deutschlandweiten Konstituierung der Vereinigungen der Verfolgten des Naziregimes (VVN) gefallen.

Vom 15. bis 17. März 1947 fand in Frankfurt am Main die 1. Interzonale Länderkonferenz der VVN statt. Auf ihr erfolgte der deutschlandweite interzonale Zusammenschluss, der seitdem als Gründungstag der VVN gilt.

Für den Bundesausschuss, dem höchsten Gremium der VVN-BdA zwischen den Bundeskongressen, war dies der Anlass, die turnusmäßige BA-Tagung nach Frankfurt am Main zu verlegen und mit einer repräsentativen Veranstaltung im Frankfurter »Haus Gallus«, einem historischen Ort, zu verbinden. Hier fand 1964/65 der legendäre Frankfurter Auschwitzprozess statt.

Am Beginn des Veranstaltungswochenendes stand der Empfang der Stadt Frankfurt am Main, zu dem die Oberbürgermeisterin, Dr. Petra Roth, aus Anlass des 65. Jahrestages der gesamtdeutschen Konstituierung der VVN die Mitglieder des Bundesausschusses der VVN-BdA und des Exekutivausschusses der FIR in den Kaisersaal des Rathauses Römer eingeladen hatte.

Am Nachmittag tagte dann der Bundesausschuss im Frankfurter Gewerkschaftshaus, wo sich – Zeichen der Verbundenheit – zur selben Zeit der Exekutivausschuss der FIR zu seiner Tagung traf.

Schließlich fanden sich am Abend dieses Tages Vertreter der VVN-BdA und der FIR bei einer Politischen Geburtstagsnachfeier für den ehemaligen Résistancekämpfer Hans Heisel ein, der wenige Tage zuvor 90 Jahre alt geworden war.

Generationen in der VVN vereint. Die Frankfurter Veranstaltung zum 65. Jahrestag der Konstituierung der VVN bot zugleich Gelegenheit und Anlass, den im Rahmen ihrer Möglichkeiten zum Teil immer noch aktiven Mitgliedern der Gründungsgeneration herzlich zu danken und sie für ihre Leistungen und Verdienste zu ehren. Dazu gehören neben vielen anderen Steffi Wittenberg, Esther Bejarano, Ehrenvorsitzende der VVN-BdA und Vorsitzende des Auschwitzkomitees, sowie Hans Schwert, langjähriger Vorsitzender und Vorstandsmitglied der VVN in Frankfurt am Main, heute 104 Jahre alt und seine Tochter Doris Fisch – zwei Generationen in der VVN.

Achtung und Anerkennung, die der VVN-BdA entgegengebracht werden, widerspiegeln sich in der Teilnahme der Repräsentanten mehrerer politischer und gesellschaftlicher Gruppierungen an der Veranstaltung im Haus Gallus.

Dazu gehören die evangelische Pröpstin Gabriele Scherle, auch für Aktion Sühnezeichen, und Mostafa Sadek für die Muslime im Rat der Religionen. Ebenso anwesend waren Jürgen G. Richter, Vorsitzender des Landesausschusses der Jüdischen Gemeinden Hessens; verdi-Geschäftsführer Thomas Wissgott für die Gewerkschaft; Gabi Faulhaber, Vize-Landesvorsitzende der Linkspartei; Ulli Nissen, Vorsitzende der SPD-Frauen Frankfurt und Hessen-Süd, und Bruni Freyeisen, Mitglied des DKP-Parteivorstandes.

Ihre Verbundenheit mit der VVN bekundeten auch die anwesenden Vertreter der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR), unter ihnen der langjährige FIR-Sekretär Ilja Kremer und FIR-Vizepräsident Ilja Krajew.

Im repräsentativen Kaisersaal des Frankfurter Rathauses Römer fand der Empfang für die Mitglieder des Bundesausschusses der VVN-BdA und des Exekutivausschusses der FIR statt, zu dem die Oberbürgermeisterin, Dr. Petra Roth, im Namen des Magistrats der Stadt Frankfurt am Main aus Anlass des 65. Jahrestages der gesamtdeutschen Konstituierung der VVN eingeladen hatte.

Der Kaisersaal ist ein geschichtlicher Ort. Hier fanden seit 1612 nach den Kaiserwahlen die königlichen Bankette statt. Heute ist der Saal bekannt vor allem durch die Bilder aller 52 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, die sich dort an den Wänden befinden.

Am 17. März 2012 waren es die Mitglieder des Bundesausschusses der VVN-BdA und des Exekutivausschusses der FIR, die den Kaisersaal bewundern konnten, als sie dort empfangen und begrüßt wurden; unter ihnen der Präsident der FIR, Vilmos Hanti, und VVN/BdA-Bundesvorsitzender Prof. Dr. Heinrich Fink.

»Für den warmherzigen Empfang, den uns die Stadt Frankfurt hier bereitet hat«, bedankte sich namens der eingeladenen Antifaschistinnen und Antifaschisten die VVN/BdA-Bundesvorsitzende Cornelia Kerth in Erwiderung auf die Rede des Frankfurter Stadtrats Michael Paris (SPD), der die VVN-Vertreter/innen namens des Magistrat der Stadt Frankfurt begrüßt hatte.

»Frankfurt hat als multikulturelle Stadt der Gegenwart für uns eine ebenso große Symbolbedeutung wie als Ort unserer Gründung«, betonte Conny Kerth. Sie hob in ihrer Rede außerdem hervor: »Für uns war es wichtig, unseren 65. Geburtstag an dem Ort zu begehen, an dem sich die organisierten Antifaschisten aus ganz Deutschland 1947 zusammengeschlossen haben. Diese Einheit wurde schon bald danach durch die Gründung der beiden deutschen Staaten und durch die politischen Konstellationen des Kalten Krieges zerstört.

Wir betrachten es heute als ständigen Auftrag, nach der Wiederherstellung unserer organisatorischen Einheit auch die inhaltliche Breite zu gewinnen, die dem Antifaschismus die Ausstrahlungskraft verleiht, die er braucht, um das Ziel zu erreichen, das uns die befreiten Häftlinge von Buchenwald hinterlassen haben: die Vernichtung des Faschismus mit seinen Wurzeln.Heute ist es ganz besonders wichtig, den zunehmenden Alltagsrassismus, von dem sich Neonazis in ihrem mörderischen Tun legitimiert fühlen, zurückzudrängen.«

Reflektieren wir noch einmal die politische Breite der Beteiligten und die Wertschätzung, die der VVN-BdA entgegengebracht wird: Da hatte die der CDU angehörende Oberbürgermeisterin Dr. Petra Roth namens des Magistrats, dem Vertreter aller in Fraktionsstärke im Stadtparlament vertretenen Parteien angehören, zu dem Empfang eingeladen.

Die Begrüßungsansprache, in der er auch die Bedeutung der VVN unterstrich, hielt aus dem Magistrat SPD-Stadtrat Michael Paris.

Eigens zum Empfang im Kaisersaal erschienen waren außerdem die Vizepräsidentin des Stadtparlaments, die Stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Frau Dr. Renate Wolter-Brandecker, und der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Römer, Manuel Stock, sowie der Stadtverordnete der Piraten, Martin Kliehm. Bei der VVN-Veranstaltung im Haus Gallus am nächsten Tag folgten die Vize-Landesvorsitzende der Linken, Gabi Faulhaber, und das DKP-PV-Mitglied Bruni Freyeisen. Hinzu kommen die ebenfalls anwesenden Repräsentanten der Gewerkschaften, der Evangelischen Kirche, der Jüdischen Gemeinden, der Muslime, sowie antifaschistischer Initiativen, Organisationen und Institutionen.

Die Kommentarfunktion für diesen Beitrag ist geschlossen