Tätige Erinnerung

5. September 2013

Sept.-Okt. 2007

Aus dem Grußwort des Bundesaußenministers Frank Walter Steinmeier anlässlich der Eröffnung der Ausstellung in der Gedenkstätte Flossenbürg am 22. Juli 2007

Wie könnte man nach der Rede von Viktor Juschtschenko anders formulieren: Wir stehen hier an einem Ort der deutschen Schande. Wir gedenken der hundertausend Opfer des KZ Flossenbürg. Und mit ihnen gedenken wir der Millionen Opfer des Nationalsozialimus. Wir gedenken der im deutschen Namen zu Tode gequälten, ermordeten und erniedrigten Menschen in Deutschland, in Europa und in der ganzen Welt.

Wir haben uns heute versammelt, um diesem Gedenken einen Raum zu geben. Aus dem Ort der Schande soll eine Stätte des Gedenkens werden.

Wir wollen mit dieser Gedenkstätte allen Menschen Ehre erweisen, die unter dem Nationalsozialismus gelitten haben. Wir verneigen uns vor ihrem Leid. Und wir erinnern uns. Denn wir wissen: Versöhnung ist nur dort möglich, wo Erinnerung gegenwärtig wird. Wo wir als Deutsche unser schweres Erbe der Vergangenheit annehmen und uns unserer Verpflichtungen für die Zukunft bewusst werden.

Wir wissen: dass wir heute als Vertreter eines freien, eines demokratischen und weltoffenen Deutschland sprechen dürfen, das danken wir auch vielen Menschen, die hier gelitten haben.

Wir wissen: das Leid der Menschen hier war unsagbar! Davor versagen der Verstand und das Herz, so hat es Präsident Juschtschenko eben ausgedrückt. Wir brauchen Hilfe, um über dieses Leid überhaupt sprechen zu können. Um uns dieses Leids zu erinnern. Um zu verstehen, was in deutschem Namen geschehen ist. Wir Deutsche müssen uns gegenseitig helfen, die Erinnerung wach zu halten. Wir Jüngeren brauchen die Hilfe der Älteren. So wie unsere Kinder unsere Hilfe brauchen. Und so soll diese Gedenkstätte ein Raum der tätigen Erinnerung für uns Deutsche sein. Wir wissen auch: Wir brauchen für diese Erinnerung die Hilfe derer, die den Terror der Nationalsozialisten überlebt haben.