Treffen in Paris

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geschrieben von
Claudia Honefeld

Zum Versuch einer internationalen Koordinierung der
Spanienkämpferverbände

Juli-Aug. 2010

Claudia Honefeld ist Historikerin und Mitglied des Vereins »Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936-1030« (KFSR). Sie ist Doktorandin in Barcelona.

Am letzten Maiwochenende fand in Paris ein Treffen der Interbrigaden Organisationen (ACER, KFSR; AABI;Tierra de la Fraternidad, ALBA; IBMT….) aus 15 Ländern statt. Auch bei diesen, per se dem Internationalismus verpflichteten Verbänden, zeigte sich einmal mehr, wie schwierig es ist, eine gemeinsame Basis zu schaffen. Trotz der gemeinsamen Ideale von Internationalismus und Antifaschismus gilt es immer noch Grenzen zu überwinden oder besser Brücken zu bauen, zwischen Regionen und Völkern, Sprachen, Generationen und Geschlechtern, sowie den verschiedenen Welten, wie der akademischen und anderen sozio-kulturellen Strukturen. Doch wenn nicht einmal wir, die wir doch in der Tradition der Internationalen Brigaden handeln, uns einigen können, wie können wir dann auch andere von der Wichtigkeit antifaschistischer Werte überzeugen? Als Historikerin bin ich mit den teils blutigen Positionskämpfen innerhalb der Geschichte der linken Bewegungen vertraut. Umso überzeugter bin ich davon, dass wir dieses Erbe überwinden müssen. Die Erinnerung an die Internationalen Brigaden zu verteidigen bedeutet, dass wir nach wie vor darum kämpfen müssen, Faschismus und Krieg zu verhindern. Konservative Geschichtsklitterung und rechte Geschichtsfälschung, nicht nur in Bezug auf die Internationalen Brigaden, bereiten den Boden für die Verwurzelung rassistischer, chauvinistischer und faschistischer Geisteshaltungen in der Bevölkerung. Dieser konkreten Gefahr müssen wir mit unserer Arbeit entgegen treten.

Die ersten Schritte dazu sehe ich in den Vorschlägen der Internationalen Koordinierung der Interbrigaden-Organisationen verwirklicht. So bestand grundsätzlich Einigkeit darüber, die Zusammenarbeit der Verbände zu intensivieren und die Netzwerke der nationalen Organisationen auszubauen. Realisiert werden soll dies u.a. durch die angestrebten jährlichen Treffen und eine rotierende Repräsentation durch jeweils einen nationalen Verband. Diese Funktion übernimmt in diesem Jahr die französische ACER. Für 2011, das 75. Jubiläumsjahr der Gründung der Internationalen Brigaden, übernimmt die Organisation »Tierra de la Fraternidad« die Verantwortung. Dann geht es vor allem um die Organisation einer Hommage in Spanien, an der verschiedene Universitäten und Organisationen beteiligt sein werden. Eine Kooperation mit anderen antifaschistischen Initiativen wird angestrebt. Der Kontakt zu spanischen Initiativen zur Aufklärung franquistischer Verbrechen, denen auch internationale Freiwillige zum Opfer fielen, ist bereits hergestellt. Insgesamt sollen Projekte des internationalen Jugendaustausches, der Recherche und der politischen Bildung angestoßen und koordiniert werden. Ein Internetforum soll dabei eine einfache und schnelle Kommunikation ermöglichen. In der lebhaften Diskussion um eine Jahresagenda von nationalen und internationalen Veranstaltungen, Geschichtskongressen, Projekten zur Dokumentation von Archivbeständen zu den Internationalen Brigaden und zur Katalogisierung vorhandener Informationen zeichneten sich durchaus auch die Sprachprobleme ab, mit denen vor mehr als 70 Jahren schon die Internationalen Brigaden konfrontiert waren.

Auch wenn sich die verschiedenen Organisationen der Freunde und Kämpfer der Spanischen Republik intensiv mit der Geschichte auseinandersetzen, so steht doch das antifaschistische Engagement heute im Zentrum ihrer Vereinsarbeit. Dabei ist es hilfreich, den Stimmen aus der Vergangenheit zu lauschen. Die Geschichte Europas im 20. Jahrhundert war geprägt von Kriegen und Grausamkeiten, doch die Hoffnung ging nie verloren. Die Hoffnung darauf, dass eine andere Welt möglich ist. Immer gab es Menschen, die für diese Hoffnung gelebt und gekämpft haben, oft sogar für sie gestorben sind. Die Geschichte der Internationalen Brigaden ist ein außergewöhnliches Beispiel der Solidarität und des Einsatzes für eine bessere Welt. Ihr Leben im Widerstand und ihr Geist der Gemeinschaft sollte für uns immer präsent sein und über unsere Widersprüche hinausweisen, seien es traditionelle, persönliche, institutionelle oder Generationsstreitigkeiten. Meines Erachtens besteht die beste Ehrung der Internationalen Brigaden und aller antifaschistischen Kämpfer darin, sich für antifaschistische Werte aktiv einzusetzen und den Mut zu haben, Träume, Utopie und linke Ideen in alle unseren Beziehungen einzubringen. »Den Toten zu Ehr den Lebenden zur Pflicht!«

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