Kurven werden »gesäubert«

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geschrieben von Janka Kluge

Antifaschistische Fußballfans im Visier der Rechten

 

In den letzten Wochen haben Ausschreitungen und Überfälle von Fußballfans für Schlagzeilen gesorgt. Doch diesmal haben Mitglieder der Fangruppe Ultras nicht die Fans anderer Vereine angegriffen, sondern der eigenen. Die Ultras, welche eigentlich aus Italien stammen, haben in den letzten Jahren in fast allen Stadien Europas Fuß gefasst. In ihrer Mehrzahl verstehen sie sich als unpolitisch, es gibt aber auch einige linke und antifaschistische Gruppen.

Im Juli 2010 spalteten sich die Aachener Ultras. Nazis und rechtsoffene Fans gründeten einen eigenen Fanclub die »Karlsbande«. Bei diesen Aachener Fans tummeln sich Mitglieder der verbotenen Kameradschaft Aachener Land und stadtbekannte Mitglieder der NPD. Immer wieder griffen sie Mitglieder der Ultras an und verletzten sie. Am 12. Januar 2013 besuchten die Mitglieder der Aachener Ultras das letzte Mal ein Spiel ihrer Mannschaft. Sie nahmen beim Pokalspiel gegen Viktoria Köln Abschied von ihrem Verein. Zu diesem letzten Spiel wurden sie von mehr als 250 Fans anderer Vereine begleitet. Diese haben damit auch ein Signal in andere Stadien gesendet.

Fast sieht es so aus, als sei die Auseinandersetzung in Aachen der Beginn einer Jagd auf antifaschistische Fans.

Bei Eintracht Braunschweig tummeln sich schon lange rechte Fans und Nazis. Nachdem sie den linken Braunschweiger Ultras vorgeworfen hatten, Politik in das Stadion zu bringen und sie mehrfach verprügelten, bekamen jetzt die Ultras Stadionverbot. Die Vereinsführung schrieb nach öffentlicher Kritik an dem Verein: »Eine von rechten Hooligans dominierte und gesteuerte Kurve entspricht nicht der Wirklichkeit im Eintracht Stadion.« Unerwähnt ließ der Vorstand dabei, dass bei der Aufstiegsfeier in der Innenstadt 300 Hooligans und Nazis randalierten und die Polizei angriffen.

Fans mehrerer Vereine solidarisierten sich mit den Ultras in Braunschweig. Als in Duisburg die Fangruppe »Kohorte« ein Transparent im Stadion aufhängte »Braunschweig – Opfer nicht zu Tätern machen«, wurden sie von rechten Hooligans angegriffen.

Dass es auch anders geht , zeigte der Präsident von Rot Weiß Essen, Michael Welling. Fast 20 Anhänger des Vereins hatten eine Vorführung des Anti-Nazi-Films »Blut muss fließen« in Essen gestürmt. Um die Sicherheit der Besucher nicht zu gefährden wurde die Vorführung abgebrochen. Jetzt wird der Film im Stadion von RWE gezeigt.

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