Editorial

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geschrieben von Regina Girod

Wie ging man in der alten BRD mit der Nazivergangenheit um und was bedeutet das für uns Heutige? Diese Frage, einschließlich ihrer internationalen Dimension, zieht sich wie ein roter Faden durch die vorliegende antifa-Ausgabe. In den Beiträgen über Gauck in Oradour (Seite 9), Priebke, Kappler und Co (Seite 8) und die Überlebenden des Massakers von Santa Anna (S. 20) geht es um Naziverbrechen in den besetzten Ländern und ihre jahrzehntelangen Nachwirkungen. Im Porträt stellen wir eine litauisch-jüdische Partisanin vor, die bis heute für die Erinnerung an den Widerstand und seine Würdigung kämpft. Und die junge Autorin Nele Nussbaum informiert über ein eindrucksvolles Straßenprojekt zur Kennzeichnung von Orten der Besetzung und des Kampfes gegen die deutschen Okkupanten in Marseille (S. 29).

Doch auch unsere eigene Geschichte kommt nicht zu kurz. Ulrich Sander, seit seiner Jugend engagierter Antifaschist, zieht im »Spezial« eine Bilanz seiner politischen Erfahrungen. Der zweite Teil des »Spezials« vermittelt parallel dazu einen Eindruck von den ungehobenen Schätzen, die im Bundesarchiv der VVN ruhen. Die Geschichte einer beinahe vergessenen Publikation der VVN hat nicht nur uns beeindruckt, sondern auch den 23jährigen Studenten, der sie dort gefunden hat.

Schließlich gibt es noch eine direkte Verbindung aus der Vergangenheit in die Gegenwart. Auf den Seiten 22 und 23 erinnern P.C. Walther und der 86jährige Journalist Conrad Taler, der vor 50 Jahren als Berichterstatter am Auschwitzprozess in Frankfurt am Main teilgenommen hat, an diese wichtige Zäsur bundesrepublikanischer Geschichtsdebatten. Im »Haus Gallus«, das extra für diesen Prozess errichtet wurde, wird vom 30. Mai bis zum 1. Juni 2014 der nächste Bundeskongress der VVN-BdA tagen. Die Information für alle Mitglieder über seine Einberufung durch den Bundesausschuss findet sich auf den Verbandsseiten.

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