Randlage Hellersdorf

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geschrieben von Markus Roth

Nach dem Bezug vor einem Jahr ist in dem Flüchtlingsheim keine Normalität eingekehrt

 

Was hat sich seit dem Einzug von rund 400 Flüchtlingen in einer ehemaligen Schule in Berlin Hellersdorf getan? Festzuhalten ist, dass in dem Gebiet über zehn Prozent NPD gewählt haben und dass die Behörden es nicht vermocht haben die Sicherheit der Flüchtlinge zu gewährleisten. Abgesehen von der rassistischen Straßengewalt hat sich an der humanitären Lage der dort Untergebrachten, trotz Rundem Tisch, wenig geändert. Die Beschulung der Kinder kam nur schleppend voran, Deutschkurse an den Volkshochschulen werden jetzt erst angeboten, und die Kritik am privaten Betreiber reißt nicht ab. Von hygienischen Mängeln, über die drangsalierenden Zugangskontrollen zu kamera-überwachten Fluren – das Hellersdorfer Heim ist ein Abziehbild des klassischen »Lagers«, so wie es zu hauf existiert. Die zuständige Stadträtin nennt das »relative Normalität«. Sie verschweigt, dass die preisgekrönte Initiative »Hellersdorf Hilft« mittlerweile das Heim nicht mehr betreten darf – angeblich weil sie zur Politisierung der Flüchtlinge beiträgt. Auch die prall gefüllte Spendenkammer im Heim musste aufgelöst werden. Die bundesweite gefeierte Kooperation mit der benachbarten Hochschule für Soziale Arbeit steht ebenso auf der Kippe, weil die Studierenden durch den Träger des Heims systematisch von den Bewohnern ferngehalten werden. Dass in der Nachbarschaft nun extra ein Ladenlokal mit Spendengeldern angemietet werden musste, um unabhängige Räumlichkeiten für Solidaritätsarbeit und ein paar Internetarbeitsplätze für die Flüchtlinge anbieten zu können, zeigt, dass in Hellersdorf eben nicht alles gut ist. Und, seien wir ehrlich, wer es ernst nimmt mit der »Willkommenskultur« tut mehr, als die offensichtlichen Mängel zu beheben. Die Stichwörter sind klar: Wohnungsunterbringung, Aufhebung des Arbeitsverbots, großzügige Bleiberechtsregelung.

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