»Platz da!« für Flüchtlinge

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geschrieben von Eric Eichhorn

Ob es nun die »mindestens 12 000« Menschen waren, die da zwei Tage vor Weihnachten die Polizei gezählt oder doch eher jene 20 000, die »Bellevue de Monaco« wahrgenommen hatte oder irgendeine Zahl dazwischen, war letztlich nebensächlich. Wichtig war: Ganz, ganz viele waren gekommen – und dieses schöne Gefühl nahmen nach einer gelungenen gemeinsamen Veranstaltung alle mit heim.

Dicht gedrängt standen Münchnerinnen und Münchener, Bewohner des Umlandes und »Zuagroaste« von woher auch immer auf dem Platz vor der Oper im Zentrum der bayerischen Landeshauptstadt und erfreuten sich an Musik- und Wortbeiträgen. Vor allem aber am herzerwärmenden Umfeld und an den vielen fantasievollen Kommentaren zum Anlass der Zusammenkunft, die auf Transparenten und Demo-Schildern zu lesen waren.

»Humanität, Respekt, Vielfalt« verkündete unübersehbar das Banner am Staatsopern-Gebäude. Und noch deutlicher stand es nebenan am ebenfalls staatlichen Residenztheater auf der Fassaden-Dekoration: »Regida – Residenztheater gegen Idiotisierung des Abendlandes!« Chöre, Orchester, Ensemblemitglieder aus beiden Häusern und aus den benachbarten städtischen Münchner Kammerspielen, freischaffende Künstlerinnen und Künstler, viele aus Kabarett-, Bühnen- und Musikszenen, trugen ihr Können, ihr Wissen und ihren Witz zum Gelingen dieser Manifestation bei.

»Bellevue de Monaco«: Unter diesem Namen hatten sich eine Reihe von Initiatorinnen und Initiatoren, die meisten aus kulturellen und kulturpolitischen Umfeldern Münchens, daneben auch Gruppen wie der Münchner Flüchtlingsrat, Refugio und andere, zusammengefunden, um rechtzeitig deutliche Zeichen zu setzen gegen »Pegida«-Gelüste in der Region. Unmissverständliches Motto für die Veranstaltung am 22. Dezember: »Platz da! Flüchtlinge sind hier willkommen. Gemeinsam gegen Pegida, Rassismus und Hetze.« Schon schön, dass die Resonanz Münchens SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter zu klaren Worten bei der Kundgebung motiviert hat (an der er, entgegen seines ursprünglichen Terminplans, von Anfang bis Ende teilnahm). Seine CSU-Koalitionspartner signalisieren bisher Wohlwollen, halten sich, wenn’s konkret wird, aber eher bedeckt. Jahresend-Vorstöße ihres bayerischen Innenministers lassen künftig jedoch Schlimmstes befürchten.

Wie einst bei den »Lichterketten« gegen rassistische Übergriffe wird es wohl auch in München wieder davon abhängen, wer hier – »Platz da!« – Courage und langen Atem bewahrt. Die Zeichen stehen nicht schlecht, dass es nicht nur die »üblichen Verdächtigen« sein werden.

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