»Ein Panzer soll es sein!«

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geschrieben von Erika Schwarz und Simone Steppan

Die Geschichte des Befreiungsdenkmals in Ravensbrück

 

Unweit vom Zentrum der Stadt Fürstenberg an der Havel entfernt, an der Straße der Nationen, die zur Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück führt, kann der Besucher linkerhand einen auf einem Sockel platzierten Panzer nicht übersehen. Eine Steintafel an der angrenzenden Mauer verrät, dass Soldaten und Offiziere der Roten Armee am 30. April 1945 das ehemalige Konzentrationslager befreiten. Die Entstehung des »Panzerdenkmals«, wie die gesamte Anlage umgangssprachlich bald hieß, hat eine Geschichte, die verschieden erzählt wird.

Nachdem das 1945 erschaffene sowjetische Ehrenmal in der Fürstenberger Bahnhofstraße zu Beginn der 1970-er Jahre rekonstruiert worden war, hatten Einwohner 1974/75 die Idee, auch den Befreiern des größten Frauenkonzentrationslagers des »Dritten Reiches« ein eigenes Denkmal zu widmen. Vollendet werden sollte es zum 60. Jahrestag der Oktoberrevolution im November 1977. Da die Errichtung und Gestaltung von Gedenkstätten der Zustimmung des Ministeriums für Kultur der DDR bedurfte, wurden dort die ersten Entwürfe gemeinsam mit Vertretern des Instituts für Denkmalpflege diskutiert. Die zuständigen Partei- und staatlichen Stellen wünschten ein Denkmal mit hoher Symbolik im Rahmen der dafür zur Verfügung stehenden begrenzten finanziellen Mittel. Eine Arbeitsgruppe koordinierte das Vorhaben. Das Institut für Denkmalpflege zeichnete für die künstlerische Gestaltung der Gesamtanlage verantwortlich. Unterstützung sagte eine Panzereinheit der Sowjetarmee aus Drögen zu. Deren Komsomolzen restaurierten ein Sturmgeschütz vom Typ SAU 100 mit einer 100 mm Kanone als zentralen Teil des Monuments, obwohl es keine Panzerverbände waren, die am letzten Tag des April 1945 den Ort des Grauens erreichten, und dort 3.000 zurückgelassene kranke Häftlinge vorfanden, sondern Soldaten eines Pionier–Aufklärungsbataillons der 2. Belorussischen Front.

Erwogen wurden im Sommer 1976 mögliche Standorte. Gedacht wurde an den Parkplatz vor der Gedenkstätte, eine Stelle hinter Fritz Cremers 1964 geschaffener Müttergruppe. Doch dann fiel die Entscheidung auf einen Platz an der Straße zur Gedenkstätte. Geteilte Meinungen gab es unter den Teilnehmern über die Ausrichtung des Panzers, wovon abhing, wohin seine Kanone wies, ob auf den Lebens- und Leidensort der Häftlinge des ehemaligen KZ oder auf die Kaserne der dort zu diesem Zeitpunkt stationierten sowjetischen Soldaten.

Zahlreiche Betriebe aus der Region beteiligten sich an der Finanzierung der Anlage in Höhe von ca. 140.000 DM. Dazu zählten u. a. der Kraftverkehr Oranienburg, die Schuhfabrik Zehdenick und das Möbelwerk Löwenberg.

Am 7. November 1977 fand die Einweihung des Panzerdenkmals wie geplant statt. In den folgenden Jahren wurden dort an wichtigen Feiertagen der DDR und der UdSSR Kränze niedergelegt.

Das Denkmal in Fürstenberg war kein Novum. Schon vorher wurden die sowjetischen Befreier auf diese Art und Weise geehrt. U. a. stehen seit 1945 Panzer vom Typ T 34 in Berlin im Großen Tiergarten und in Zehlendorf. Aber auch später wurden weitere ähnliche Monumente errichtet. Seit 1970 erinnert einer in Kienitz an den 31. Januar 1945, als die Rote Armee an dieser Stelle die Oder überquert hatte. Am 29. April 1980 wurde aus Anlass der Befreiung des Gefängnisses Brandenburg-Görden vor 35 Jahren in der Stadt solch ein Denkmal eingeweiht. Das Fürstenberger überlebte wie alle anderen die sogenannte Wende. Obwohl nicht unter Denkmalschutz gestellt, ist es noch immer ein Zeichen der Erinnerung.

Offizielle Veranstaltungen finden an diesem Ort nicht mehr statt, da es – wiewohl seine Geschichte vom Gegenteil zeugt – als Beweis für den verordneten Antifaschismus abgetan wird.

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