Exil der Schwestern Úriz Pi

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geschrieben von Peter Steglich

Eine Ausstellung über spanische Emigranten in der DDR

 

Im März wurden zahlreiche Besucherinnen und Besucher im spanischen Instituto Cervantes in Berlin Augen- und Ohrenzeugen einer eindrucksvollen und höchst bemerkenswerten Veranstaltung. Eindrucksvoll deshalb, weil dem Publikum das Leben zweier Schwestern aus Spanien – sorgfältig aufgearbeitet und mit zu Herzen gehender Wärme – nahe gebracht wurde, deren Schicksal als Exilantinnen bis dahin nur einem kleinen Kreis der im Saal Anwesenden bekannt gewesen sein dürfte. Die Namen dieser aufrechten Frauen: Pepita und Elisa Úriz Pi, In ihrer spanischen Heimat wirkten sie als geachtete Pädagoginnen, anerkannte Reformerinnen des Erziehungs- und Bildungswesens und in der spanischen Republik galt ihre Kraft als Politikerinnen der Neugestaltung der pädagogischen Arbeit. Beide Schwestern setzten sich als Mitglieder der Kommunistischen Partei und Aktivistinnen der demokratischen Frauenbewegung in ihrem Lande für die Rechte von Frauen und Kindern ein. In Frankreich, dem ersten Land des Exils von Pepita und Elisa, kämpften sie weiter gegen das Franco-Regime. Sie konzentrierten sich in ihrer antifaschistischen Tätigkeit auf die Hilfe für spanische Lehrerinnen und Lehrer in den Flüchtlingslagern der französischen Exilheimat. Nach dem Überfall und der Besetzung Frankreichs durch Nazideutschland arbeiteten sie mit daran, die vor dem Franco-Regime geflohenen spanischen Flüchtlinge in den Kampf der Résistance einzubeziehen. Später, in ihrem zweiten Exilland, der DDR, galt ihr Kampf sowohl der Weiterführung des antifaschistischen Widerstandes gegen das faschistische Regime in Spanien als auch ihrem Wirken in internationalen Organisationen, vor allem der Internationalen Demokratischen Frauenföderation mit Sitz in Berlin. Sie blieben damit ihrem Lebensthema treu, nämlich der Arbeit für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen und Kindern. Diese Arbeit wurde nach dem Tode Pepitas in Berlin von Elisa weitergeführt.

Bemerkenswert war dieser Abend im Instituto Cervantes aber auch aus einem anderen Grund. Das Büro des Bürgermeisters von Badostain, der Heimat von Elisa und Pepita, sowie die Gemeindeverwaltung des nächst größeren kommunalen Verwaltungsgebietes »Valle de Egües« in Navarra unterstützten die Initiative und Forschungsarbeit des Schriftstellers und Journalisten Manuel Martorell. Mit ihm gemeinsam hat sich eine kleine Gruppe engagierter Frauen und Männer aus Spanien und Deutschland der Aufgabe gestellt, mit dieser Ausstellung an das Leben zweier Antifaschistinnen zu erinnern. Im Zuge der berüchtigten geheimen »Operation Bolero-Paprika«, die von der französischen Regierung und Franco-Regierung in Szene gesetzt wurde, um spanische Kommunisten und Antifaschisten aus Frankreich auszuweisen, wurden beide Schwestern 1951 in die DDR, also auf die andere Seite des »Eisernen Vorhangs« abgeschoben. Eine in der Ausstellung dokumentierte Zusammenkunft von Aktivistinnen der spanischen Frauenunion mit Dolores Ibarruri, der Symbolfigur des spanischen Widerstandes gegen den Faschismus, lässt ahnen, dass solche Begegnungen den Exilspaniern Kraft, Mut und Optimismus für das Leben unter nicht einfachen Bedingungen gaben..

Elisa und Pepita nutzten die Jahre ihres Exils in der DDR auch, die sich entwickelnde neue Welt nicht nur auf einem Teil deutschen Bodens sondern auch anderswo kennen zu lernen. Sie besuchten Leningrad, heute St. Petersburg, und trafen sich dort mit spanischen Kindern. Auch darüber berichtet die Ausstellung. Sie dokumentiert, dass in der DDR nicht wenig getan wurde, den spanischen Exilanten zur Seite zu stehen, wissend, dass ihnen die wirkliche und geliebte Heimat nicht ersetzt werden konnte. Beiden Schwestern war es, gleich anderen ihrer Landsleute, nicht vergönnt, ihren Traum zu verwirklichen, nach Spanien zurückzukehren

Alle an diesem Abend im Instituto Cervantes Anwesenden, haben mit Freude zur Kenntnis genommen, auf welche Weise das offizielle Spanien an der Würdigung von Pepita und Elisa mitgewirkt hat. Der Botschafter des Königreichs Spanien lud aus diesem Anlass am Tage der Eröffnung Spanier und Deutsche zu einer Begegnung in die Botschaft ein. Der kleine Ort Badostein, wie die Gemeindeverwaltung vom Valle de Egües, waren durch die Chefs ihrer kommunalen Körperschaften vertreten. Diese Gesten von Hochachtung gegenüber zwei spanischen Antifaschistinnen sollten gewürdigt und mit Dank aufgenommen werden. Nicht immer sind es spektakuläre Aktionen, die Wirkung erzielen. Der Abend im Instituto Cervantes hat gezeigt, dass menschliche Größe auch im »kleinen Format« von Wert ist.

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