Der Kampf um die Befreiung

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Schon Monate vor dem 8. Mai 1945 hatte er begonnen

 

Aachen

Im September 1944 erreichten die West-Alliierten die Westgrenze Deutschlands, und am 2. Oktober begann die »Schlacht um Aachen«. Die Stadt war Bestandteil der Hauptkampflinie am Westwall, dem bedeutendsten Verteidigungsnetzwerk an der deutschen Westgrenze. Die US-Armee ging von einer schnellen Einnahme der Stadt und einem Vorrücken in Richtung Ruhrgebiet aus, doch die Kämpfe dauerten fast 20 Tage, was zu großen Verlusten auf beiden Seiten führte. Die deutsche Garnison ergab sich endlich am 21. Oktober und die Aachener Bürger begrüßten die Amerikaner als Befreier. Aachen war die erste deutsche Stadt, die von den Alliierten besetzt wurde. Während des Angriffs wurde die Stadt in Teilen zerstört. Aachen war auch die erste Stadt in Deutschland, die einen von den Alliierten eingesetzten Bürgermeister bekam: Franz Oppenhoff, der schon bald auf Befehl Heinrich Himmlers durch ein SS-Kommando ermordet wurde.

 

Breslau

Breslau, eine der größten deutschen Städte, Zentrum der Rüstungsproduktion und Hauptstadt der preußischen Provinz Schlesien, wurde am 16. Februar 1945 von der 6. Armee der 1. Ukrainischen Front der Roten Armee vollständig eingeschlossen. Gauleiter Karl Hanke und der Festungskommandant, General der Infanterie Hermann Niehoff, ließen Teile der zur Festung erklärten Stadt niederbrennen, um in den Ruinen Angriffe besser abwehren zu können. Die in der Stadt verbliebene Bevölkerung, fast 200.000 Zivilisten, Knaben ab 10, Mädchen und Frauen von 12 bis 70 Jahren wurden rigoros zu Schanzarbeiten eingesetzt. Trotz mehrfacher Aufrufe zur Kapitulation durch die Rote Armee, kämpften die Wehrmachtseinheiten, etwa 50.000 Soldaten zu 50 % aus Volkssturmbataillonen bestehend, verbissen weiter. Am 6. Mai zerschlug die Rote Armee endgültig die in der Stadt befindlichen Wehrmachtstruppen. Gauleiter Hanke floh zuvor mit einem Flugzeug.

 

Nürnberg

Am 16. April 1945 erreichten US-amerikanische Panzer die Nürnberger Stadtgrenze.

Bis zum 20. April fanden zwischen den US-Streitkräften und einem letzten Aufgebot aus SS, HJ und Volkssturm erbitterte Straßenkämpfe statt. Karl Holz, Gauleiter und »Reichsverteidigungskommissar« hatte die Verteidigung Nürnbergs bis zum Äußersten und um jeden Preis angeordnet. Jeder, der eine weiße Fahne hisst, werde aufgehängt. Das war keine leere Drohung. Bis zuletzt wurden Nachrichten über Hinrichtungen von Volkssturmmännern und Zivilisten, die beim aussichtslosen Kampf nicht mehr mitmachen wollten, veröffentlicht. Hunderte von Zivilisten starben in diesen letzten Kriegstagen. Die Aufforderung zur Übergabe der Stadt hatte Oberbürgermeister Liebel unbeantwortet gelassen.

Am 20. April abends war der Krieg in Nürnberg zu Ende. 95 Prozent der Bausubstanz in der Altstadt waren vernichtet. Die US-Streitkräfte hissten auf dem Hauptmarkt, dem einstigen Adolf-Hitler-Platz, inmitten der zu 90 % zerstörten Altstadt die amerikanische Flagge. Tags darauf hielten sie eine große Siegesfeier und Parade ab.

 

Schwarzenberg

Einen Sonderfall bei der Befreiung vom Faschismus stellt die später so genannte »Freie Republik Schwarzenberg« in Sachsen dar: Am 8. Mai war der Krieg zu Ende, aber weit und breit waren keine alliierten Truppen zu sehen. Die Gründe hierfür sind bis heute ungeklärt. Der Kreis lag an der Demarkationslinie zwischen den amerikanischen und sowjetischen Truppen, aber vollständig auf US-Seite. Da niemand kam, ergriffen Antifaschisten in den einzelnen Orten die Initiative, setzten die verbliebenen Nazi-Machthaber ab und bildeten Aktionsausschüsse. Deren Zweck war in erster Linie die Sicherstellung der Versorgung. Die Gründung einer Freien Republik war zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt. Erst einen Monat nach Kriegsende am 9. Juni 1945 übernahmen sowjetische Truppen gemäß den Vereinbarungen von Jalta die Kontrolle über das Gebiet. Am 24. Juni wurden die antifaschistischen Aktionsausschüsse auf Befehl des sowjetischen Kommandanten aufgelöst, die Schwarzenberger Antifaschisten blieben jedoch in ihren Ämtern, die sie zuvor besetzt hatten.

 

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