Bewahren und verändern

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geschrieben von Raimund Gaebelein

Aktuelles aus der Begegnungsstätte Heideruh

 

 

Vielen Antifaschisten und Antifaschistinnen ist Heideruh ein Begriff. Unweit von Hamburg in der Nordheide gelegen, ist es seit Jahrzehnten Erholungsort und Treffpunkt. Ehrenamtliche Mitarbeit ist hier eine Selbstverständlichkeit und ein Muss, denn das Heim lebt von Spenden. Aufgebaut und mit Leben erfüllt wurde es von Kameradinnen wie Hilde Bentin und Gerda Kranz in der Tradition der Freien Deutschen Jugend. Doch die FDJ’ler wurden älter, das Angebot Heideruhs passte sich ihrem Bedürfnis nach Erholung und Austausch an und wurde Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband. Die allmähliche Überalterung und die gesundheitsbedingte stetige Verringerung der Zahl der Übernachtungen ließen sich jedoch nicht aufhalten.

Mit viel Elan und einer Spendenkampagne sollte Heideruh dennoch erhalten bleiben. Durch Spenden alleine ließ es sich aber auf Dauer nicht wirtschaftlich betreiben. Der Zufluchtsort musste sich also nach außen öffnen. Mit einer verjüngten Geschäftsführung unter Bea Trampenau, einem schlagkräftigen Team von Ehrenamtlichen, einem jüngeren Vorstand und dem neuen Projektnamen »Antifaschistische Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh« wollte man neue Zugangswege eröffnen. Nicht zuletzt, um den Grundgedanken gegen das Vergessen: »dass nie wieder geschehe, was einst geschah« zu verbreiten. Seit fünf Jahren ist Heideruh nun auch ein internationales Begegnungszentrum. Jedes Jahr kommen Ende Juli/Anfang August Gruppen des Service Civile International und bis zu 60 antifaschistische Jugendlichen aus der Umgebung zum Work-, bzw. Jugendcamp. Heute trifft man in Heideruh überhaupt viel mehr jüngere Antifaschisten. Sie versammeln sich wöchentlich zu gemeinsamen Diskussionen, Beratungen, Musik- und Filmabenden, und sie engagieren sich vehement für die Verbesserung der Lage von Flüchtlingen. Erneut ist Heideruh zum Zufluchtsort geworden, für Jüngere aus dem Landkreis und für Menschen, die hier auf den erfolgreichen Abschluss ihres Asylverfahrens warten. Heute stammen sie mehrheitlich aus dem Sudan, morgen vielleicht aus dem Mittleren Osten?

Geöffnet hat sich Heideruh auch zur Stadt Buchholz hin. Die Ausstellung einer Berliner Studiengruppe um den Kulturwissenschaftler Prof. Dr. Oliver Rump hatte in den vergangenen Jahren Erstaunliches und kaum Bekanntes über die 90-jährige Geschichte und Wirkung Heideruhs zutage gefördert. Zum 27. Januar 2013 wurde sie in der Stadtbücherei Buchholz feierlich eröffnet. Gegen verleumderische Angriffe seitens der AfD wurden Heideruhs Jugendliche wie die Begegnungsstätte von der Stadt offiziell in Schutz genommen. Geöffnet hat sich die »Antifaschistische Erholungs- und Begegnungsstätte« auch für Seminargruppen sehr unterschiedlicher Herkunft. Nach wie vor finden Kaffeetafeln statt und Ausflüge in die Umgebung. Die Heideblüte ist Hochsaison für Erholungsgäste. Nicht alle Schwierigkeiten sind gelöst. Finanziell ist Heideruh nach langen Mühen wohl über den Berg. Trotzdem fallen verstärkt Reparaturen an, denn auch das Heim ist in die Jahre gekommen. Eine Sanierung der Kühlanlagen und der Leitungen lässt sich überbrücken, aber nicht dauerhaft hinausschieben. Trotzdem und gerade deshalb hoffen wir auf zahlreichen Besuch. Eine gute Gelegenheit bietet das Sommerfest am Samstag, den 25. Juli ab 14 Uhr. Höhepunkt wird das Mikis-Theodorakis-Programm der Gruppe Quichote aus Chemnitz sein.

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