Kein Einzelfall

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geschrieben von Martin Schirdewan

Tröglitz als Symbol gesellschaftlicher Zustände

 

Die politischen Ereignisse der zurückliegenden Wochen in Tröglitz, im südlichen Sachsen-Anhalt, schockieren. Erst wird ein ehrenamtlicher Bürgermeister durch Drohungen von Nazis aus dem Amt gedrängt, weil er sich für Asylsuchende stark gemacht hat, dann wird kurzerhand die für die Unterbringung der Menschen in Not bereitstehende Unterkunft abgefackelt.

Verkehrte Welt in Sachsen-Anhalt, wo besonders im Süden immer wieder die NPD von sich Reden machte? Wer erinnert sich nicht an den SPD-Bürgermeister Püschel, der medienwirksam zur NPD wechselte und für die Nazis für den Landtag kandidierte? Wer erinnert sich nicht an den Skandal um den Schornsteinfeger Battke, der als NPD-Kreistagsmitglied ehrenamtlich in einem lokalen Fußballklub nicht nur fürs Kicken, sondern auch für die geistig-moralische Erziehung der Kinder »Verantwortung« übernahm.

Doch das Problem liegt nicht nur in Sachsen-Anhalt. Dort, im Süden, tritt es nur manchmal in besonders ekelhafter Weise zu Tage. Die verkehrte Welt findet sich fast überall. Bloß, dass mediale Stigmatisierung oder hilflose Symbolpolitik der Anständigen hier nicht weiter helfen. Die Gewinner der aktuellen Auseinandersetzung stehen schon fest. Es sind diejenigen, die ihre hässliche Fratze mit einer Politik der Gewalt in der Öffentlichkeit gezeigt haben. Und dafür leider überall in diesem Land, dessen soziales Gefüge immer weiter auseinanderklafft, auch Sympathien ernten. Und die Verlierer sind: Tröglitz, die Region, die demokratische Gesellschaft. Vor allem jedoch: die Asylsuchenden.

Eine andere Asylpolitik wird gebraucht – in der EU, in Deutschland. Eine, in deren Zentrum humanistische Grundsätze stehen, damit der gesellschaftliche Nährboden für Fremdenhass und Rassismus endlich umgepflügt werden kann.

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