Dialog mit der Tochter

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geschrieben von Janka Kluge

Argumente und Gedanken von Tahar Ben Jelloun

Der in Paris lebende Autor und Journalist Tahar Ben Jelloun hat unlängst eine Reihe Artikel, die zuvor in verschiedenen Zeitungen erschienen waren, in Deutschland veröffentlicht. Jelloun gilt als der bekannteste und wichtigste Autor aus dem Maghreb. Seit vielen Jahren setzt er sich mit dem militanten Islam auseinander, schreibt gegen die Islamisten an und wirbt dafür, im Islam nicht die Religion des Verbrechens zu sehen. Zuletzt sind von ihm Jugendbücher über den Islam und die Entstehung von Rassismus erschienen, deren Themen er im Gespräch mit seiner Tochter erörterte. Die Bücher »Papa, was ist ein Fremder« und »Papa, was ist der Islam« sollten heute in jeder Schule Pflichtlektüre sein.

Tahar Ben Jelloun »Der Islam der uns Angst macht« Berlin Verlag 2015, 10.- Euro

Tahar Ben Jelloun »Der Islam der uns Angst macht« Berlin Verlag 2015, 10.- Euro

Die beiden haben ihren Dialog wieder aufgenommen. Jetzt gilt ihr Augenmerk Fragen wie der, ob der Islamismus im Islam zwangsläufig angelegt ist und es dafür keine Alternativen gibt, oder warum mehr als 1000 junge Menschen aus Frankreich in den Irak und nach Syrien gereist sind, um sich dort dem IS anzuschließen. Tahar Ben Jelloun sieht die Ursache in der Vernachlässigung der Jugendlichen in den Vorstädten. Er schreibt »Warum begeistert und fasziniert der Dschihadismus so viele junge Europäer, seien es Konvertierte oder Nachkommen muslimischer Einwanderer? Er füllt eine Lücke. Nach dem Fall der Sowjetunion, dem Niedergang der sozialistischen Systeme in der arabisch-muslimischen Welt, auch dem Scheitern der nationalen Bewegungen im Sinne Nassers, nach der iranischen Revolution, die behauptet, eine islamische Revolution sei möglich, ist der Dschihadismus als `Ideal´ und neue `Bestimmung´ der Muslime aufgetaucht. Deren Rolle darin besteht den Islam zu ehren, indem sie ihn überall verbreiten Aus dem Kontext gerissene Verse werden benutzt, um Kämpfer zu rekrutieren.« Die Lösungen, die Tahar Ben Jelloun in dem Gespräch mit seiner Tochter vorschlägt, umfassen vier Punkte. »Erstens, die Schulbücher zu überarbeiten und die Geschichte der drei monotheistischen Religionen objektiv zu erklären. Zugleich sollte die Lehre begleitet sein von einer konkreten Idee: den Kindern Toleranz und Ablehnung des Fanatismus beizubringen, die Mechanismen des Rassismus zu erklären.« Zweitens fordert er zu schauen, was in den französischen Gefängnissen passiert. Es hat sich heraus gestellt, dass viele spätere Dschihadisten und Salafisten in den Gefängnissen angeworben wurden. Drittens fordert er, genauer zu schauen, was in den Moscheen gepredigt wird. Imame und Prediger, die aus dem Ausland finanziert werden, sollen seiner Meinung nach in Frankreich keine Moscheen mehr leiten, oder dort predigen dürfen. Das hat natürlich zur Folge, dass der französische Staat mehr Imame ausbilden muss. Außerdem fordert er, dass endlich die Politik gegenüber den Ghettos und Vorstädten geändert werden muss, damit auch die Jugendlichen von dort die Möglichkeit haben, Teil der Gesellschaft zu sein. Für Tahar Ben Jelloun haben die islamischen Terroristen nicht nur dem gemäßigten, weltlichen Islam den Krieg erklärt, sondern den ganzen Westen. Nach den Anschlägen auf die Redaktion der Satirezeitung Charlie Hebdo schrieb er: »Der Angriff auf Charlie Hebdo war eine Kriegshandlung. Doch die ermordeten Journalisten waren keine Krieger. Sie waren Dichter, Spötter, Narren der Freiheit, Genies, die mit Farbstiften, kluger Vorstellungskraft und aufklärerischem Licht kämpfen. Es ist ein Krieg gegen das freie Schreiben, Zeichnen und Schaffen. Ein gesichtsloser Krieg gegen die Laizität, die Tradition der Satire, des Humors, der Verspottung, der harten fruchtbaren Kritik. Am liebsten hätten die Terroristen Voltaire, Montaigne und Rabelais ausgegraben und auf dem Scheiterhaufen verbrannt.« Obwohl Jelloun die Bombardierung der Stellung des IS im Irak und Syrien verteidigt, vergisst er nicht, dass es die Regierung der USA unter -Bush war, die die Region so destabliert hat, dass die Kämpfer des IS in das entstandene Vakuum vordringen konnten. Er fordert von den arabischen Staaten, dass sie sich verstärkt in dem Kampf eingliedern. Auch wenn einige dieser Thesen von Tahar Ben Jelloun auf Ablehnung stoßen sollten, ist es sinnvoll und wichtig, sich mit seinen Gedanken auseinanderzusetzen.

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