Keine Einbahnstraße

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geschrieben von P.C. Walther

Solidarität mit Griechenland ist im Interesse aller Europäer

Im April kam es im Frankfurter Gewerkschaftshaus zur Gründung des Griechenland-Solidaritätskomitees Frankfurt/Rhein-Main. Die Liste der Unterzeichnerinnen der Gründungserklärung zeigt ein breites politisches Spektrum, das über die Gesamtheit der Linken (verstanden von DKP und Linkspartei bis zu SPD und Grünen) weit hinausreicht. Es waren vor allem führende Gewerkschafter, vom früheren DGB-Landesvorsitzenden Dieter Hooge über Michael Erhardt von der IG Metall, Jochen Nagel von der GEW bis zum Frankfurter DGB-Vorsitzenden Harald Fiedler, die zusammen mit weiteren Aktiven wie Elisabeth Abendroth, Andrea Ypsilanti und Knut Dörfel, die Initiative zur Bildung des Solidaritätskomitees ergriffen.

Seitdem ist das Komitee rührig. Neben einem fast täglichen Informationsaustausch via Internetplattform, mit Hinweisen auf entsprechende Veröffentlichungen und Informationsquellen, sowie auch einem Meinungsaustausch untereinander, finden regelmäßige Treffen statt. Veranstaltungen werden entweder selbst organisiert oder solche von anderen Veranstaltern beworben.

Neben der Verbreitung von Materialien, wie z.B. der Zeitschrift »Faktencheck«, hat das Komitee auch eine Petition mit der Forderung auf Rückzahlung des seinerzeit von Nazideutschland erzwungenen Darlehens auf den Weg gebracht (www.zurueckzahlen.de). Ebenso werden die Forderungen nach Entschädigungen für die Kriegsverbrechen, Zerstörungen und Morde an der Zivilbevölkerung während der deutschen Besatzung in Griechenland thematisiert oder Schreiben an Bundestagsabgeordnete gerichtet.

Auf Ereignisse wird reagiert. So richteten z.B. Mitglieder des Komitees einen Offenen Brief an Vizekanzler Siegmar Gabriel, als dieser sich zu Stammtisch-Parolen gegen Griechenland herabließ.

Alle diese Aktivitäten sollen vor allem Gegenöffentlichkeit schaffen. Fakten und Argumente an die Öffentlichkeit bringen, die dem Griechenland-Bashing entgegenwirken, die politisch Verantwortlichen unter Druck setzen, von der erpresserischen Austeritätspolitik abzulassen und stattdessen Griechenland zu helfen, aus der elenden Situation, in die das Land und seine Menschen durch die Austeritätspoiitik gebracht wurde, herauszukommen.

Natürlich wollen die Beteiligten in erster Linie ihre Solidarität mit Griechenland zum Ausdruck bringen. Das wird jedoch nicht als Einbahnstraße gesehen. Die Wende, die in Griechenland mit der Wahl im Januar eingeleitet wurde, wird von den Trägern des Solidaritätskomitees auch als Signal und Chance für das Ansteuern und Erreichen eines Umbruchs zu einer gerechteren, demokratischeren, sozialen und ökologischen Politik in Europa gesehen. Das kann Griechenland, gerade in seiner äußerst schwierigen Situation, nicht allein erreichen. Dazu bedarf es wirksamer Unterstützung in ganz Europa, erst recht in Deutschland. Dazu will das Frankfurter Solidaritätskomitee nach besten Kräften beitragen. Es hofft auf Verbündete und Nachahmer an möglichst vielen Orten Deutschlands.

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