König ehrt Republikaner

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geschrieben von Regina Girod

Die Spanische Regierung vollzieht eine geschichtspolitische Wende

Dass die Aufarbeitung und Bewertung der fast vierzig Jahre währenden Franco-Diktatur in Spanien bis heute ein umkämpftes Thema ist, hat nicht zuletzt mit der spanischen Volkspartei (PP) zu tun, die sich, von alten francistischen Eliten gegründet, jahrzehntelang einer kritischen Aufarbeitung der faschistischen Ära widersetzte. Der 70. Jahrestag der Befreiung Europas vom Faschismus wurde von der regierenden PP nun genutzt, Signale für ein geschichtspolitisches Umdenken ins In- und Ausland zu senden. So sprach der Botschafter des Königreich Spaniens in der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen der Befreiungsfeiern in Buchenwald ehrende Worte für die in Buchenwald inhaftierten republikanischen Spanier. Bei der Befreiungsfeier in Mauthausen übernahm diesen Part der spanische Außenminister García-Margallo, ein erzkonservativer PP-Minister, der unter der Franco-Diktatur in der »Spanischen Monarchistischen Jugend« aktiv war.

Doch den deutlichsten Hinweis auf eine politische Neubewertung der Geschichte lieferte Anfang Juni der spanische König Felipe bei einem Besuch in Paris. Bevor er dort vor der Nationalversammlung sprach, taufte er einen kleinen Garten vor dem Pariser Rathaus auf den Namen »Jardin des combattants de la Nueve« (»Garten der Kämpfer der 9«), zu Ehren der spanischen Mitglieder jenes französischen Bataillons, das am 24. August 1944 als Vorhut in Paris eindrang und damit die Befreiung der französischen Hauptstadt von den Nazitruppen einleitete. Von den 160 Soldaten, die »Die Neun« bildeten, waren 149 Spanier, genauer: spanische Republikaner, meist Kommunisten und Anarchisten, die aus Spanien geflohen waren, nachdem Franco im Bürgerkrieg gesiegt hatte.

Vor zahlreichen geladenen Gästen erklärte König Felipe im Festsaal des Rathauses: »Dieser Garten wird ein Wahrzeichen der Freiheit und der Toleranz sein, zwei der großartigen Symbole von Paris, die über Jahrzehnte hinweg einige meiner bedeutendsten Landsleute angezogen haben.« Und er erinnerte an große spanische Künstler wie Picasso, Dalí, Albéniz, Baroja, Machado, Unamuno, Arrabal oder Buñuel, die Paris »wie eigene Kinder« aufgenommen hatte« und die »dazu beitrugen, diese Stadt groß zu machen«.

Allein die Nennung des Dichters Fernando Arrabal könnte als Beweis für einen Bruch mit francistischen Traditionen gewertet werden, denn wegen schärfster Angriffe auf Franco gehörte dieser zu dem knappen Dutzend Emigranten, denen namentlich die Rückkehr nach Francospanien verboten war.

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