Der öffentliche Raum

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geschrieben von Ernst Antoni

Selektiv ist sie immer, die Medien-Wahrnehmung. Und übers persönliche Wahrnehmen hinaus sollte auch noch die Vorauswahl, die jede und jeder da so trifft bei Zeitungen, Zeitschriften, TV, Hörfunk, Internet und anderen alten und neuen Informationszugängen berücksichtigt werden. Bleiben »Mainstreams«. Die sind in auflagenstarken, einschaltquoten- oder sonst anklickmäßig erfolgreichen Medien oft traurig einstimmig. »Lügenpresse« also? Das sollten wir doch lieber die Pegidas dieses Landes plärren lassen.

Mir fällt, sehr selektiv, aber nicht mehr nur in der Kultur-, sondern immer öfter auch in der Lokalberichterstattung von Print- und TV-Medien auf, dass »Nazikunst« thematisiert wird. Im »öffentlichen Raum«. Kritisch. Oft nicht zuerst aus den Redaktionen heraus. »Seit bekannt wurde«, heißt es in einem Artikel in einem überregionalen Feuilleton-Artikel der Süddeutschen Zeitung, »dass in Issing eine Skulptur des NS-Bildhauers Josef Thorak steht, ist die alte Debatte neu entbrannt: Wie umgehen mit NS-Skulpturen?« Wo ist Issing? Ein Dorf am Chiemsee – mit einem Thorak-Pferd vor einem Landschulheim. Thorak habe »die Pferde-Serie ursprünglich für das Märzfeld in Nürnberg, also für die Reichsparteitage geschaffen«.

Politisch ohnehin Engagierte haben oft ihren Anteil, auch Aktionskünstlerinnen und -künstler, die versuchen, künstlerisch zu konterkarieren. Nicht selten aber gibt es inzwischen immer öfter Nachbarinnen und Nachbarn, die sich nicht abfinden wollen mit einem »Ist halt so«, wenn im Wohnumfeld oder vor der Schule ihrer Kinder ein Breker’scher Muskelprotz sich aufspielt oder ein Thorak’sches Pferd wutschnaubt. Die wollen das nicht unbedingt weghaben, aber gerne die eine oder andere Erklärung daneben sehen. Auch für die Kinder – damit diese wissen, wo sie aufwachsen.

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