Die rechten Siedler

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geschrieben von Janka Kluge

Der kleine Ort Jamel in Mecklenburg-Vorpommern war schon vor dem Brandanschlag auf die Scheune der Familie Lohmeyer mehrfach in den Schlagzeilen der überregionalen Presse. Sie berichtete über das unerschrockene Künstlerpaar, das sich von der Dominanz der Nazis im Ort nicht vertreiben ließ, doch nur selten darüber, wie es zu den vielen Nazis im Ort gekommen ist.

jameln

Seit einigen Jahren ziehen sich Neonazis verstärkt in ländliche Gebiete zurück. Sie betreiben Bauernhöfe oder Kunsthandwerk und organisieren ihr Leben entsprechend ihrer völkischen und nationalistischen Ideale. Diese Entwicklung ist inzwischen zu einer regelrechten Siedlungsbewegung angewachsen. Dabei wird auf Vorstellungen von Gruppen aus den Anfängen der NSDAP zurückgegriffen. Eine dieser Gruppen waren die »Artamanen«. Sie forderten, dass deutsche Familien in den Osten umsiedeln sollen, um von dort aus seine Germanisierung zu betreiben. Die Vetreibungs- und Ansiedlungspolitik der Nazis und die Ermordung von Millionen slawischen Menschen wurden u. a. mit dieser Ideologie begründet.

Heute siedeln die Nazis aus ähnlichen Gründen, diesmal aber innerhalb Deutschlands. Sie treten als nette Nachbarn auf, die ökologischen Landbau betreiben und heimatliche Bräuche pflegen. Erst bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass sie Runen an ihren Höfen angebracht haben und ihre Kinder wie in den Anfängen des letzten Jahrhunderts herumlaufen lassen. Einer der Vordenker der neuen rechten ökologischen Bewegung war der Bauer Baldur Springmann, Mitgründer der Grünen. Nach einer langen Auseinandersetzung über die völkischen Mitgründer der Partei trat Springmann zusammen mit anderen aus und gründete die ÖDP. Auch die NPD betont seit langem die Bedeutung der Landwirtschaft, in ihren Worten des »Bauerntums«.

Bereits jetzt gibt es eine große Anzahl solcher völkischer Ansiedlungen in den neuen Bundesländern, aber auch in Bayern und im Wendland. Sie passen sich ein in die Nazistrategie, die Städte vom Land aus zu erobern.

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