Editorial

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geschrieben von Ernst Antoni

Wenn diese Ausgabe der antifa erscheint, mag der diesjährige Sommer, was die Hitze betrifft, vorbei sein. An den heißen Auseinandersetzungen, die ihn politisch prägten, am Flüchtlingselend, an den rassistischen Tönen und Angriffen, die, damit verbunden, bundesweit um sich griffen wie seit über 20 Jahren nicht mehr, an einer oft hilflosen, nicht selten aber auch beim Zündeln helfenden offiziellen Politik mancherorts in Bund und Land, wird sich kaum etwas geändert haben. Auch nicht an den geheimen und weniger geheimen Gremien und Apparaten, die nach wie vor bei extrem rechten Straftätern und Strukturen angeblich hilflos die Augen zudrücken, jene aber, die sich deren rassistischen und faschistischen Übergriffen entgegenstellen, umso schärfer in den Blick nehmen. Wenn nicht gleich in Gewahrsam. Das Thema Asyl und Flüchtlinge, ist – wie sollte es anders sein – einer der inhaltlichen Schwerpunkte dieser antifa. Und die immer wieder verblüffende »Nachsicht gegen Rechts«, die in dieser Ausgabe unter anderem anhand einer Reihe von »Vorfällen« bei Polizei und Justiz dokumentiert wird. Zu Quellen und Ursachen, sowohl die ökonomischen Hintergründe von Flucht und Asyl betreffend als auch aktuelle Kriege und Kriegspolitik, zu Funktionen, die in solchen Zusammenhängen Faschismus und Rassismus unterschiedlicher Art erfüllten und erfüllen – auch dazu manches in dieser antifa. Unser »Spezial« handelt von Auschwitz: »Die Schuld bleibt«. Abgedruckt ist das Schlussplädoyer der Opfer-Anwälte im Prozess gegen den ehemaligen SS-Buchhalter im KZ Auschwitz Oskar Gröning. Ihr Fazit, die bundesdeutsche Justizgeschichte betreffend: »Wie wollen wir die jungen Nazis entschlossen bekämpfen, wo wir doch so nachsichtig mit den alten Nazis waren?« Einer, der stets gegen solche Nachsicht anschrieb, war unser langjähriger Redaktionskollege und antifa-Gründungsredakteur Hans Canjé, der Anfang Juli verstarb. Seiner sei mit diesem Heft besonders gedacht.

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