Bildung und Erinnerung

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geschrieben von Gerhard Hoffmann

Berliner Repräsentanz des Kulturzentrums der Sinti und Roma eingeweiht

 

Es dauerte fast vier Jahrzehnte, bis eine deutsche Regierung den Völkermord an mehr als 500 000 der europäischen Minderheit angehörenden Sinti und Roma während der Zeit des deutschen Faschismus politisch anerkannte. Der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt benannte die grausamen Verbrechen als Völkermord aus Gründen der so genannten »Rasse«. Damit endeten, wenn auch verhalten und behäbig, die diskriminierende Entschädigungspraxis gegenüber Angehörigen dieser Minderheit und die von den Nazis übernommenen Methoden der rassistischen Sondererfassung bei Justiz- und Polizeibehörden. Seit 1995 sind die deutschen Sinti und Roma als nationale Minderheit gemäß der »Charta« des Europarates anerkannt, was nicht gleichzusetzen ist mit der Beseitigung vorhandener weit reichender Vorurteile in der Mehrheitsgesellschaft, die gegenwärtig widerliche Erneuerung erfahren.

Mit der Einrichtung des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg und seiner Übergabe an die Öffentlichkeit im März 1997 war ein bedeutsamer Ort entstanden, an dem die reiche Kultur der Sinti und Roma in ihrer Vielfalt präsentiert werden kann, zugleich ein Ort historischer Erinnerung und Bildung. Die stark beeindruckende Dauerausstellung befördert die Auseinandersetzung mit den faschistischen Verbrechen ebenso wie die mit aktuellen politischen Entwicklungen.

Seit dem 23. Oktober 2015 verfügt das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma über eine Repräsentanz in Berlin. Im Aufbau Haus am Moritzplatz befindet sie sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bundestag und weiteren Orten, an denen politische Entscheidungen getroffen werden. Insofern kommt dieser Einrichtung mit Sicht auf zunehmende rassistische und nationalistische Vorurteile aus der Mitte der deutschen Gesellschaft und der besorgniserregenden Menschenrechtsituation von Sinti und Roma in vielen europäischen Staaten erhebliche Bedeutung zu. Im Einklang mit dem ebenfalls in der Nähe befindlichen Denkmal für die während der Zeit des deutschen Faschismus ermordeten Sinti und Roma wird eine bisher vorhandene Lücke geschlossen. Die Vielfalt der Kultur, Geschichte und Gegenwart der Sinti und Roma werden nun auch hier erlebbar werden.

Aus Anlass der feierlichen Eröffnung mit namhaften Gästen zeigte das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma im Zusammenwirken mit der Galerie Kai Dikhas eine repräsentative Auswahl mit künstlerischen Arbeiten von Otto Pankok zu Düsseldorfer Sinti und Roma. Sie hatten sich ab 1931 im Düsseldorfer Heine-Feld ansiedeln müssen und es gelang dem Künstler, aufrichtige menschliche Beziehungen zu ihnen herzustellen. Als »Entarteter« gebrandmarkt und ab 1936 von den Nazis mit Arbeitsverbot belegt, schuf er in den Jahren bis 1949 neben Grafiken und Plastiken großformatige Porträts. Jede dieser subtilen Arbeiten vermittelt die Empathie des Künstlers, er offenbart die Individualität und Würde eines jeden seiner Modelle. Die eigene Ästhetik der Kohlezeichnungen ergreift den Betrachter. Ich erinnerte mich der Personalausstellung Otto Pankok 1961 in Berlin, kuratiert von der Akademie der Künste der DDR. Handzeichnungen, Druckgrafik und Plastik waren damals zu sehen. Was ich jetzt sehen konnte, überwältigte. Jedem Interessierten ist zu empfehlen, diese Ausstellung (bis 19. Dezember 2015) nicht zu versäumen.

Die Repräsentanz in Berlin wird schnell ihren Platz im politischen und im geistig-kulturellen Leben in der Hauptstadt finden und lässt Spannendes erwarten.

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