Selbstermächtigung

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geschrieben von Regina Girod

Die Ausbildung von »Stammtischkämpfer/innen« gegen die AfD läuft an

Zu den Zielen der Kampagne »Ausstehen gegen Rassismus« gehörte von Anfang an die Ausbildung von 10 000 Stammtischkämpfern gegen die AfD. Eine schöne Losung, die sofort Interesse weckte, weil sich jeder darunter etwas vorstellen kann. Rassistische, nationalistische und chauvinistische Parolen sind ja inzwischen überall zu hören, längst nicht mehr nur an den Tischen mit dem berühmten Schild: »Hier sitzen die, die immer hier sitzen«. Wobei das Bild schon stimmt: Stammtischparolen suggerieren, dass eine Mehrheit sie teilt. Und tatsächlich sind es mehr geworden, die sie kolportieren. Deutlich mehr. Doch wie dagegen kämpfen? Mit kleinen Stoßtrupps, die am Abend durch die Kneipen ziehen? Oder doch wie immer, indem man an den Wahlkampfständen der AfD mit Leuten diskutiert? Was hilft überhaupt, wenn Borniertheit, Angst und Vorurteile auf einmal politisch opportun erscheinen? Woher nimmt man die Argumente, um dagegen aufzutreten und nicht zuletzt den Mut?
Schon auf der Aktionskonferenz in Frankfurt hatte sich gezeigt, dass die Ausbildung der Stammtischkämpferinnen besonders viele Aktive interessiert. Nun hat sich Anfang Juni in Kassel ein Kreis getroffen, der die Teamer der Stammtischkämpfer trainieren wird. Auf gut deutsch: die Trainer der Trainer. Denn 10 000 Interessenten kann man nur erreichen, wenn das Seminar (und um ein solches handelt es sich hier) überall von örtlichen Kampagnegruppen angeboten werden kann. Im Unterschied zur AfD hat die Kampagne allerdings kein Geld, um etwa reisende Dozenten zu bezahlen. Sie setzt stattdessen auf das Engagement und die Solidarität der Strukturen, die die Kampagne tragen. Und so diskutierten in Kassel 30 überwiegend junge Menschen aus Jugendverbänden, Gewerkschaften und NGOs (ein paar Ältere aus der VVN waren auch dabei), was zur Ausbildung der Stammtischkämpferinnen gehören könnte und was ein Trainer dazu braucht. Eine äußerst anspruchsvolle Diskussion, die alles einschloss: Inhalt, Methoden und Konzeption. Und ein kreativer Selbstversuch, denn die partizipativen Elemente des Seminars wurden gleich in Gruppen ausprobiert. Dabei half schon, dass die meisten eigene Erfahrung aus der politischen Bildungsarbeit haben und das sollte auch für jene gelten, die Teamer werden wollen. Erfahrungen in der Erwachsenenbildung, wenn auch nicht unbedingt als Profi, wären gut.
Jetzt beginnt die nächste Runde. Wer Interesse hat, sich zum Teamer ausbilden zu lassen, sollte im Juli die nächstgelegene Regionalkonferenz (siehe Kasten) besuchen. Dort finden parallel zu den anderen Konferenzbereichen die ersten Teamertrainings statt. Wer sie absolviert hat, kann danach an der Stammtischkämpferausbildung seiner Region mitwirken. Das bekannte Schneeballprinzip, diesmal zur Demokratieförderung eingesetzt.
Ganz sicher werden die »Stammtischkämpferinnen« nach einem siebenstündigen Seminar keine perfekten Agitatoren sein. Doch ein solches Seminar kann Menschen ermutigen, sich einzumischen, sich auszuprobieren und aufzustehen. Und darauf kommt es an.

Regionalkonferenzen in Berlin, Frankfurt, Leipzig und München 
Im Juli finden in Berlin, Frankfurt, Leipzig und München lokale Konferenzen von »Aufstehen gegen Rassismus« statt. Gemeinsam wird dort diskutiert, wie man AfD und Co. vor Ort effektiv etwas entgegensetzen kann. Bei den Konferenzen findet die erste Runde der Schulung für die StammtischkämpferInnen-Ausbildung statt.

Hier die Übersicht über die Termine:
09.07. —-> Berlin
10.07. —> in Frankfurt (a.M.)
23.07. —> in Leipzig
30.07. —> in München

Nach der Sommerpause folgen weitere Konferenzen in NRW, Hannover, Koblenz und anderen Städten. Die Berliner VVN-BdA hat ihre Mitglieder bereits aufgerufen, die Konferenz am 9. Juli aktiv mitzugestalten.

aufstehen-gegen-rassismus.de

3. September: Demo/Konzert in Berlin
Am 3. September, kurz vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin, will das Bündnis »Aufstehen gegen Rassismus mit einem Konzert und einer Demonstration in Berlin ein klares Zeichen gegen Rassismus setzen und die Stimmung in der Stadt mit prägen.
Gerade die Wahlen in Berlin haben eine Signalwirkung für die weitere Entwicklung der AfD, aber auch den Widerstand dagegen. Deshalb mobilisieren wir bundesweit zu der Demonstration und dem Konzert.
Darüber hinaus wird es an dem Wochenende weitere Aktionen gegen die AfD geben, die das Bündnis Aufstehen gegen Rassismus  organisiert, bzw. an denen es sich beteiligt.
Alle Organisationen, Parteien und Verbände sind dazu eingeladen, den Aufruf zur Demonstration zu unterzeichnen. Dafür bitte eine Mail an 3.september@aufstehen-gegen-rassismus.de schicken.

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