Was war der Faschismus?

geschrieben von
Klaus Woinar
Berliner Gesellschaft für Faschismus-
und Weltkriegsforschung

5. September 2013

Eine Ausstellung, ein Film und viele offene Fragen

Jan.-Feb. 2010

Als häufiger Besucher von Gedenkstätte und Museum des ehemaligen KZ Sachsenhausen betrachte ich die Ausstellungen mit kritischem Blick.

Mit der in der ehemaligen Küchenbaracke entstandenen Überblicksausstellung verband ich die Hoffnung auf Darstellung der Funktion des KZ-System im faschistischen Naziregime und auch des Wesens der faschistischen Terrorherrschaft in Deutschland, die unser Heimatland, die Völker Europas in einen Krieg mit 50 Millionen Toten hetzte, das Verbrechen des Holocaust an den jüdischen Menschen und den Angehörigen der Sinti und Roma beging.

Dieses wird vor allem dort deutlich, wo die Faschisten im Interesse ihrer Förderer die deutsche Gesellschaft selbst ordneten, während der Machtübergabe an und in den ersten Maßnahmen der Herrschaft, nicht dort wo sie bereits als Getriebene, das eigene Ende vor Augen, Massenverbrechen begingen.

Die zentrale Ausstellung konzentriert sich auf die Geschichte des KZ Oranienburg-Sachsenhausen vom beginnenden Aufbau 1936 bis zur Befreiung 1945, die anschaulich, mit Empathie für die Opfer inszeniert wurde. Doch durch diese zeitliche und örtliche Begrenzung konnten die obigen Fragen formal ausgegrenzt werden.

»In dem eigenes für die Neugestaltung des ›Museums Häftlingsküche‹ … produzierten Film ›Konzentrationslager Sachsenhausen 1936 -1945‹ wird die Geschichte des Lagers in den historischen Kontext der Geschichte des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges eingeordnet.«, so der Leiter der Gedenkstätte Professor Günter Morsch in der Einleitung des Kataloges.

Dieser Film beginnt mit Bildern des SA-Aufzuges, anlässlich der Inthronisierung Hitlers als Reichskanzlers am 31. Januar 1933. Eine Stimme aus dem Off verkündet »Die NSDAP wurde bei der Reichstagswahl Juli 1932 mit 37,3% stärkste politische Kraft.«

Nichts von den politischen Umständen dieser Wahl, nichts von der Reichtagswahl im November 1932 mit deutlichen Verlusten für die Hitlerpartei (auf 33,1%), keine Nennung der Ränke von Stahlindustriellen und Bankiers, um Hitler die politische Macht zuzuschieben, um Aufrüsten und politische Gegner niederzuhalten und damit den Krieg vorzubereiten, nichts.

Nichts davon, dass die Hitlerpartei es schaffte, Bevölkerungskreise, die nicht von den traditionellen Parteien des Großbürgertums angesprochen wurden, für die aggressive Kriegspolitik zur Revidierung der Ergebnisse des I. Weltkrieges einzuspannen. Brecht schrieb ein Stück »Der aufhaltsame Aufstieg des Arthuro Ui«, hier wird der Prozess der Machtübergabe fast alternativlos dargestellt.

So werden in diesem Film die Grausamkeiten der SS-Schergen, die vielen Morde im KZ Sachsenhausen im Zusammenhang mit Ereignissen der Geschichte Deutschlands und des Zweiten Weltkrieges gezeigt.

Man kann auch sagen, hinter der ausführlichen Schilderung von Erscheinungen der Terrorherrschaft des deutschen Faschismus versteckt man das Wesen des Faschismus!