
Foto: Christian Ditsch
Das neue Jahr ist gestartet wie das alte endete – mit der Normalisierung von Verstößen gegen das internationale Völkerrecht. Militärschläge ohne UN-Mandat, Entführung von Präsidenten, anhaltende Besatzungen, Angriffe auf Zivilbevölkerung und humanitäre Einrichtungen und nicht von der UN-Charta gedeckte weitreichende Sanktionen gegen Staaten. Auch an die – meist später als Lüge entlarvten – Rechtfertigungen dafür hat man sich gewöhnt: Besitz von Massenvernichtungswaffen, Schutz der Zivilbevölkerung, Zerschlagung von Terrororganisationen und sogar Entnazifizierung. Sie verdecken allzu oft geopolitische, strategische oder wirtschaftliche Interessen. Was bedeutet das für den tagesaktuellen Fall?
Nach abertausenden Toten während der Protestwelle im Iran Anfang des Jahres, ist der Jubel über den Tod des Staatsoberhaupts Chamenei groß (siehe Erklärung des Bundessprecher*innenkreises der VVN-BdA auf Seite 15). Trump empfiehlt dem iranischen Volk, dessen Opposition in mehreren Gewaltwellen der letzten Jahrzehnte nahezu ausgelöscht oder in die Diaspora getrieben wurde, einen herbei gebombten Regimewechsel. Prinz Pahlavi – ein neuer starker Mann der alten Schahdynastie – soll das Land einen und vor allem für die Sicherung der US-Interessen in der Region sorgen. Ein Vorgeschmack auf die Herrschaft der Monarchisten konnte auf den Demos am 14. Februar weltweit beobachtet werden. Die kurdische Minderheit, iranische Kommunist*innen und Anarchist*innen wurden ausgegrenzt. Die Parole »Tod den Mullahs, Tod den Volksmudschaheddin, Tod den Linken« war von München bis Vancouver zu hören. Auf den Rücken der Toten wird, wie in unzähligen Beispielen vorher, Hoffnung auf Veränderung mobilisiert, die nie hält, was sie verspricht. Eine Ordnung, gebaut auf Dominanz und Gewalt, wird nicht jene sein, die ein gutes Leben beschert.
In diesen Zeiten am Völkerrecht festzuhalten erinnert an Albert Camus’ Sisyphos, der im Angesicht der Absurdität der Welt weder mit Optimismus und Hoffnung noch mit Pessimismus und Verzweiflung reagiert, sondern, sich der Absurdität bewusst, auf seinem Standpunkt – hier der Selbstbegrenzung von Gewalt – beharrt. Nils Becker
Zeitgeschehen
Blütezeit des Geschichtsrevisionismus (Kerstin Köditz, Landessprecherin VVN-BdA Sachsen e. V.)
Eine neue feministische Bewegung formiert sich (Regina Girod)
Extreme Rechte und Betrieb (Stefan Dietl)
Deepfakes aus dem KZ (Niklas Tretow)
Prozesswelle gegen Antifaschist*innen (Ulrich Stuwe)
Jugend gegen Zwangsdienst (Sam, Mitglied des Schulstreikkomitee Göttingen)
Kampagne gegen Debanking erfolgreich (Nils Becker)
Grenzen des demokratischen Konservatismus. Interview mit Felix Schilk (Nils Becker)
Die AfD als Familienunternehmen (Janka Kluge)
Die Sammelwut der AfD (Janka Kluge)
Meldungen (Ulrich Stuwe)
Wie die AfD Antisemitismus umdeutet und politisch instrumentalisiert. Ein Gespräch mit Stefan Dietl (Andreas Siegmund-Schultze)
Interview zur Bezahlkarte (Nils Becker)
Migrationsgesellschaft unter Druck (Paulina, Aktion Bleiberecht)
Olympische Nostalgie (Hans-Peter Häfele, Karlsruhe)
Eskalation im Nahen Osten stoppen: Nein zum Krieg gegen den Iran! (Erklärung des BSK, 28.2.2026)
Aus den Archiven
Ein Blick in das Archiv von Heideruh (K. Schütte)
In eigener Sache
antifa für alle Mitglieder! (Bundessprecher*innenkreis der VVN-BdA)
Spezial
Erinnerungspolitische Verwerfungen nach dem 7. Oktober 2023 (Maxi Schneider)
Porträt
Peter Gingold zum 110. Geburtstag am 8. März (Bernd Kant)
Geschichte
Als Juden vor verschlossenen Grenzen standen (Susanne Heim)
Vor 100 Jahren: Bamberger Tagung der NSDAP (Dirk Schneider)
Internationales
Ein Gespräch zwischen Regina Girod und Ulrich Schneider über die FIR, die vor 75 Jahren gegründet wurde
USA am Kipp-Punkt (André Wartmann)
Kultur
»Holo-Voices« im Erinnerungs- und Lernort auf Zeche Zollverein in Essen (Falk Mikosch)
Quellenreiche Studie zum deutschen Überfall gegen die Sowjetunion erschienen (Ulrich Schneider)
Zur Ausstellung zu Romnja und Sintizze nach 1945. Ein Gespräch mit Jane Weiß (Maxi Schneider)
Künstler, Helfer und Netzwerke im Europa des Jahres 1940 (Axel Holz)
Erinnerung in Bewegung (Harry Friebel)
Kunst und Kultur nach 1945 in Ost und West (Bernd Hüttner)
Gewerkschaften gegen Aufrüstung (Ulrich Stuwe)
Wer ist Höcke? (Janka Kluge)
Gewerkschaftswiderstand gegen den NS-Staat (Peter Nowak)
Lust an der Zerstörung (Christian Meyer)



























