Eva.stories

geschrieben von Thomas Willms

20. Juli 2019

Geschichtsvermittlung per Instagram

Dass die Lebensgeschichte eines ermordeten jüdischen Mädchens ausgerechnet zu einer Instagram-Story verarbeitet wird, ruft zunächst instinktiv Abwehr hervor. Diese vor allem bei sehr jungen Menschen beliebte Social-Media-Plattform steht schließlich, wie kaum eine andere, für die Kommerzialisierung der Kommunikation, gipfelnd in dem atemberaubenden neuen Beruf des »Influencers«. »Stories« auf Instagram werden zudem routinemäßig nach 24 Stunden gelöscht (es sei denn, sie werden als »Highlight« definiert) was als künstliche Verknappung des Gutes heftige Suchteffekte bei Followern auslösen kann. Gerade diese technische Plattform, die mit eigenen ästhetischen Prinzipien, Nutzererwartungen- und -gewohnheiten verbunden ist, nutzte der israelische High-Tech-Unternehmer Matti Kochavi, um die Geschichte des ungarischen Mädchens Eva Heyman neu zu erzählen, schwerpunktmäßig für die Zielgruppe israelische Teenager. Eva.stories weiterlesen »

80 Jahre nach dem Überfall

geschrieben von Kamil Majchrzak

20. Juli 2019

Polen und Deutsche wissen wenig über ihre Nachbarn

Am 1. September 2019 wird an den 80. Jahrestag des Überfalls Hitler-Deutschlands auf Polen gedacht, in dessen Folge fast 6 Millionen Polen (beinahe 20 Prozent der Vorkriegsbevölkerung), darunter mehr als 3 Millionen polnische Jüdinnen und Juden sowie Sinti und Roma, zu Tode gekommen sind. Gemessen an seiner Einwohnerzahl weist die polnische Bevölkerung die höchste Opferrate aller von Deutschland überfallenen Länder während des II. Weltkriegs auf. 80 Jahre nach dem Überfall weiterlesen »

Unser gemeinsames Erbe

geschrieben von Gemma Pörzgen

20. Juli 2019

Der 20. Juli 1944 gehört zum antifaschistischen Widerstand

Meinen Großvater Heinrich Körner (1892−1945) habe ich nie kennengelernt und doch begleitet er mein Leben und unsere Familiengeschichten, seitdem ich denken kann. Er war christlicher Gewerkschafter in Bonn, wurde nach der NS-Machtergreifung 1933 erstmals verhaftet und war später als Widerstandskämpfer im Rheinischen Kreis an der Vorbereitung des Attentats vom 20. Juli 1944 gegen Adolf Hitler beteiligt. Nach dem Scheitern wurde Heinrich Körner verhaftet, im April 1945 vom Berliner Volksgerichtshof zu vier Jahren Haft verurteilt und saß im Gefängnis Plötzensee ein. Als die sowjetischen Truppen die Gefangenen in der Haftanstalt befreiten, geriet er in die Straßenkämpfe mit der SS und wurde erschossen. Unser gemeinsames Erbe weiterlesen »

Einheit ist eine Waffe

geschrieben von Ali Ahmed

17. Juli 2019

Zur Lage im Sudan nach der Absetzung von Omar al-Bashir durch das Militär

Am 30. Juni 1989 riss im Sudan Omar al-Bashir die Macht durch einen Militärputsch gegen eine zivile Regierung an sich. Dabei wurde er von der Islamischen Partei massiv ideologisch unterstützt. Schon zu Beginn seiner diktatorischen Herrschaft wurden Tausende entlassen und verhaftet. Nach der Ermordung von 28 Generälen, die sein Regime kritisiert hatten, im Ramadan 1993, begann eine massive Auswanderung aus politischen und ökonomischen Gründen, die die Wirtschaft des Landes erheblich beeinträchtigte. Einheit ist eine Waffe weiterlesen »

Ein Schlag ins Gesicht

geschrieben von Janka Kluge

17. Juli 2019

Strategien und Verbindungen der Neuen Rechten

Bücher über die Neue Rechte gibt es einige. Trotzdem lohnt sich immer wieder ein Blick in Neuerscheinungen. »Das Netzwerk der Neuen Rechten« von Christian Fuchs und Paul Middelhoff ist solch ein Buch. Die beiden arbeiten als Journalisten für »Die Zeit« und »Zeit online«. Seit Jahren beschäftigen sie sich mit der Neuen Rechten und der AfD.

In zehn Kapiteln versuchen die Autoren zu erklären, was eigentlich ein Widerspruch zu sein scheint. Wie kommt es, dass intellektuelle und gebildete Menschen für Rassismus, Ungleichheit und Nationalismus anfällig sind? Dabei beziehen sie sich auf die Konservative Revolution, eine Bewegung, die in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts zu den Wegbereitern des Faschismus gehörte. Über den Unterschied zur alten Rechten schreiben Fuchs und Middelhoff: »Die Strömung lehnt Hitler und seine Verbrechen ab, leugnet weder die Shoa, noch die Konzentrationslager und gibt sich als Vertretung der `christlich-jüdischen abendländischen Tradition‘.« Die neue Rechte leugnet die Verbrechen nicht, sie sind für sie nur nicht wichtig, oder wie Gauland sagte, ein »Vogelschiss der Geschichte«. Auch wenn diese Äußerung unerträglich ist, ist es wichtig, den Unterschied zur alten Rechten zu verstehen. Ein Schlag ins Gesicht weiterlesen »

Auf der Suche nach Freiheit

geschrieben von Dirk Krüger

17. Juli 2019

Eine Erinnerung an den Dichter, Revolutionär und Antifaschisten Ernst Toller

Am 22. Mai 1939 – in diesen Tagen vor 80 Jahren – hat sich Ernst Toller in einem New Yorker Hotel sein bewegtes und so endlos wertvolles Leben genommen. Mit Hilfe seiner Sekretärin hatte er für eine Reise nach Europa die Koffer bereits gepackt. Als sie aus einer kurzen Mittagspause zurückkehrte, hatte er sich erhängt.

An der Gedenkfeier nahmen 500 Trauergäste teil. Oskar Maria Graf, Juan Negrin und Sinclair Lewis hielten die Grabreden, Olga Fuchs rezitierte aus dem »Schwalbenbuch«, seinen 1923 im Festungsgefängnis Niederschönenfeld geschriebenen Texten.

Bei der Einäscherung am nächsten Tag waren nur noch drei Menschen anwesend. Die Urne mit Tollers Asche stand danach unbeachtet über zwei Jahre im Keller des Krematoriums. Niemand hat sie abgeholt. Auf der Suche nach Freiheit weiterlesen »

Vielfältig und doch vereint

geschrieben von Friedbert Mühldorfer

14. Juli 2019

Nachkommen melden sich zu Wort

»Keiner erklärte uns damals … das Wort Auschwitz. Das Schweigen über die Stationen des aufgeschobenen Sterbens und Überlebens meines Großvaters … war dennoch unüberhörbar.« Mit diesen Worten erinnert sich der 1976 in Polen geborene Kamil Majchrzak an seine Kindheit in der Familie. Erst als Erwachsener, nach der Geburt seiner Tochter, beschloss Kamil, der Einsamkeit und Isolation seines längst verstorbenen Großvaters auf den Grund zu gehen und Spurensuche zu betreiben.

Kamil Majchrzak ist einer von 22 Nachkommen von Verfolgten des Naziregimes, von Exil und Widerstand, die in einer von der Berliner VVN-BdA herausgegebenen Broschüre über den eigenen Umgang mit diesen besonderen Familiengeschichten reden. Vielfältig und doch vereint weiterlesen »

Antifaschismus als Aufgabe

geschrieben von Ulrich Sander

14. Juli 2019

Dritte Broschüre der »Kinder des Widerstandes« erschienen

Da sind 28 »Kinder des Widerstandes« im vorgerückten Alter. Sie haben sich in drei kleinen roten Büchern zu Wort gemeldet. Zuerst trauten sich die Frauen, inzwischen ist das Verhältnis 17 Frauen zu elf Männern, die über ihre Kindheit und Jugend als Nachkommen von Widerstandskämpfern und Opfern des Faschismus berichten, oder sich als Freunde dieser Menschen zu Wort meldeten.

Viele der Geschilderten waren als Zeitzeugen tätig, nun weilen sie nicht mehr unter uns, und ihre Kinder, Enkel und Freunde wurden nun zu Zeugen der Zeugen. Das Band der Erinnerungen soll nicht reißen. Antifaschismus als Aufgabe weiterlesen »

Der vorpolitische Raum

geschrieben von Markus Roth

14. Juli 2019

Ob »Bella Ciao« als Sommerhit des Jahres das Denken verändert?

Die Hymne der italienischen PartisanInnen im Zweiten Weltkrieg wurde letztes Jahr zum offiziellen Sommerhit ernannt. Die Cover-Version des französischen DJs Florent Hugel erfülle laut dem Marktforschungsinstitut GfK Entertainment alle Kriterien: eine eingängige Melodie, Urlaubsstimmung, er läuft in allen Clubs und ist weit oben in den Charts. Obwohl die Anzahl der Neuinterpretationen des Liedes seit Jahrzehnten nicht abnimmt, ist die Adelung zum Chartstürmer und »Sommerhit« dennoch eine genauere Betrachtung wert. Der vorpolitische Raum weiterlesen »

Ein »entarteter ›Entarter‹ «?

geschrieben von Reinhold Weismann-Kieser

11. Juli 2019

Emil-Nolde-Ausstellung im Hamburger Bahnhof in Berlin

Der Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin zeigt gegenwärtig eine Ausstellung, die sich mit dem »Nolde-Mythos« der Bundesrepublik der Nachkriegszeit auseinandersetzt und seine eigenen weltanschaulichen und politischen Positionen und die widersprüchliche Rezeption des Expressionismus durch den Faschismus mit seinem Opferstatus als prominentem »Entarteten« konfrontiert. Ein »entarteter ›Entarter‹ «? weiterlesen »

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