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4. November 2026

Jüdische Studierende stoppen in Halle eine Provokation – AfD-Landtagsvize Tillschneider wollte am 9. Oktober 2026 zum Gedenken in die Synagoge, deren Holztür beim Anschlag 2019 die Betenden schützte (siehe auch verschiedene Beiträge im Länderteil dieser Ausgabe und Seite 25). Illustration: Sophia Hirsch

Jüdische Studierende stoppen in Halle eine Provokation – AfD-Landtagsvize Tillschneider wollte am 9. Oktober 2026 zum Gedenken in die Synagoge, deren Holztür beim Anschlag 2019 die Betenden schützte (siehe auch verschiedene Beiträge im Länderteil dieser Ausgabe und Seite 25). Illustration: Sophia Hirsch

Editorial

geschrieben von Nils Becker

4. November 2026

Mit erwartbaren Ergebnissen ist das Wahljahr 2026 zu Ende gegangen. Die VVN-BdA hat aktiv in den Wahlkampf, vor allem in Sachsen-Anhalt, eingegriffen. Viele unserer Mitglieder, auch aus anderen Bundesländern, waren in den Wochen vor der Wahl aktiv, um aufzuklären. Die Effekte solcher Maßnahmen sind leider schwer messbar – erst recht, wenn das Gesamtergebnis so katastrophal ist wie in Sachsen-Anhalt. Dennoch war es ein richtiger und für die Aktiven vor Ort wichtiger Beitrag. Das hat alles viel Kraft und Aufmerksamkeit gekostet.

An den meisten ist deshalb einiges vorbeigerauscht, beispielsweise, dass das Landgericht Göttingen nun auch im Hauptsacheverfahren der Roten Hilfe gegen die Sparkasse Göttingen entschieden hat, dass politisch motivierte Kündigungen von Bankkonten unzulässig sind – auch wenn der US-Präsident es will. Weitreichende Auswirkungen hat das Urteil auch generell auf die Unterstützung von Angeklagten in Strafverfahren. Diese ist nicht automatisch mit der Unterstützung ihrer strafbaren Handlungen gleichzusetzen.

Auch nur in der Randspalte des Tagesgeschehens kam vor, dass Henry, ein Angeklagter im sogenannten Antifa-Ost-Verfahren, nach mehreren Wochen Koma nach einem Suizidversuch verstorben ist. Der 38-Jährige hatte schon länger starke psychische Probleme – dennoch hat der Staatsschutzsenat weiter gegen ihn verhandelt.

Kaum beachtet wurde zudem, dass deutsche Konzerne (Lidl, Chefs Culinar usw.) auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenlagers Hirtenberg (Mauthausen) in Niederösterreich gerade einen Gewerbe- und Logistikpark hochziehen – obwohl seit 2024 bekannt. Das Lager bestand von 1944 bis 1945. Etwa 400 Frauen und Mädchen waren hier inhaftiert und mussten für die Rüstungsindustrie Zwangsarbeit leisten. Das Internationale Mauthausen-Komitee protestierte 2025 gegen das Vorhaben, weil bauliche Zeugnisse des KZ verschwinden würden. Nun starteten die Bauarbeiten trotzdem.

Ein Überfluss an Information erzeugt einen Mangel an Aufmerksamkeit. Deshalb heißt es in solchen Zeiten umso mehr, sich zu konzentrieren, Prioritäten zu setzen und dranzubleiben. Wir hoffen, dass wir mit der aktuellen Ausgabe dazu beitragen können.

Zwei Lehren aus zweimal Blau

4. November 2026

Wo die AfD auf ein Gegenangebot trifft, verliert sie an Boden

Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt am 6. September und in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September ist die AfD mit 43,8 und 38,2 Prozent jeweils stärkste Kraft geworden. Die angestrebte absolute Mehrheit für eine Alleinregierung hat sie in beiden Ländern verfehlt. Doch bei ähnlicher Ausgangslage gehen die Ergebnisse weit auseinander – und mit ihnen die Lehren für den Antifaschismus. Zwei Lehren aus zweimal Blau weiterlesen »

Nächste Empörungsmaschine

geschrieben von Markus Roth

4. November 2026

Sammlungsbewegung »Eine Million gegen die Regierung«

Seit Frühjahr 2026 mobilisiert das sogenannte Projekt M1llion zu bundesweiten Protesten gegen die Bundesregierung. Zur ersten Großdemonstration am 8. Juni in Berlin kamen etwa 4.000 Menschen, am 8. August in Plauen bereits rund 10.000. In Bielefeld waren es am 12. September etwa 500, in Berlin am 10. Oktober nur noch 2.600. Rechte jeder Couleur sind dabei. Sie alle eint die Deutschlandfahne.

Wir kennen dieses Drehbuch: Ein Bewegungsunternehmer und einige Anhänger*innen erklären sich zum Sprachrohr des Volkes. Die Regierung sei illegitim, die Medien seien gleichgeschaltet, das Land stehe kurz vor dem Untergang. Nächste Empörungsmaschine weiterlesen »

Neue Bündnisse, alte Konflikte

geschrieben von Yannick Kiesel

4. November 2026

Die Friedensbewegung im Wandel

Der Herbst 2026 zeigt: Der Widerstand gegen Wehrpflicht, Aufrüstung und Militarisierung ist vielfältiger geworden. Neben etablierten Friedensorganisationen treten zunehmend junge Menschen, Gewerkschaften und zivilgesellschaftliche Bündnisse auf den Plan. Auch lokale Initiativen gegen Rüstungsproduktion und militärische Infrastruktur gewinnen an Bedeutung. Die Herausforderung besteht darin, diese unterschiedlichen Akteur*innen zusammenzubringen.

Am Antikriegstag, dem 1. September, mobilisierten traditionelle Friedensinitiativen und Gewerkschaften. Die Schulstreiks gegen die Wehrpflicht brachten am 25. September erneut fast 50.000 junge Menschen auf die Straße. Besonders erfreulich: Die Proteste fanden in mehr Städten statt als zuvor. Die Bewegung wächst in die Fläche und baut dauerhafte Strukturen an Schulen und vor Ort auf. Der DGB-Aktionstag am 26. September unterstrich die Bedeutung der Gewerkschaften. Sie stärker für Friedensproteste zu gewinnen, ist entscheidend, um Hochrüstung und Sozialabbau gemeinsam zu thematisieren. Neue Bündnisse, alte Konflikte weiterlesen »

Gegen den Trend?

geschrieben von Andreas Siegmund-Schultze

4. November 2026

Berlin: Die AfD bleibt unter den Erwartungen, aber verdoppelt sich

Die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft, die CDU auf 18,8 Prozent abgestürzt, die AfD auf Platz drei: Auf den ersten Blick ist Berlin bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September gegen den Trend gelaufen. Die AfD hat ihr Ergebnis zwar auf 16,3 Prozent fast verdoppelt und 13 Direktmandate geholt, blieb aber deutlich unter den Umfragewerten. Spitzenkandidatin Kristin Brinker hatte »garantiert«, stärkste Kraft zu werden; nach der Wahl verwies sie auf die andere »Bevölkerungszusammensetzung« der City. Gegen den Trend? weiterlesen »

Kommunal zweistellig, personell blank

geschrieben von Jtf

4. November 2026

Niedersachsen: Die AfD verdreifacht ihr Ergebnis in Räten und Kreistagen

Nur eine Woche nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt war bei den Kommunalwahlen im Nachbarland Niedersachsen am 13. September die Sorge groß, der Rechtsruck könne auch hier die Rathäuser und Kreistage erfassen. Landesweit steigerte die AfD ihr Ergebnis um mehr als elf Prozentpunkte auf 15,9 Prozent und ist damit rechnerisch drittstärkste Kraft in dem Bundesland mit 6,3 Millionen Wahlberechtigten. Vor ihr liegen CDU und SPD, die jeweils rund fünf Prozentpunkte verloren. Die Grünen folgen mit 14,1 Prozent (minus 1,8), Die Linke verdoppelte ihr Ergebnis auf sechs Prozent. Die Wahlbeteiligung stieg um rund sieben Prozentpunkte auf 64,6 Prozent.

Bemerkenswert ist, dass die AfD mehr als 250 errungene Mandate nicht besetzen kann, weil ihr schlicht das Personal fehlt. In den Landkreisen Osnabrück, Leer, Aurich und Peine bleiben jeweils mindestens 20 ihrer Sitze in Kreistag und Gemeinderäten leer. Vier AfD-Bewerber um Landrats- und Bürgermeisterämter waren bereits im Vorfeld wegen »Zweifeln an ihrer Verfassungstreue« von der Wahl ausgeschlossen worden. Rund 2.700 AfD-Kandidat:innen wurden dagegen zugelassen. Was nach Blamage aussieht, ist jedoch vor allem ein Warnsignal: Die AfD hat mehr Mandate gewonnen, als sie Kandidat:innen aufbieten konnte. Kommunal zweistellig, personell blank weiterlesen »

Erste Hilfe gegen Autoritarismus

4. November 2026

Webressource gegen den Rechtsruck in Sachsen-Anhalt. Gespräch mit Lukas Theune

antifa: Ihr habt im Vorfeld der Landtagswahl, bei der die AfD am 6. September auf 43,8 Prozent kam, mit zahlreichen zivilgesellschaftlichen Initiativen gesprochen. Was habt ihr dabei über die konkrete Bedrohung erfahren?

Lukas Theune: Ausgegangen sind wir davon, dass der Druck auf demokratische Strukturen der Zivilgesellschaft schon unter der CDU/SPD/FDP-Regierung da war. Die jahrelange Zusammenarbeit mit der AfD auf kommunaler Ebene hat tiefe Spuren im Land hinterlassen. Die CDU übernimmt populäre Forderungen der AfD, vor allem wenn es um die Gängelung von Asylbewerber*innen geht. Insofern sind die Androhung von Fördermittelentzug gegen die humanistisch orientierte Zivilgesellschaft, die sich oft hinter marginalisierte Gruppen stellt, und die Maßnahmen gegen Menschen mit Migrationsgeschichte nichts Neues. Unter einer AfD-Regierung würde sich das aber nochmal verstärken. Die Hälfte des AfD-Programms beschäftigt sich mit Migrationsabwehr, der Streichung von Leistungen, mit Massenunterbringung auf Dörfern und Ausweitung der Abschiebehaft. Was die CDU nie übernommen hat, war das Vorhaben der AfD, ein stark segregiertes Bildungssystem zu schaffen. Der Schwerpunkt des AfD-Politikers Hans-Thomas Tillschneider ist die Exklusion von behinderten Menschen und Geflüchteten aus den Regelschulen. Die Bedrohung trifft also nicht nur die Zivilgesellschaft, sondern das Leben vieler Einzelpersonen und Familien, die an der Teilhabe gehindert werden – ja, geradezu aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden sollen. Und davor haben die Leute, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus, Angst. Erste Hilfe gegen Autoritarismus weiterlesen »

Wir werden nicht schweigen

geschrieben von Maxi Schneider

4. November 2026

Treffen des Internationalen Auschwitz Komitees in Oświęcim

Unter der Losung »Wir werden nicht schweigen« kam das Internationale Auschwitz Komitee (IAK) vom 22. bis 25. September 2026 zu seiner Generalversammlung zusammen. Nach einer gemeinsamen Kranzniederlegung im Stammlager und in Auschwitz-Birkenau tagten Überlebende, Nachfahren und weitere Engagierte aus zwölf Ländern in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Oświęcim/Auschwitz. Sie stellten ihre Arbeit vor, die vielfach davon geprägt ist, die junge Generation für die Auseinandersetzung mit dem Holocaust zu gewinnen.

Im Vordergrund stand die Sorge um die zahlreichen Holocaustüberlebenden, die es insbesondere in Israel nach wie vor zu unterstützen gilt. Beeindruckend war die Bandbreite aus Forschungs- und Vermittlungsarbeit, geschichtspolitischen Auseinandersetzungen und Gedenken. Übereinstimmend berichteten Delegierte aus mehreren Ländern von einer Zunahme des Antisemitismus nach dem 7. Oktober 2023. Große Sorge bereitet die Situation in Deutschland mit dem Aufstieg der AfD. Besonders empört zeigten sich die Delegierten über die gegenwärtigen Angriffe auf die Gemeinnützigkeit der VVN-BdA. Wir werden nicht schweigen weiterlesen »

Erinnerung, die Haltung zeigt

geschrieben von Maxi Schneider

4. November 2026

Lagergemeinschaften zu Gast in der Gedenkstätte Sachsenhausen

Vom 18. bis 20. September fand das zweite Netzwerktreffen der Lagergemeinschaften (LAG) dieses Jahres statt – diesmal in Oranienburg und in der Gedenkstätte Sachsenhausen. Seit einigen Jahren treffen sich deutsche LAG-Vertreter*innen regelmäßig, um sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen. Auch die VVN-BdA ist im Netzwerk vertreten.

Andreas Meyer, Vorsitzender des Deutschen Sachsenhausen-Komitees und Präsident des Internationalen Sachsenhausen-Komitees, lud zu einer Führung über das Gelände ein. Besonders spannend war der Einblick in das Depot. Ein langjähriger Mitarbeiter zeigte die nach Materialien unterteilten Räume voller Objekte aus Holz, Glas, Keramik, Metall und Textil, darunter viele von Häftlingen geschaffene Kunstwerke, Häftlingskleidung und Alltagsgegenstände. Erinnerung, die Haltung zeigt weiterlesen »

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