Hinterland-CSDs sind Goldstaub

geschrieben von Eike Sanders und Tomke Clausmann, AK Fe.In

7. Juli 2026

Die Pride Saison kann auf Wissen und Strategien aufbauen

Die Pride Saison 2026 ist in vollem Gange. In vielen Bundesländern gab es schon 2025 mehr CSDs als im Jahr zuvor. In Brandenburg wird es dieses Jahr 23 CSDs und Prides geben. Doch überall spüren vulnerable Gruppen, gerade in ländlichen Regionen, die gewaltvolle Realität der Diskursverschiebung und die rechte Dominanz. Die eigenen Freiräume schrumpfen, und mit dem vorauseilenden Gehorsam von Behörden und Privilegierten droht der Verlust erkämpfter Rechte und Akzeptanz.

CSDs sind zu Orten des rechten Kulturkampfes geworden. Der Umgang mit ihnen hat sich zu einem Gradmesser entwickelt: Wie verhält sich die Stadtgesellschaft – Anwohner*innen, Gewerbetreibende, Zivilgesellschaft? Sorgt die Verwaltung für eine gute Infrastruktur und Sicherheit für den CSD oder verordnet sie Auflagen, die ihn einschränken und delegitimieren? Ist die Lokalpolitik vor Ort – und wenn ja, auf welcher Seite? Diese Fragen stellen sich auch ohne Naziaufmarsch. Aber die Naziaufmärsche, die es seit 2024 vermehrt gibt, spitzen die Lage enorm zu. Hinterland-CSDs sind Goldstaub weiterlesen »

Unsere Meldungen

7. Juli 2026

Polizist von Incel getötet

In Montréal hat ein bewaffneter Mann Ende Juni einen Polizisten erschossen und einen weiteren schwer verletzt. Die Polizei tötete den Angreifer. Ermittler fanden später ein Manifest mit Incel-Ideologie sowie rassistischen und antifeministischen Verschwörungserzählungen.

Rassistische Vorführung

AfD-Politiker ließen Anfang Juni im Gelsenkirchener Stadtteil Ückendorf Menschen mit Migrationsgeschichte vor laufender Kamera die Straße kehren. Betroffen waren vor allem Sinti und Roma. Gegen das Video wurde Strafanzeige wegen des Verdachts der Volksverhetzung gestellt.

Freisprüche bestätigt

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Politik der Herrschaft

geschrieben von Kolja Quensel

7. Juli 2026

Sachsen-Anhalt: AfD zielt auf gesellschaftliche Hegemonie, nicht nur auf Regierungsmacht

Die Frage, was eine AfD-geführte Landesregierung in Sachsen-Anhalt bedeuten würde, beschäftigt inzwischen die politische Öffentlichkeit. Analysen des AfD-Regierungsprogramms liegen mittlerweile in großer Zahl vor. Sie untersuchen die Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz, das Gesellschaftsbild der Partei sowie die möglichen Folgen für Justiz, Bildung und Forschung, Soziales, Integration und Migration oder den Wirtschaftsstandort.

Doch die entscheidende Frage ist möglicherweise eine andere. Nicht der Titel »Regierungsprogramm« sollte Empörung hervorrufen, sondern die Tatsache, dass die neofaschistische AfD überhaupt in die Lage gekommen ist, einen solchen Machtanspruch glaubwürdig zu formulieren, während alle anderen politischen Akteur*innen hilflos dastehen (siehe Spalte). Politik der Herrschaft weiterlesen »

Aufrüstung auf Dauer

geschrieben von red

7. Juli 2026

Die Verteidigungsaufstellung Europas schafft neue Unsicherheiten

Mit der vom früheren Bundeskanzler Olaf Scholz 2022 ausgerufenen »Zeitenwende« begann eine Entwicklung, die inzwischen weit über die Reaktion auf den russischen Angriff auf die Ukraine hinausgeht. Das 100-Milliarden-Euro-Sondervermögen für die Bundeswehr war der Auftakt. Seither wurden die regulären Verteidigungsausgaben kontinuierlich erhöht. Inzwischen soll Deutschland dauerhaft deutlich mehr als zwei Prozent seiner Wirtschaftsleistung für Militär ausgeben. Auf dem NATO-Gipfel in Den Haag verständigten sich die Mitgliedstaaten Ende Juni 2025 darauf, ihre militärbezogenen Ausgaben schrittweise auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu steigern – ein Ziel, das auch die Bundesregierung mitträgt. Aufrüstung auf Dauer weiterlesen »

Klimakrise, Kollaps, Antifa

7. Juli 2026

Tadzio Müller über Resilienz, Faschisierung und die Zukunft sozialer Bewegungen

antifa: Was genau meinst du mit »Klimantifa« – und was unterscheidet den Begriff von klassischer Klimapolitik oder Antifapraxis?

Tadzio Müller: Der ursprüngliche, primäre Zweck der Klimabewegung, wie wir sie geschaffen haben, war, zur Verhinderung der Klimakatastrophe beziehungsweise des Klimakollapses beizutragen. Ich würde sagen, es gab da ein übergeordnetes strategisches Ziel der Bewegung. In den letzten 15 Jahren ist die Klimabewegung in Deutschland mit Abstand zur mobilisierungsstärksten Bewegung geworden – rein quantitativ und auch organisatorisch. Im selben Zeitraum ist die Faschismusgefahr immer größer geworden. Aus diesen beiden Elementen leite ich ab, dass die Klimagerechtigkeitsbewegung von jetzt an jede ihrer Aktivitäten auch unter das strategische Ziel stellen muss, einen Beitrag dazu zu leisten, dass der Faschismus nicht wieder an die Macht kommt. Klimakrise, Kollaps, Antifa weiterlesen »

Quellen und Klicks

geschrieben von Martin Clemens Winter und Johannes Spohr

7. Juli 2026

Was die digitale NSDAP-Kartei kann, was sie verschweigt und was fehlt

Mehr als 80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs musste plötzlich alles ganz schnell gehen: Anfang 2026 hatte das US-Nationalarchiv mehr als 5.000 Mikrofilmrollen mit den Zentral- und Ortsgruppenkarteien der NSDAP ins Netz gestellt.1 Nahezu geräuschlos. Für die historische Forschung keine Sensation, aber ein beachtlicher Gewinn aufgrund neuer Möglichkeiten der Recherche über Einzelpersonen und gezielte Stichproben hinaus. In Foren und auf Social Media tauschten Nutzer*innen derweil erste Tipps für die Recherche aus. Die deutsche Medienöffentlichkeit hingegen reagierte aufgeregt, keine Zeitung, kein Onlineportal, das nach einem ersten Bericht des Spiegels nicht über die neuen Recherchemöglichkeiten berichtete. Der Archivkatalog in den USA war angesichts der massenhaften Zugriffe zeitweilig überlastet. Quellen und Klicks weiterlesen »

Neue Runde im Fall Drews

geschrieben von Ulrich Stuwe

7. Juli 2026

BGH verweist Streit um rechte Netzwerke und Berichterstattung zurück ans OLG

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Entscheidung im Verfahren zwischen Jörg Drews, dem Geschäftsführer der Hentschke Bau, und der VVN-BdA Sachsen an das Oberlandesgericht (OLG) Dresden zurückverwiesen. Drews klagt gegen ein 18seitiges Dossier des Recherchekollektivs »15 Grad«, in dem unternehmerisches Engagement für die extreme Rechte in Ostsachsen analysiert wurde. Auch Drews und Hentschke Bau werden dort erwähnt. Er soll laut dem Bericht 2017 der AfD eine Wahlkampfspende in Höhe von 19.500 Euro gemacht haben, die Zeitschrift Denkste?!, die dem verschwörungstheoretischen Lager zuzurechnen sei, soll 250 Euro bekommen haben, und Ostsachsen TV, bei dem auch viele extrem Rechte zu Wort kommen, soll er teilfinanziert haben. Das erste Urteil des Landgerichts Dresden (Frühjahr 2024) fiel vollständig zugunsten von Drews aus. Die VVN-BdA sollte den Teil aus der Studie streichen. Neue Runde im Fall Drews weiterlesen »

Im Anfang war die Tat

geschrieben von Ulrich Sander

7. Juli 2026

200 Jahre jugendliche Widerständigkeit. Von Ulrich Sander

Im Anfang war nicht das Wort, im Anfang war die Tat. Das teilte uns Goethe im »Faust« mit. Am Anfang war nicht das »Kommunistische Manifest« von Marx und Engels, nicht das Wort, sondern vier Jahre vor 1848 die Tat: der Aufstand der schlesischen Weber. Völlig zu Unrecht vergessen. Es war der Aufstand auch der Kinder und Jugendlichen. Brutalste Ausbeutung, Hunger, Elend, Kinderarbeit, Perspektivlosigkeit – das trieb Massen an, gegen die Unternehmer aufzustehen, den Polizeikugeln zu trotzen.

Rückblende: 22 Jahre alt war der Dichter der Befreiungskriege, Theodor Körner, der »Lützows wilde, verwegene Jagd« besang und als Partisan der Freiheitskriege fiel. Wie in den Freiheitskriegen bis 1813, beim Wartburgtreffen 1817 und dem Hambacher Fest 1832, war 1844 im Weberaufstand die Jugend führend. Bis dahin vor allem die bürgerliche, auch adelige Jugend. Nun betraten das Proletariat und seine Jugend den Kampfplatz. Im Anfang war die Tat weiterlesen »

Schülerstreiks gegen Wiedereinführung der Wehrpflicht

7. Juli 2026

Anlässlich des Schülerstreiks am 8. Mai 2026 wurden bei mehreren Kundgebungen Vertreter*innen der VVN-BdA, von den »Kindern des Widerstands« und anderen Veteran*innen der antifaschistischen Bewegung eingeladen, die den jungen Menschen ihre historischen Erfahrungen und den Zusammenhang zwischen »Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!« und keine neue Wehrpflicht anschaulich erläuterten. Sie sprachen in Bremen, Dortmund, Essen (siehe NRW-Seiten), Kassel (siehe Hessen-Seiten), Köln und bei weiteren Kundgebungen. Wie unterschiedlich diese Zugänge sein konnten, verdeutlichen die hier abgedruckten Auszüge der Ansprachen. Schülerstreiks gegen Wiedereinführung der Wehrpflicht weiterlesen »

Für Frieden, der weiterträgt

geschrieben von Meike Hertzberg, Josef Kaiser und Gerhard Marquart

7. Juli 2026

Lilo Rademacher ist tot: Gewerkschafterin, Antifaschistin und Kämpferin gegen Krieg und für Gerechtigkeit

Die 1948 geborene Lilo Rademacher studierte in Marburg Politik und Pädagogik. 1971 wurde sie Mitglied der IG Metall, 1978 Landesjugendsekretärin in Rheinland-Pfalz. 1987 machte sie die bis dahin ehrenamtlich geleistete Gewerkschaftsarbeit zu ihrem Beruf und wurde Gewerkschaftssekretärin, zunächst kurze Zeit bei der IG Metall in Albstadt, dann in Friedrichshafen. Einer ihrer Schwerpunkte war die Zusammenarbeit mit den Frauen im Ortsfrauenausschuss. Dort trafen sich regelmäßig bis zu 20 Frauen, um Fragen der Stärkung von Frauen in der betrieblichen Gewerkschaftsarbeit zu beraten und voranzubringen. Von 2003 bis 2012 war sie Geschäftsführerin und Erste Bevollmächtigte. Zwei Jahre später ging sie in Rente.

Danach war sie weiterhin aktiv: in der gewerkschaftlichen Frauenarbeit, sie arbeitete an ihrer Doktorarbeit zur Gleichstellung von Frauen in der Industrie; als Schiedsstellenvorsitzende trug sie zur außergerichtlichen Lösung von Eingruppierungskonflikten zwischen Unternehmen und Beschäftigten bei; außerdem engagierte sie sich im internationalen Solidaritätsarbeitskreis Brasilien. Für Frieden, der weiterträgt weiterlesen »

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