Nationale Symbole

geschrieben von Mathias Wörsching

2. Januar 2026

Die Absicht bestimmt oft nicht die Wirkung

Die Eskalation des israelisch-palästinensischen Konfliktes1 hat zu einer verstärkten Präsenz palästinensischer Symbole, darunter das Palästinenser*innentuch (kurz Palituch)2, geführt. Dazu möchte ich einige persönliche Meinungen und Erfahrungen mitteilen.

Wenn ich Menschen mit Palituch sehe, dann weiß ich in der Regel nicht, was der konkrete politische Inhalt ihrer Palästina-Solidarität ist. Auf dem Palituch stehen meist keine politischen Forderungen oder Erklärungen geschrieben. In mir werden aber unweigerlich Erinnerungen an Erlebnisse mit Träger*innen des Palituchs wach. Ganz vorne stehen dabei die seit dem 7. Oktober 2023 nahezu täglich stattfindenden propalästinensischen und antiisraelischen Demos in Berlin, zu deren Erscheinungsbild sehr viele Palitücher gehören. Bei diesen Versammlungen nehme ich immer wieder Verherrlichung und Rechtfertigung tödlichen Terrors gegen die jüdisch-israelische Zivilbevölkerung wahr. So deute ich etwa Parolen wie »Glory to the Resistance« (Ruhm dem Widerstand), »All Colonizers are Targets« (Alle Kolonisierer*innen sind Ziele) oder »Decolonization is not a metaphor« (Dekolonisierung ist keine Metapher). Das alles sind Parolen, die häufig mit direktem Bezug zum Massaker von 2023 vorgebracht werden, zum Beispiel an dessen Jahrestag. Nationale Symbole weiterlesen »

Demokalender gut gefüllt

geschrieben von Andreas Siegmund-Schultze

2. Januar 2026

Budapest, Dresden, Osterhofen, Erfurt: Erste Antifaaktionen kündigen sich 2026 an

Das Jahr 2026 wird aus antifaschistischer Perspektive nicht nur im Hinblick auf Wahlen und mögliche Erfolge der AfD (siehe Seite 6) zur echten Herausforderung. Auch auf den Straßen zeichnen sich bereits wichtige Termine ab, die den Demokalender von Aktivist:innen prägen werden – als Zeichen des Widerstands gegen den rechten Vormarsch.

Bei den antifaschistischen Protesten in Gießen (siehe Seite 5) wurde bereits für das kommende Widersetzen-Happening am 4. und 5. Juli geworben, wenn die AfD in der Messe Erfurt ihren Bundesparteitag abhalten will. Bereits am 18. Februar – gut zwei Wochen vor den Wahlen in Bayern und Baden-Württemberg – wird die extrem rechte Partei bei ihrem Aschermittwochstreffen im Donaucenter in Osterhofen (Niederbayern) mit entschiedenen Protesten unter anderem von »Osterhofen zeigt Gesicht« sowie weiteren antifaschistischen Gruppen rechnen dürfen. Demokalender gut gefüllt weiterlesen »

Status quo der Erinnerung

geschrieben von Maxi Schneider und Ulrich Schneider

2. Januar 2026

Offene Fragen zum neuen Gedenkstättenkonzept

Im November 2025 wurde das neue Gedenkstättenkonzept aus dem Hause Wolfram Weimer (parteilos) – dem aktuellen Beauftragen der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) – vorgestellt. Weimer ist als rechtskonservativer Hardliner bekannt, die CDU/CSU hatte im letzten Wahlkampf erinnerungspolitische Positionen von vorgestern vertreten und am 8. Mai 2025 im Bundestag exemplarisch vorgeführt, wie eine revisionistische Täter-Opfer-Umkehr aussieht. Die Befürchtungen waren entsprechend groß. Trotzdem blieb die große öffentliche Debatte – anders als bei den früheren Konzeptionen 1999 und 2008 – aus. Aus Sicht der Gedenkstätten kam es offenbar nicht so schlimm wie befürchtet, gleichzeitig ist gesamtgesellschaftlich ein Gewöhnungseffekt gegenüber geschichtspolitischen Setzungen eingetreten, während durch das Wegfallen der Stimmen politisch aktiver Überlebender des NS-Regimes unsere Lobby schwächer wurde. Status quo der Erinnerung weiterlesen »

Gewissen gegen Barbarei

geschrieben von Jutta Harnisch

2. Januar 2026

Dompropst Bernhard Lichtenberg: Aus Verantwortung vor der Ewigkeit

Am 3. Dezember 2025 jährte sich der Geburtstag von Dompropst Bernhard Lichtenberg zum 150. Mal. Ein Jubiläum, das nicht nur die katholischen Christ:innen im Erzbistum Berlin begingen. Denn für sein mutiges und standhaftes Eintreten für die Menschlichkeit, das ihm den Hass der Nazis, Haft und schließlich den Tod brachte, verehren ihn bis heute Menschen, die sich mit seinem Leben und seinem Wirken beschäftigt haben. Sie sehen ihn zu Recht als Märtyrer und Vorbild (siehe Spalte). Gewissen gegen Barbarei weiterlesen »

Seinem Weg treu

geschrieben von Friedbert Mühldorfer

2. Januar 2026

Bertl Lörcher: Porträt eines lebenslang aktiven Antifaschisten

Aufgeben kam nicht in Frage. Mit Flugblättern wehrten sich 1933 Bertl Lörcher und Freunde, mussten angstvolle Wochen der Illegalität durchstehen und wurden dann doch verhaftet. Bertl wurde verurteilt und anschließend bis Mai 1935 erst ins Gefängnis und später ins KZ Dachau verfrachtet. Die Zeit nach seiner Entlassung war keine wirkliche Freiheit. Zu groß war die Angst vor erneuter KZ-Haft. Als »Häftling auf Urlaub« fühlte er sich damals.

Seine Schwester Elisabeth, weitere Verwandte und Freunde aus der Arbeiterjugend, darunter seine spätere Ehefrau Gretel Hörndl, selbst mit 19 Jahren in »Schutzhaft«, unterstützten ihn nach Kräften. Ursprünglich »wehrunwürdig« wurde Bertl Lörcher von den Nazis im Oktober 1942 dann mit der »Bewährungseinheit 999« ins Kriegsgebiet Tunesien verfrachtet. Die Zeit im »Strafbataillon« nimmt im Buch einen größeren Platz ein, weil erstmals ausführlicher Lörchers »Kriegstagebuch« zitiert wird. Versuche, zu den gegen die Nazis kämpfenden alliierten Truppen in Afrika überzulaufen, waren zum Scheitern verurteilt. Seinem Weg treu weiterlesen »

Ein Ort, der verbindet

geschrieben von Interview: Andreas Siegmund-Schultze

2. Januar 2026

100 Jahre Antifaschismus in Heideruh: Interview mit Bea Trampenau

antifa: Die Antifaschistische Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh gibt es 2026 seit 100 Jahren. Gratulation. Was macht ihr – und wer seid ihr?

Bea Trampenau: Heideruh ist in erster Linie ein politisches Tagungshaus, aber auch ein Ort für Erholung von Gruppen und Einzelnen. Die älteren Generationen verbinden Heideruh eher mit Urlaub, die jüngeren mit politischer Bildungsarbeit. Wir sind ein Vollpensionsbetrieb mit Gästezimmern, Zeltplatz und Wohnmobilstellplätzen sowie einem großen Außengelände mit Spielplätzen, Barfußpfad und vielem mehr. Darüber hinaus haben wir eine eigene Bildungsarbeit. Wir machen Erinnerungsarbeit gemeinsam mit der Stadt Buchholz, organisieren Veranstaltungen gegen Rechts und bieten Fortbildungen an. In den letzten zwei Jahren kommen zum Beispiel regelmäßig Gruppen der »Omas gegen Rechts« zu uns, um sich weiterzubilden oder Reflexionsworkshops zu machen. Ein Ort, der verbindet weiterlesen »

Erinnerung an Porajmos

geschrieben von Gerald Netzl

2. Januar 2026

Roma-Gedenkstätten in Tschechien

In der Nazidiktion und noch viel zu lang auch in unserem Sprachgebrauch wurden sie abfällig »Zigeuner« genannt. Leicht hatten es Roma und Sinti in Europa nie. Die Nazizeit sollte allerdings alles Bisherige in den Schatten stellen: Nichts weniger als ihre Vernichtung war das Ziel der braunen Barbaren. Romanes hat sogar ein eigenes Wort dafür: »Porajmos« (deutsch »das Verschlingen«) entspricht »Holocaust«. Erinnerung an Porajmos weiterlesen »

Symbolische Abrechnung

geschrieben von Russell Kent

2. Januar 2026

Britische Kriegsverbrecherprozesse in Hamburg – Die Curiohaus-Prozesse

Wenn ich erzähle, dass ich über Kriegsverbrecherprozesse schreibe, antworten die Leute immer mit einem Wort: »Nürnberg«. Natürlich war der Internationale Militärgerichtshof, der zwischen 1945 und 1946 in Nürnberg tagte, der wichtigste Kriegsverbrecherprozess unserer Zeit. Aber er war bei weitem nicht der einzige europäische Prozess gegen Kriegsverbrecher, der nach dem Zweiten Weltkrieg stattfand. Die Amerikaner führten zwölf weitere Prozesse in Nürnberg und weitere in Dachau durch. Es gab sowjetische Prozesse, polnische, französische, jugoslawische, tschechische und ungarische Prozesse. Und es gab britische Prozesse.

Von 1945 bis 1949 führte das britische Militär 328 Kriegsverbrecherprozesse durch und verfolgte 937 Personen in ihrer Besatzungszone. Etwa die Hälfte der Prozesse fand in einem Gebäude in Hamburg statt. Mein Buch »The Curiohaus Trials« befasst sich mit einigen davon. Ich zeige auf, dass es nicht nur Präzedenzfälle gegen das deutsche Militär gab, sondern auch gegen Polizisten, Ärzte, Krankenschwestern, Unternehmensleiter, Lehrer, Hausfrauen und Bauern. Es gab Prozesse wegen der Bereitstellung von Mitteln zur Ermordung von Millionen Menschen, wegen der Tötung von Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern und Kindern. Symbolische Abrechnung weiterlesen »

75 Jahre FIR

geschrieben von Ulrich Schneider

2. Januar 2026

Geschichte der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer

Ende Juni 2026 feiert die FIR1 in Wien mit einem Festakt ihr 75jähriges Bestehen. Das ist – angesichts der politischen Herausforderungen und Umbrüche, die sie bewältigen musste – schon eine beeindruckende Zeit. Aber die FIR war nicht die erste Organisation der Überlebenden und ehemaligen politischen Gefangenen der Konzentrationslager und Gefängnisse des faschistischen Deutschlands.

Schon 1945 trafen sich die ersten europäischen Verfolgtenverbände in Warschau und gründeten die FIAPP2. Hervorzuheben ist, dass bereits 1948 die VVN gleichberechtigtes Mitglied in diesem Dachverband der NS-Verfolgten und Nazigegner wurde, während in anderen internationalen Gremien deutsche Verbände noch ausgeschlossen waren. Die in den Lagern und im antifaschistischen Kampf entstandene Gemeinsamkeit wurde jedoch durch Kalten Krieg und politische Verwerfungen schon bald so sehr belastet, dass – vor dem Hintergrund der zunehmenden Kriegsgefahr – ein organisatorischer Neuanfang notwendig erschien. Auf einem – von der FIAPP vorbereiteten – »Friedenskongress der internationalen antifaschistischen Bewegung« erfolgte im Juni 1951 die Neugründung der FIR. Sie verband ehemalige Widerstandskämpfer, Deportierte, NS-Gegner und Aktive unterschiedlicher politischer Richtungen aus Ost und West. Der Sitz der FIR wurde in Wien eingerichtet. 75 Jahre FIR weiterlesen »

Franco und sein Erbe

geschrieben von Carmela Negrete

2. Januar 2026

Deutsch-spanische Deals und das Wiederaufleben autoritärer Strukturen

50 Jahre nach dem Tod des spanischen Diktators Franco hat das Land weiterhin ungelöste Konflikte mit seiner autoritären Vergangenheit. An dieser historischen Hypothek trägt auch das als »Weltmeister« des historischen Andenkens geltende Deutschland eine wesentliche Mitverantwortung: nicht nur, weil die franquistische Diktatur ohne die militärische Hilfe Hitlers und der Legion Condor kaum denkbar gewesen wäre, sondern auch, weil deutsche Politiker das Regime später politisch hofierten und es als Bollwerk gegen den Kommunismus legitimierten. Über Jahrzehnte hinweg wurde der Franquismus zu einem festen Bestandteil des politischen und ideologischen Gefüges Westeuropas im Kalten Krieg. Spanien öffnete sich für NATO-Stützpunkte, pflegte enge Beziehungen zu westlichen Geheimdiensten und weist bis heute nicht vollständig aufgeklärte Verbindungen zu den Stay-behind-Strukturen (Gladio) sowie zu deren Rolle im Kontext staatlichen Terrors auf. Franco und sein Erbe weiterlesen »

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