Seismograf der Stimmung

geschrieben von Axel Holz

2. Januar 2026

Mitte-Studie: Nationalchauvinismus und Grauzonen nehmen zu

Die Mehrheit der Menschen in Deutschland ist demokratisch eingestellt und äußert Sorgen über die wachsende Gefahr von rechts. Das zeigt sich in der neuesten Mitte-Studie 2024/25 mit dem Titel »Die angespannte Mitte«, die seit über 20 Jahren von der Friedrich-Ebert-Stiftung herausgegeben wird. Sie ist ein Seismograf für demokratische und antidemokratische Stimmungen im Land. Die neueste Studie entstand unter der Leitung von Prof. Andreas Zick von der Universität Bielefeld. Seismograf der Stimmung weiterlesen »

Zwischen Tel Aviv und Teheran

geschrieben von Harry Friebel

2. Januar 2026

Wie zwei Menschen aus offiziell verfeindeten Staaten Freundschaft und Hoffnung finden

Die deutsch-israelische Jüdin Katharina Höftmann Ciobotaru (im Buch »Nina«) und der iranische Muslim Sohrab Shahname – ein Pseudonym (im Buch »Sohrab«) haben 2024 zwischen Tel Aviv und Teheran einen intensiven E-Mail-Austausch und lassen uns im Buch mitlesen.

Beide berichten über ihre individuellen Alltagserfahrungen, ihre jeweiligen soziokulturellen Kontakte und tauschen sich über komplexe Politiken aus. Der Schriftwechsel ist intim und politisch zugleich. Es werden persönliche Verständigungsbrücken zwischen den politisch verfeindeten Staaten Israel und Iran aufgebaut. Zwischen Tel Aviv und Teheran weiterlesen »

Genug Erinnern für alle

geschrieben von Bernd Hüttner

2. Januar 2026

Wie muss sich das Gedenken an den Holocaust verändern?

Susanne Siegert plädiert dafür, dass sich antifaschistische Erinnerungskultur verändern muss. Zum einen wegen des schon viel beschriebenen Verlusts der Zeitzeug*innen und zum anderen, genauso wichtig, wegen der veränderten Nutzung von Medien. Gleichzeitig bietet die allumfassende Digitalisierung heute auch völlig neue Möglichkeiten der Recherche wie der Präsentation von deren Ergebnissen.

Erinnerungskultur also, aber anders. Wie, dazu hat sie selbst reichlich Erfahrung. Die 1992 in -Bayern geborene Journalistin recherchiert aufwendig online und publiziert dann die Ergebnisse. Begonnen hat alles mit »Mühldorfer Hart«, einem vergessenen Außenlager des KZ Dachau nahe ihrem Wohnort. Genug Erinnern für alle weiterlesen »

Mutterschaft als Anforderung

geschrieben von Peps Gutsche

2. Januar 2026

Bettina Wilperts neues Buch über Körperlichkeit, Identität und Zwänge

Die Autorin Bettina Wilpert hat bereits in ihren Romanen »Nichts, was uns passiert« und »Herumtreiberinnen« feministische Perspektiven auf Weiblichkeitsanforderungen in linken bis links-liberalen Milieus nachgezeichnet. Mit »Die bärtige Frau« folgt eine radikale Auseinandersetzung mit der Frage von weiblichen Körpern, Geschlechterkonstruktion, Gebären und Mutterschaft. Mutterschaft als Anforderung weiterlesen »

Überleben im Dunkel

geschrieben von Gabi Bauer und Peter Piro

2. Januar 2026

Bela Winkensʼ Weg durch die Vergangenheit

In »Brief an die Mutter« schreibt Bela Winkens an ihre Mutter, die im KZ Auschwitz ermordet wurde und die sie nie wirklich kennenlernen konnte. Winkens erzählt ihr von ihrer Kindheit, ihren Erinnerungen an das KZ Theresienstadt, das sie als Vierjährige überlebte, und wie sie als Überlebende mit dem Schmerz und der Trauer im Laufe ihres Lebens umzugehen versucht hat. Überleben im Dunkel weiterlesen »

Unbeugsame Haltung

geschrieben von Janka Kluge

2. Januar 2026

Vor 90 Jahren: Friedensnobelpreis für Carl von Ossietzky

Die Verleihung des Friedensnobelpreises ist immer auch ein politisches Statement. Der Preis wurde erstmals 1901 nach dem Tod des Stifters Alfred Nobel verliehen. Laut Satzung soll damit die Person oder Organisation ausgezeichnet werden, die »am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt« hat.

Carl von Ossietzky war einer der streitbarsten Journalisten und Redakteure der Weimarer Republik. Er kam 1889 in Hamburg zur Welt. Nach der Schule ging er in den Justizdienst und wurde 1910 in das Grundbuchamt versetzt. Bereits 1908 wurde er Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft und der Demokratischen Gesellschaft. Ab 1911 veröffentlichte er Artikel in der Wochenzeitung Das freie Wort. 1914 wurde er zum ersten Mal wegen eines antimilitaristischen Artikels zu einer Geldstrafe von 200 Mark verurteilt. Im Ersten Weltkrieg war er zunächst als kriegsuntauglich ausgemustert worden. Weil es für einen antimilitaristischen Journalisten kaum noch Möglichkeiten zur Veröffentlichung gab, ging er in den Justizdienst zurück. Im Sommer 1916 wurde er doch noch eingezogen und kam an die Westfront. Unbeugsame Haltung weiterlesen »

Hamburgs Roter Widerstand

geschrieben von Peter Nowak

2. Januar 2026

Ein historischer Roman über kommunistische Gegenwehr an der Alster

Mehr als 35.000 Menschen versammelten sich am 21. März 1931 in Winterhude im Norden Hamburgs, um Ernst Henning das letzte Geleit zu geben. Es war auch ein Massenprotest gegen den NS-Terror. Denn der Metallgewerkschafter war in Hamburg bekannter Politiker der KPD und beteiligte sich auch im Rotfrontkämpferbund am Kampf gegen den aufkommenden NS-Faschismus.

Am 14. März 1931 wurde Henning in einem Bus auf dem Rückweg von einer KPD-Versammlung von SA-Männern erschossen. Sein Begleiter wurde schwer verletzt und verlor ein Auge. Eine Berufsschullehrerin, die zufällig auch im Bus saß, wurde ebenfalls durch die Schüsse verwundet. Die faschistische Mordtat sorgte damals wegen ihrer Brutalität für große Empörung. Hamburgs Roter Widerstand weiterlesen »

Germanen neu erzählt

geschrieben von Mathias Wörsching

2. Januar 2026

Mythenkritisches Buch über deutsche Vorgeschichte

»Die Germanen« als Mythos und Konstrukt sind in allen Spielarten des deutschen Nationalismus bis hin zum Nazismus ein wichtiger Teil der jeweiligen Geschichtserzählungen. Die sich im 19. und frühen 20. Jahrhundert als Wissenschaft herausbildende Ur- und Frühgeschichtsarchäologie ging mit verfestigten nationalistischen Deutungsmustern an die Bodenfunde und baute sie ins bestehende Germanenbild ein, während sie gleichzeitig viel neues, über die Schriftquellen hinausgehendes Wissen zusammentrug.

Das nationalistisch geprägte Germanenbild ist in Deutschland kulturell tief verwurzelt. Während die moderne Wissenschaft dieses Bild nach 1945 zunehmend hinterfragte und auseinandernahm, bis so gut wie nichts mehr davon übrig blieb, wirkt es unterhalb der akademischen Schwelle mächtig weiter auf ein großes Publikum – in populärwissenschaftlichen Werken und in Kinderbüchern, Filmen, Comics und Romanen, auf Mittelaltermärkten und in der Reenactment1-Szene. Germanen neu erzählt weiterlesen »

Ausgabe November/Dezember 2025

geschrieben von Nils Becker

9. November 2025

Editorial

Unser Titelbild zeigt die Demonstration am 19. Oktober in Berlin nach der Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz zum Thema Migration als »Problem im Stadtbild«. Foto: Christian Mang

Unser Titelbild zeigt die Demonstration am 19. Oktober in Berlin nach der Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz zum Thema Migration als »Problem im Stadtbild«.
Foto: Christian Mang

Antifaschistisches Banner in der Bastei/Sächsische Schweiz zur Mobilisierung gegen das Treffen der AfD-Jugend Ende November in Gießen. Foto: widersetzen.com

Unser Rücktitel: Antifaschistisches Banner in der Bastei/Sächsische Schweiz zur Mobilisierung gegen das Treffen der AfD-Jugend Ende November in Gießen. Foto: widersetzen.com

Ein bewegender und konstruktiver Bundeskongress in Stuttgart liegt hinter uns. Auf drei Seiten stellen wir Ablauf, Vorträge und Ergebnisse vor. Mehr findet sich auf unserer Webseite. Obwohl solche großen Treffen immer viel Einigendes haben, stellen wir weiterhin große Widersprüche im Verband fest. Wer die Beiträge in dieser Ausgabe und der Länderbeilage genauer liest und Verbindungen zieht, wird unterschiedliche Herangehensweisen an taktische Fragen der Bündnispolitik in der Friedensarbeit feststellen. Obwohl es hier offensichtlich weiterhin viel zu diskutieren gibt, ist dennoch klar, dass die VVN-BdA aus ihrer Geschichte heraus dem Frieden verpflichtet ist. Aufgrund der unsicheren Weltlage und Deutschlands militärischer Rolle (laut »Global Firepower Index« auf Platz 14 der Armeen) sind alle Strukturen der VVN gefragt diesem Anspruch gerecht zu werden. Egal wie groß die Gefahr der persönlichen Involvierung ist, muss doch wahrgenommen werden, dass 40 Prozent der Deutschen Angst vor einem Atomkrieg haben und damit rechnen, dass weitere Kriege in Europa stattfinden (CeMas-Studie). Diese existenziellen Ängste beeinflussen politische Entscheidungen, sorgen für Stress und haben Auswirkungen auf das Zusammenleben. Das ist der Nährboden für autoritäre Kräfte, Rüstungswettlauf und nationale Abschottung. Damit werden wir uns weiter beschäftigen.

Ein Thema, das Antifaschist*innen dieses Jahr auch begleitet hat, waren die CSD-Paraden zur Sichtbarkeit queeren Lebens und Liebens. Von 245 geplanten CSDs waren 110 Störungen ausgesetzt. Die Hälfte der Störungen gingen laut dem CSD-Sicherheitsreport (Amadeu-Antonio-Stiftung) von organisierten (Jugend-)Gruppen und rechten Parteien aus. Diese Zahlen wurden kurz nach dem Saisonende in Cottbus bekanntgegeben. Rund 1.000 Teilnehmende waren dort zusammengekommen, um den letzten CSD dieses Jahr zu feiern – trotz mehrerer Gegendemos von Neonazis. Auch die VVN war wieder mit dabei – an der Seite derer, die diskriminiert und ausgegrenzt werden. Auch das war und wird weiterhin unsere Aufgabe sein. Nils Becker

Zeitgeschehen

Kanzler des Grauens (Conrnelia Kerth)
UNO rügt Deutschlands Asylbewerberleistungsgesetz (Nils Becker)
Leistung statt Teilhabe – Die Bildungspolitik der AfD (Jan Tölva)
Bundeskongress 2025: Einendes hervorheben 
Auszüge der inhaltlichen Beiträge (Fritz Burschel, Tobias Pflüger, Paul Schäfer, Maxi Schneider)
Aufklärung notwendig (Markus Roth)
Rechtsruck im Ruhrgebiet (Falk Mikosch/Ulrich Sander)
Brückenbau nach rechts (Ulrich Peters)
Unsere Meldungen
Interview: Solidarität unter Betroffenen (Initiative Antisemitismus und Rassismus gemeinsam bekämpfen)
Erik Ahrens: Aussteiger mit Sprengkraft (Janka Kluge)
Jordan Peterson: Rechter Guru (Juliet Schnabel)
Interview mit Loretta Walz: Im Kontext ihrer Zeit
Gießen 2025: Nie wieder HJ 

Spezial

Jenseits des Schlachtfelds (Siddharth Tripathi)

Porträt

Irmgard Jasker bekommt Bundesverdienstkreuz (Jens Wilke)

Internationales

Trump machts vor (Ulrich Schneider)
Wegläufer Geert Wilders (Gerrit Hoekman)
Reisebericht: Von Bleiburg nach Ljubljana (Wanja Musta)

Geschichte

100 Jahre Bauhaus (Ulrich Schneider)
Saarland: Zweimal falsch abgebogen (Roland Röder)
Asberger: Ein Name, der Opfer verhöhnt (Sophie Lierschof)

Kultur

„Deutsche in der Resistanze“ – Lückenhaft, aber notwendig(Brigitte und Gerhard Brändle)
Erinnern als Praxis (Ulrich Schneider)
„Die Shoa und die DDR“ (Bernd Hüttner)
Empathieblockaden – Shoa, Genozid, Nakba (Janka Kluge)
„Unerwünschte Opfer“ in der BRD (Axel Holz)
Rußland: Das innere Imperium (Thomas Hacker)
Dokumentation der Antifadebatten (Peter Nowak)
Antifaschistisch lehren (Evelyn Bernadette Mayr und Irene Willroider)
„Mit Männern leben“ (Peps Gutsche)

Kanzler des Grauens

geschrieben von Cornelia Kerth

9. November 2025

Wie die Angriffe auf den Sozialstaat hinter Rassismus verschwinden

Eine kurze Recherche über die Vita des Bundeskanzlers hält folgende Informationen bereit: Nach Abi, Wehrdienst und Jurastudium hat Friedrich Merz drei Jahre als Syndikus beim Verband der Chemischen Industrie gearbeitet. Dann wurde er 1989 Politiker. Als Mitarbeiter der Rechtsanwaltskanzlei Mayer Brown und gleichzeitiger Bundestagsabgeordneter vertrat er 2006 die Interessen der RAG Aktiengesellschaft (einst Ruhrkohle AG) beim Börsengang. Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag 2009 konnte er seinem Vermögen 1.980.000 Euro hinzufügen, die er als Honorar für seine Dienste zur Privatisierung der WestLB bezogen hat. Selbstverständlich war Merz 2005 Gründungsmitglied und bis zur Auflösung 2014 Mitglied des Fördervereins der Lobbyorganisation »Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft«. Kanzler des Grauens weiterlesen »

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