Widerstand intensivieren

geschrieben von Interview: Kristin Caspary

2. Januar 2026

Lou und Marc von »Widersetzen« zu den Aktionen in Gießen

antifa: Das bundesweite antifaschistische Bündnis »Widersetzen« hat sich im Jahr 2024 gegründet, um den AfD-Parteitag in Essen zu blockieren. Wie ging es danach weiter?

Lou: Seit Essen konnten wir ein stetiges Wachstum beobachten, sowohl was aktive lokale Gruppen anbelangt als auch die Größe der Aktionen selbst. Bei den Protesten gegen den AfD-Parteitag in Riesa waren wir schon 15.000 Menschen! Nach diesem Erfolg haben wir eine Konferenz ausgerichtet, auf der wir das Ziel formuliert haben, in Gießen den AfD-Jugendkongress zu blockieren. An über 80 Orten gab es daraufhin Veranstaltungen, um über die »Generation Deutschland« (GD) aufzuklären, zu erläutern, warum wir deren Gründung blockieren sollten, und zusätzliche Aktionstrainings. Widerstand intensivieren weiterlesen »

AfD-Erfolge verhindern

geschrieben von Interview: Nils Becker

2. Januar 2026

Christian Schneider von »Aufstehen gegen Rassismus« zum Wahljahr 2026

antifa: 2026 stehen in acht Bundesländern Wahlen bevor. Aktuelle Umfragen sehen die AfD zwischen 20 (Bayern) und 40 Prozent (Sachsen-Anhalt). »Aufstehen gegen Rassismus« (AgR) will in die Wahlkämpfe intervenieren, um die AfD-Ergebnisse zu drücken. Was habt ihr vor?

Christian: Im Gegensatz zu Parteien, die Wahlkampf für ihr Programm und ihr Personal machen, werden wir mit vielen anderen gegen die AfD, ihre Forderungen und ihr Personal arbeiten. Wir werden aufklären, Menschen befähigen, gegen die AfD aktiv zu werden, und auch Bündnisse für die Zeit nach der Wahl schmieden. Letztlich wollen wir die AfD aus den Parlamenten vertreiben und mögliche Fraktionsbildungen, Zählgemeinschaften und was es sonst noch alles Gruseliges auf kommunaler Ebene mit ihnen gibt, verhindern. Allen anderen Parteien muss klar werden, dass die Zusammenarbeit mit der AfD nicht in Frage kommt, auch wenn sie viele Wähler*innen von sich überzeugen kann. Gleichzeitig wollen wir unsere Forderung nach einem AfD-Verbot weiter ins Bewusstsein rücken. AfD-Erfolge verhindern weiterlesen »

Nazistruktur bleibt aktiv

geschrieben von Janka Kluge

2. Januar 2026

Verbot gegen Hammerskins durch Bundesverwaltungsgericht wieder aufgehoben

Am 19. Dezember 2025 hat das Bundesverwaltungsgericht das 2023 ergangene Verbot der neonazistischen »Hammerskins« gekippt. Die Kammer gab als Begründung an, dass trotz Prüfung nicht nachgewiesen werden konnte, dass die 13 Gruppen, analog zu Rockern Chapter genannt, eine deutschlandweite Führung hatten. Nur dann, so das Gericht, kann ein Verein vom Innenministerium verboten werden. Drei Mitglieder der Hammerskins und neun der 13 Chapter hatten gegen das Verbot geklagt. Sie seien zwar Mitglieder der weltweiten Hammerskin-Bewegung, es gebe aber keinen Verein Hammerskin Deutschland, in dem sie Mitglied sind. Damit müssen auch das beschlagnahmte Vermögen und die Immobilie zurückgegeben werden. Nazistruktur bleibt aktiv weiterlesen »

Medien befördern Vorurteile

geschrieben von Axel Holz

2. Januar 2026

Angebliche Häufung: Tatverdächtige mit ausländischer Staatsangehörigkeit

Deutsche Leitmedien berichten deutlich häufiger über Gewaltdelikte von Tatverdächtigen mit ausländischer Staatsangehörigkeit, als es ihrem Anteil in der polizeilichen Kriminalitätsstatistik entspricht, berichtete jüngst der Mediendienst Integration. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger bei Gewaltdelikten liegt bei 34,3 Prozent. Ein Viertel der TV-Berichte benennt die Herkunft von Tatverdächtigen. Jedoch beziehen sich 94,6 Prozent davon auf Tatverdächtige mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Bei den Printmedien beziehen sich 90,8 Prozent der Berichte auf nichtdeutsche Tatverdächtige bei Gewaltdelikten. Tatverdächtige mit ausländischer Staatsangehörigkeit sind damit mehr als dreimal so häufig in den Medien vertreten, als es ihrem tatsächlichen Anteil entspricht. Das schürt bestehende Vorurteile gegenüber Migrantinnen und Migranten. Medien befördern Vorurteile weiterlesen »

Bisher unbestraft

geschrieben von (red)

2. Januar 2026

NSU-Prozess gegen Susann Eminger und weiter Kritik der Betroffenen

Vor dem Oberlandesgericht Dresden läuft seit Anfang November 2025 ein weiterer Prozess im NSU-Komplex. Angeklagt ist diesmal Susann Eminger (44), eine langjährige Vertraute der verurteilten Beate Zschäpe. Wie schon ihr Mann André Eminger (bereits zu 2,5 Jahren Haft verurteilt) soll auch sie den NSU beim Leben unter falschen Identitäten unterstützt haben. Dazu zählen das Bereitstellen der eigenen Krankenkassenkarte und Personalien sowie die Beteiligung an der Abholung eines Wohnmobils, das der NSU beim letzten Raubüberfall 2011 nutzte. Laut Anklage wusste Eminger spätestens ab 2007 von den Morden und Überfällen. Bisher unbestraft weiterlesen »

Ein Angriff auf die Geschäftstätigkeit

geschrieben von Nils Becker

2. Januar 2026

GLS-Bank kündigt der Roten Hilfe die Konten

Kurz vor der spendenreichen Zeit wurden mehreren linken Organisationen die Konten von der Genossenschaftsbank GLS Bank gekündigt. Prominent darunter die DKP und die Rote Hilfe. Zusammengenommen Organisationen mit jährlich einer siebenstelligen Euro-Zahl an Spendeneinnahmen und Mitgliedsbeiträgen. Versuche, bei anderen Banken neue Konten zu eröffnen, gestalten sich mehr als schwierig.

Politischen Organisationen die Geschäftsfähigkeit per Bankkonto-Boykott streitig zu machen, hat  in Deutschland eine längere Geschichte. Bisher konnten sich viele dagegen erfolgreich vor Gericht wehren oder zumindest Konten bei Sparkassen erstreiten – die als Anstalten öffentlichen Rechts noch mal anders an Grundrechte und Gleichheitssatz gebunden sind. Aufsehen erregte schon 1986 der Sieg der MLPD gegen die Deutsche Bank, die noch bis mindestens 2017 Konten der Partei halten musste. Das multipolar-Magazin listet fortlaufend Fälle der letzten Jahrzehnte auf. Politisch aktive Einzelpersonen, Journalist*innen, Organisationen, aber auch Presseorgane, Freie Radios oder Nachrichtenportale wie israel heute sind darunter. Gegen manche gibt es EU-Sanktionen, wie gegen den Journalisten Hüseyin Doğru, dessen Bankkonten aufgrund einer Weisung der Bundesbank eingefroren wurden. Ein Angriff auf die Geschäftstätigkeit weiterlesen »

Meldungen

geschrieben von Ulrich Stuwe

2. Januar 2026

Rechte Medienkampagne

Das rechte Internetportal Apollo News führt seit Mitte Oktober zusammen mit anderen Medien eine Kampagne gegen Kira Ayyadi von der Amadeu Antonio Stiftung. Ayyadi hatte bei einer Veranstaltung der Linken Treptow-Köpenick, in diesem Bezirk sitzt auch Apollo News, gesagt, dass das Portal zu einem Netzwerk rechts-alternativer Medien gehöre und immer wieder irreführende und unzutreffende Aussagen treffe, die den Anspruch seriöser Berichterstattung untergrabe. Daraus haben rechte bis extrem rechte Medien eine Kampagne gesponnen, die von einer »Rhetorik der offenen Gewalt« und dem »Angriff auf die Pressefreiheit« faseln. Neben Apollo News haben sich Nius, Compact, Berliner Zeitung und AfD daran beteiligt.

Nazinetzwerk in Kroatien

Ein in Kroatien aktives Netzwerk um den Leipziger Reinhard Rade sorgt auf der Insel Šipan für wachsende Proteste. Standard-Recherchen zufolge wurden systematisch Immobilien aufgekauft, um Rückzugsräume für rechte Akteure aus Deutschland zu schaffen. Lokale Bewohner berichten von Abschottung, fehlender Transparenz und zunehmendem Misstrauen gegenüber dem Netzwerk des rechten Geschäftsmanns. Meldungen weiterlesen »

Mitgestaltung von Gedenkstätten

geschrieben von Maxi Schneider

2. Januar 2026

Treffen des Netzwerks der Lagergemeinschaften in Sachsenburg

Vom 7. bis 9. November 2025 kam das LAG-Netzwerk im sächsischen Sachsenburg zusammen. Das Netzwerk besteht aus Vertretungen deutscher Interessenverbände ehemaliger Häftlinge der Konzentrationslager.

Bei den regelmäßigen Treffen steht der Austausch über unsere Gedenk- und Erinnerungsarbeit im Vordergrund. Vertreter*innen von Lagergemeinschaften – viele selbst Nachfahren von Verfolgten – vernetzen und unterstützen sich gegenseitig. Zentrales Anliegen des Netzwerkes ist es, erinnerungspolitische Entwicklungen und Debatten kritisch und im Sinne der ehemaligen Häftlinge, die die Lagergemeinschaften einst gegründet haben, zu begleiten. Mitgestaltung von Gedenkstätten weiterlesen »

Kirchen gegen extreme Rechte

geschrieben von (red)

2. Januar 2026

Mitte November 2025 kamen in Frankfurt am Main rund 70 Vertreter*innen zur Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus (BAG K+R) zusammen. Zentrale Frage der Veranstaltung war, wo demokratischer Konservatismus endet und Rechtsextremismus beginnt. In seinem Eröffnungsgrußwort betonte Dr. Wolfgang Pax, Generalvikar des Bistums Limburg, dass völkischer Nationalismus und der christliche Glaube unvereinbar seien. Auch Antisemitismus stellte er als fundamentale Ablehnung christlicher Werte dar. Die Frankfurter Stadtpolitikerin Eileen O’Sullivan forderte klare rote Linien im Umgang mit rechten Narrativen. Kirchen gegen extreme Rechte weiterlesen »

Einen neuen Anlauf wagen

geschrieben von Interview: Andreas Siegmund-Schultze

2. Januar 2026

Gedenkinitiative erinnert an Lübecker Brandanschlag vor 30 Jahren

antifa: In den frühen Morgenstunden des 18. Januar 1996 brannte die Geflüchtetenunterkunft in der Hafenstraße 52 in Lübeck. Sieben Kinder und drei Erwachsene wurden dabei umgebracht. Wie erinnert ihr 30 Jahre nach dem Anschlag?

Betty Bass: Wir gehen davon aus, dass es sich um einen rassistischen Brandanschlag handelt und vier Neonazis aus dem benachbarten Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern) die Täter waren. Nach dem Anschlag hat sich in Lübeck aus der gesamten Unterstützer:innen-Szene heraus das Flüchtlingsforum gegründet. Aus diesem Kreis heraus haben Aktivist:innen in den letzten 29 Jahren die Gedenkarbeit organisiert, die Prozessbegleitung, die Unterstützung der Betroffenen und Überlebenden – etwa bei Fragen des Aufenthalts, bei der materiellen Absicherung oder generell bei politischer Solidarität.

Vor rund zehn Jahren gab es dann einen Einschnitt: Viele der Überlebenden und solidarischen Menschen waren enttäuscht und erschöpft. Damit begann auch ein Paradigmenwechsel. Wir haben uns mit İbrahim Arslan, der als Siebenjähriger den rassistischen Brandanschlag von Mölln überlebte, zusammengesetzt und darüber nachgedacht, welche Form der Gedenkarbeit politisch relevant ist.  Das Gedenken war in einen ritualisierten Ablauf geraten – jedes Jahr ähnliche Veranstaltungen am Tatort, zu denen wir die Stadt einluden, die ansonsten aber wenig tat. Wir wollten das verändern und stärker politisch arbeiten. Wir gründeten die Initiative Hafenstraße ’96. Zu unserer Arbeit gehören inzwischen viele Veranstaltungen. Einen neuen Anlauf wagen weiterlesen »

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