Rechte Wortmacht

geschrieben von Mareike Gronich

4. Mai 2026

Zur Kultur- und Literaturpolitik der extremen Rechten.

Wie ist es der extremen Rechten in den Jahren seit 2015 gelungen, ihre Deutungen der politischen Realität so wirkmächtig werden zu lassen, dass die Normalisierung ihrer Argumentationsmuster inzwischen weit fortgeschritten ist. Themen und Begriffe, die vor 15 Jahren klar dem Spektrum der extremen Rechten zugeordnet und weitgehend tabuisiert waren, finden sich heute wie selbstverständlich in der öffentlichen Debatte wieder. Die Wahlforschung bescheinigt einem größer werdenden Teil der Wähler*innenschaft der AfD eine inhaltliche Übereinstimmung mit den Zielen der Partei, wie der Rückabwicklung von Teilhabe und gesellschaftlicher Sichtbarkeit, von Diversität und geschlechtlicher Selbstbestimmung.

Am Beispiel des Begriffs »Remigration« lässt sich nicht nur lernen, wie die extreme Rechte mit Begriffen Politik macht. Der Fall zeigt auch, welche Bedeutung hegemoniepolitische Strategien für den Erfolg der extremen Rechten haben. »Remigration« wurde von der extremen Rechten als Kampfbegriff inhaltlich angeeignet, etabliert, und in den seit 2016 verstärkt geführten Diskurs um Migration eingespeist. Die »Identitäre Bewegung« (IB) etwa setzte ihn ein, um die Idee einer millionenfachen zwangsweisen Rückführung von Personen mit Migrationsgeschichte unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit zu plausibilisieren.

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Aus vollem Herzen

geschrieben von Christoph Leclaire

4. Mai 2026

Die Antifaschistin Eva Mamlok – jüdischer Widerstand gegen das NS-Regime

Die deutsch-jüdische Widerstandskämpferin Eva Mamlok war lange Zeit kaum bekannt. Erst eine vielbeachtete Ausstellung über sie im FHXB-Museum in Berlin im Sommer 2024 änderte dies. Bereits seit 2011 erinnert in Kreuzberg ein Stolperstein an sie, und demnächst soll dort auch der Platz am Ort ihrer ersten antifaschistischen Aktion nach ihr benannt werden. Anfang Mai dieses Jahres wurde sie sogar durch die Bundesrepublik mit einer Briefmarke in der Reihe »Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus« geehrt.

Eva Mamlok wurde am 6. Mai 1918 als zweite Tochter des jüdischen Weingroßhändlers Albert Mamlok und dessen Frau Martha (geb. Peiser) in Berlin geboren und wuchs im Stadtteil Kreuzberg auf. Schon in der Schule zeigte sie »Oppositionsgeist«, wie sie es später selbst beschrieb. Nach der Mittleren Reife auf dem Lyzeum begann sie eine Lehre als kaufmännische Angestellte. Schon früh war sie politisch aktiv und Mitglied in der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ). Nach deren Zerschlagung im Juni 1933 war sie im illegalen Widerstand. Aus vollem Herzen weiterlesen »

Leben für das Überleben

geschrieben von Bernhard Trautvetter

4. Mai 2026

Der Zeitzeuge Sally Perel – einst »Hitlerjunge Salomon«

Der jüdische Zeitzeuge Sally bzw. Salomon Perel, in der Zeit seiner Zugehörigkeit zur Hitlerjugend als Josef Perjell bekannt, wäre am 21. April dieses Jahres 101 Jahre alt geworden. Er wurde 97 Jahre alt – nachdem er die Nazizeit und den Holocaust dank seiner intuitiven Intelligenz, seines Mutes, einiger glücklicher Zufälle und auch dank eines »anderen Deutschlands«, in dem Solidarität wirkte, überlebt hatte.

Seine Botschaft ist gerade heute so wichtig wie einst: In den letzten Jahrzehnten seines Lebens ging er immer wieder in Schulen, um bei jungen Menschen und Lehrkräften die Kraft für ein friedliches Miteinander, Menschlichkeit und damit für den Frieden zu stärken. Als Mensch, der unter der Judenverfolgung auf ungewöhnliche Weise litt, gewann er die Herzen seiner Zuhörerinnen und Zuhörer – unabhängig davon, ob diese christlich, muslimisch, atheistisch oder aus unterschiedlichen kulturellen Hintergründen kamen. Leben für das Überleben weiterlesen »

Verfassung verteidigt

geschrieben von Filippo Giuffrida

4. Mai 2026

Italiens Antifaschisten und Gewerkschaften setzen sich gegen Meloni durch

Die italienischen Antifaschisten, insbesondere die Nationale Vereinigung italienischer Partisanen (ANPI), haben sich in den letzten Wochen als Gegner der von der Meloni-Regierung geplanten Verfassungsreform der Justiz hervorgetan. Der Widerstand gründete sich nicht nur auf rechtliche Kritik, sondern auf ein umfassenderes historisches und politisches Gebot: die Wahrung des verfassungsrechtlichen Gleichgewichts, das während der Resistenza und nach dem Sturz des Faschismus geschaffen wurde.

Diese Reform, die von der rechten Regierung von Giorgia Meloni als unerlässlich für die Verbesserung der Effizienz und Unparteilichkeit des Justizsystems angepriesen wurde, konzentrierte sich in erster Linie auf die Trennung der Laufbahnen von Staatsanwälten und Richtern, die Neugestaltung des Obersten Justizrats (CSM) und die Einführung neuer Disziplinarvorschriften. Die Befürworter argumentierten, dass diese Änderungen den Grundsatz fairer Verfahren stärken, eine übermäßige Machtkonzentration innerhalb der Justiz verhindern und Italien an europäische Normen anpassen würden, bei denen die Rollen klar voneinander getrennt sind. Verfassung verteidigt weiterlesen »

Kampf muss weitergehen

geschrieben von Ulrich Schneider und Regina Girod

4. Mai 2026

Herausforderungen für die Zukunft der FIR

In den 75 Jahren ihres Bestehens haben die Fédération Internationale des Résistants (FIR, Internationale Föderation der Widerstandskämpfer) und ihre Mitgliedsverbände mehrfach existentielle Umbrüche erlebt. Angesichts der weltgeschichtlichen Veränderungen, die sich in diesem Dreivierteljahrhundert vollzogen, lohnt es, nach den Gründen zu fragen, die das lange Fortbestehen der Organisation erforderten und ermöglichten. Kampf muss weitergehen weiterlesen »

Erinnern oder verherrlichen?

geschrieben von Ney Sommerfeld und Ivo Stern

4. Mai 2026

SS-Gedenken, Geschichtsdeutung und Neonazis: Eindrücke vom 16. März in Riga

Trüb und grau ist der Montagmorgen des 16. März 2026 rund um die St.-Johannes-Kirche in der Rigaer Innenstadt. Tröpfchenweise kommen Menschen mit Blumen an, um am Gottesdienst teilzunehmen. Empfangen werden sie von einem Dutzend älterer Männer in Camouflage, die den Eingang der Kirche sichern, sowie von der Polizei, die den Platz überwacht – teils uniformiert, teils vermummt, mit Hunden und in Zivil. Rechte Politiker*innen schütteln Hände, ein paar junge Neonazis beobachten das Geschehen aus einem Torbogen. Die Stimmung ist angespannt.

Die Bänke in der Kirche füllen sich langsam. Mittig vor dem Altar, gut sichtbar für alle, sind Fahnen von baltischen Waffen-SS-Einheiten drapiert. Nach einer kurzen Begrüßung spricht der Pastor über die Geschichte Lettlands als Schicksal eines Volkes, das durch gemeinsame Erfahrungen von Leid und Verlust verbunden sei. Der 16. März erscheint dabei nicht nur als Gedenktag der Legion, sondern als ein Tag, der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft. Erinnern oder verherrlichen? weiterlesen »

Spaniens Himmel

geschrieben von Rosita Mergen

4. Mai 2026

Vor 90 Jahren: »¡No Pasarán!« – ein unvergessenes Kapitel der Solidarität

Vor 90 Jahren, am 17./18. Juli 1936, putschte General Francisco Franco gegen die Volksfront-Regierung in Spanien. Was Historiker heute als erste Schlacht des Zweiten Weltkriegs bezeichnen, wurde zur größten internationalen Solidaritätsaktion der Geschichte, an die Antifaschistinnen und Antifaschisten weltweit erinnern.

Am 18. Juli 1936 rief die kommunistische Abgeordnete Dolores Ibárruri, »La Pasionaria«, im Radio zum entschlossenen Widerstand auf, um Madrid vor Francos Truppen zu schützen. Ihr legendärer Kampfruf »¡No Pasarán!« (Sie werden nicht durchkommen!) ist bis heute im Gedächtnis Europas bewahrt.

Denn nicht nur Spanierinnen und Spanier, sondern auch 32.165 Kämpfer (darunter 2.212 Deutsche) folgten dem Ruf der Kommunistischen Internationale, gegen die Putschisten zu kämpfen. Die ersten internationalen Milizionäre waren vornehmlich Teilnehmer der Volksolympiade (Olimpiada Popular) in Barcelona und Emigranten mit politischem Hintergrund, die in Spanien lebten. Es waren an die 300 internationalen Milizionäre, die sich nach dem Militärputsch vor allem in Barcelona in Gruppen organisierten, unter anderem in »Grupo Thaelmann« und »Carlos Marx«. Sie bildeten zusammen mit den ersten Freiwilligen, die über Frankreich nach Spanien kamen, internationale Milizgruppen, die später Einheiten der Internationalen Brigaden wurden. Spaniens Himmel weiterlesen »

Erfolge, Fehler und Widersprüche

geschrieben von Günter Wehner

4. Mai 2026

Eine weitere Thälmann-Biografie

Der Autor Ronald Friedmann hat sich der schwierigen Aufgabe gestellt, eine ausgewogene Thälmann-Biografie zu schreiben. Er gliedert sein Buch weitgehend chronologisch in umfangreiche Abschnitte und fügt zum besseren Verständnis fünf Exkurse hinzu.

In der Einleitung schreibt der Autor, dass mit dem Wirken Ernst Thälmanns der deutsche Parteikommunismus entscheidend geprägt wurde. Mit seinem Namen sind die politischen Erfolge der Partei in der Weimarer Republik, aber auch die Fehler der KPD verbunden. Dennoch resümiert er, dass Thälmann nicht allein die Schuld am Scheitern der KPD trägt, da er und die Partei fest in die Kommunistische Internationale eingebunden waren. Friedmann erläutert, dass die Biografie Antworten auf zahlreiche offene Fragen zur Geschichte der KPD und der Weimarer Republik geben kann. Erfolge, Fehler und Widersprüche weiterlesen »

Bauhaus und die Nazis

geschrieben von Bernd Hüttner

4. Mai 2026

Im Spannungsfeld von Anpassung, Widerstand und Kollaboration

Die neue Studie der renommierten Bauhaus-Forscher:innen Anke Blümm, Elizabeth Otto und Patrick Rössler widmet sich einem ebenso komplexen wie lange Zeit nur unzureichend beleuchteten Kapitel der Kunstgeschichte und ihrer Historiografie¹. In 16 Beiträgen untersucht sie das Verhältnis des Bauhauses zum deutschen Faschismus. Sieben Beiträge befassen sich mit den »rechtsnationalen Gegnern« des Bauhauses, weitere sieben mit der »Bauhaus-Community unter dem Nationalsozialismus«, also den Lebenswegen (ehemaliger) Mitglieder nach der Machtübertragung an die Nazis 1933. Alle Beiträge stellen indirekt die zentrale Frage nach Anpassung, Widerstand und individueller Verantwortung.

Den Autor:innen gelingt es, ein differenziertes Bild der Bauhäusler:innen zu zeichnen, das sich bewusst vorschnellen moralischen Urteilen entzieht. Statt die Akteur:innen pauschal als Opfer oder Mitläufer:innen einzuordnen, arbeiten sie die Vielschichtigkeit ihrer Entscheidungen heraus. Einige emigrierten früh und setzten ihre Arbeit im Exil fort, andere versuchten, Widerstand gegen die Nazis zu leisten, etliche arrangierten sich mit dem System, während wenige aktiv in den Strukturen des NS-Staates Karriere machten. Diese Bandbreite verdeutlicht, dass es »die« Bauhaus-Reaktion auf den deutschen Faschismus nicht gab. Vielmehr muss der – nicht zuletzt von Walter Gropius (1883–1969), dem ersten Bauhausdirektor, gezielt konstruierte – Mythos vom »guten« Bauhaus, das ins Exil gezwungen wurde und seine Ideen von dort aus in die Welt trug, kritisch hinterfragt werden. Bauhaus und die Nazis weiterlesen »

Haftort des Terrors

geschrieben von Ulrich Schneider

4. Mai 2026

»Oranjehotel« – Gedenkstätte erinnert an NS-Verbrechen in den Niederlanden

Was in den Niederlanden in Anlehnung an das Haus Oranje königlich klingt, war in Wirklichkeit eine der brutalsten Haftstätten während der deutschen Okkupation. In den Jahren 1940 bis 1945 wurden im Oranjehotel Tausende eingekerkert. Sie wurden hier verhört und gefoltert, bevor sie entweder in ein Deportationslager verbracht, vor Gericht gestellt und abgeurteilt oder in der Nähe dieser Haftanstalt hingerichtet wurden. Wie in anderen Ländern auch übernahmen die deutschen Besatzer vorhandene Strafanstalten und andere kasernierte Gebäudekomplexe, um politische Gegner und andere Verfolgte einsperren zu können, wenn man sie verhören oder zur Deportation in deutsche Lager bringen wollte.

Im Katalog der Gedenkstätte heißt es: »Zwischen 1940 und 1945 sitzen mehr als 25.000 Menschen im Oranjehotel gefangen. Das sind Menschen aus allen Schichten der Bevölkerung: Militärangehörige, Studenten, Arbeiter, Künstler, Beamte, Politiker, Geistliche, Männer und Frauen und sogar Kinder. Sie stammen aus dem ganzen Land. (…) Die meisten Gefangenen wurden wegen Widerstands oder Formen bürgerlichen Ungehorsams verhaftet.« Haftort des Terrors weiterlesen »

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