75 Jahre FIR

geschrieben von Ulrich Schneider

2. Januar 2026

Geschichte der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer

Ende Juni 2026 feiert die FIR1 in Wien mit einem Festakt ihr 75jähriges Bestehen. Das ist – angesichts der politischen Herausforderungen und Umbrüche, die sie bewältigen musste – schon eine beeindruckende Zeit. Aber die FIR war nicht die erste Organisation der Überlebenden und ehemaligen politischen Gefangenen der Konzentrationslager und Gefängnisse des faschistischen Deutschlands.

Schon 1945 trafen sich die ersten europäischen Verfolgtenverbände in Warschau und gründeten die FIAPP2. Hervorzuheben ist, dass bereits 1948 die VVN gleichberechtigtes Mitglied in diesem Dachverband der NS-Verfolgten und Nazigegner wurde, während in anderen internationalen Gremien deutsche Verbände noch ausgeschlossen waren. Die in den Lagern und im antifaschistischen Kampf entstandene Gemeinsamkeit wurde jedoch durch Kalten Krieg und politische Verwerfungen schon bald so sehr belastet, dass – vor dem Hintergrund der zunehmenden Kriegsgefahr – ein organisatorischer Neuanfang notwendig erschien. Auf einem – von der FIAPP vorbereiteten – »Friedenskongress der internationalen antifaschistischen Bewegung« erfolgte im Juni 1951 die Neugründung der FIR. Sie verband ehemalige Widerstandskämpfer, Deportierte, NS-Gegner und Aktive unterschiedlicher politischer Richtungen aus Ost und West. Der Sitz der FIR wurde in Wien eingerichtet. 75 Jahre FIR weiterlesen »

Franco und sein Erbe

geschrieben von Carmela Negrete

2. Januar 2026

Deutsch-spanische Deals und das Wiederaufleben autoritärer Strukturen

50 Jahre nach dem Tod des spanischen Diktators Franco hat das Land weiterhin ungelöste Konflikte mit seiner autoritären Vergangenheit. An dieser historischen Hypothek trägt auch das als »Weltmeister« des historischen Andenkens geltende Deutschland eine wesentliche Mitverantwortung: nicht nur, weil die franquistische Diktatur ohne die militärische Hilfe Hitlers und der Legion Condor kaum denkbar gewesen wäre, sondern auch, weil deutsche Politiker das Regime später politisch hofierten und es als Bollwerk gegen den Kommunismus legitimierten. Über Jahrzehnte hinweg wurde der Franquismus zu einem festen Bestandteil des politischen und ideologischen Gefüges Westeuropas im Kalten Krieg. Spanien öffnete sich für NATO-Stützpunkte, pflegte enge Beziehungen zu westlichen Geheimdiensten und weist bis heute nicht vollständig aufgeklärte Verbindungen zu den Stay-behind-Strukturen (Gladio) sowie zu deren Rolle im Kontext staatlichen Terrors auf. Franco und sein Erbe weiterlesen »

Seismograf der Stimmung

geschrieben von Axel Holz

2. Januar 2026

Mitte-Studie: Nationalchauvinismus und Grauzonen nehmen zu

Die Mehrheit der Menschen in Deutschland ist demokratisch eingestellt und äußert Sorgen über die wachsende Gefahr von rechts. Das zeigt sich in der neuesten Mitte-Studie 2024/25 mit dem Titel »Die angespannte Mitte«, die seit über 20 Jahren von der Friedrich-Ebert-Stiftung herausgegeben wird. Sie ist ein Seismograf für demokratische und antidemokratische Stimmungen im Land. Die neueste Studie entstand unter der Leitung von Prof. Andreas Zick von der Universität Bielefeld. Seismograf der Stimmung weiterlesen »

Zwischen Tel Aviv und Teheran

geschrieben von Harry Friebel

2. Januar 2026

Wie zwei Menschen aus offiziell verfeindeten Staaten Freundschaft und Hoffnung finden

Die deutsch-israelische Jüdin Katharina Höftmann Ciobotaru (im Buch »Nina«) und der iranische Muslim Sohrab Shahname – ein Pseudonym (im Buch »Sohrab«) haben 2024 zwischen Tel Aviv und Teheran einen intensiven E-Mail-Austausch und lassen uns im Buch mitlesen.

Beide berichten über ihre individuellen Alltagserfahrungen, ihre jeweiligen soziokulturellen Kontakte und tauschen sich über komplexe Politiken aus. Der Schriftwechsel ist intim und politisch zugleich. Es werden persönliche Verständigungsbrücken zwischen den politisch verfeindeten Staaten Israel und Iran aufgebaut. Zwischen Tel Aviv und Teheran weiterlesen »

Genug Erinnern für alle

geschrieben von Bernd Hüttner

2. Januar 2026

Wie muss sich das Gedenken an den Holocaust verändern?

Susanne Siegert plädiert dafür, dass sich antifaschistische Erinnerungskultur verändern muss. Zum einen wegen des schon viel beschriebenen Verlusts der Zeitzeug*innen und zum anderen, genauso wichtig, wegen der veränderten Nutzung von Medien. Gleichzeitig bietet die allumfassende Digitalisierung heute auch völlig neue Möglichkeiten der Recherche wie der Präsentation von deren Ergebnissen.

Erinnerungskultur also, aber anders. Wie, dazu hat sie selbst reichlich Erfahrung. Die 1992 in -Bayern geborene Journalistin recherchiert aufwendig online und publiziert dann die Ergebnisse. Begonnen hat alles mit »Mühldorfer Hart«, einem vergessenen Außenlager des KZ Dachau nahe ihrem Wohnort. Genug Erinnern für alle weiterlesen »

Mutterschaft als Anforderung

geschrieben von Peps Gutsche

2. Januar 2026

Bettina Wilperts neues Buch über Körperlichkeit, Identität und Zwänge

Die Autorin Bettina Wilpert hat bereits in ihren Romanen »Nichts, was uns passiert« und »Herumtreiberinnen« feministische Perspektiven auf Weiblichkeitsanforderungen in linken bis links-liberalen Milieus nachgezeichnet. Mit »Die bärtige Frau« folgt eine radikale Auseinandersetzung mit der Frage von weiblichen Körpern, Geschlechterkonstruktion, Gebären und Mutterschaft. Mutterschaft als Anforderung weiterlesen »

Überleben im Dunkel

geschrieben von Gabi Bauer und Peter Piro

2. Januar 2026

Bela Winkensʼ Weg durch die Vergangenheit

In »Brief an die Mutter« schreibt Bela Winkens an ihre Mutter, die im KZ Auschwitz ermordet wurde und die sie nie wirklich kennenlernen konnte. Winkens erzählt ihr von ihrer Kindheit, ihren Erinnerungen an das KZ Theresienstadt, das sie als Vierjährige überlebte, und wie sie als Überlebende mit dem Schmerz und der Trauer im Laufe ihres Lebens umzugehen versucht hat. Überleben im Dunkel weiterlesen »

Unbeugsame Haltung

geschrieben von Janka Kluge

2. Januar 2026

Vor 90 Jahren: Friedensnobelpreis für Carl von Ossietzky

Die Verleihung des Friedensnobelpreises ist immer auch ein politisches Statement. Der Preis wurde erstmals 1901 nach dem Tod des Stifters Alfred Nobel verliehen. Laut Satzung soll damit die Person oder Organisation ausgezeichnet werden, die »am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt« hat.

Carl von Ossietzky war einer der streitbarsten Journalisten und Redakteure der Weimarer Republik. Er kam 1889 in Hamburg zur Welt. Nach der Schule ging er in den Justizdienst und wurde 1910 in das Grundbuchamt versetzt. Bereits 1908 wurde er Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft und der Demokratischen Gesellschaft. Ab 1911 veröffentlichte er Artikel in der Wochenzeitung Das freie Wort. 1914 wurde er zum ersten Mal wegen eines antimilitaristischen Artikels zu einer Geldstrafe von 200 Mark verurteilt. Im Ersten Weltkrieg war er zunächst als kriegsuntauglich ausgemustert worden. Weil es für einen antimilitaristischen Journalisten kaum noch Möglichkeiten zur Veröffentlichung gab, ging er in den Justizdienst zurück. Im Sommer 1916 wurde er doch noch eingezogen und kam an die Westfront. Unbeugsame Haltung weiterlesen »

Hamburgs Roter Widerstand

geschrieben von Peter Nowak

2. Januar 2026

Ein historischer Roman über kommunistische Gegenwehr an der Alster

Mehr als 35.000 Menschen versammelten sich am 21. März 1931 in Winterhude im Norden Hamburgs, um Ernst Henning das letzte Geleit zu geben. Es war auch ein Massenprotest gegen den NS-Terror. Denn der Metallgewerkschafter war in Hamburg bekannter Politiker der KPD und beteiligte sich auch im Rotfrontkämpferbund am Kampf gegen den aufkommenden NS-Faschismus.

Am 14. März 1931 wurde Henning in einem Bus auf dem Rückweg von einer KPD-Versammlung von SA-Männern erschossen. Sein Begleiter wurde schwer verletzt und verlor ein Auge. Eine Berufsschullehrerin, die zufällig auch im Bus saß, wurde ebenfalls durch die Schüsse verwundet. Die faschistische Mordtat sorgte damals wegen ihrer Brutalität für große Empörung. Hamburgs Roter Widerstand weiterlesen »

Germanen neu erzählt

geschrieben von Mathias Wörsching

2. Januar 2026

Mythenkritisches Buch über deutsche Vorgeschichte

»Die Germanen« als Mythos und Konstrukt sind in allen Spielarten des deutschen Nationalismus bis hin zum Nazismus ein wichtiger Teil der jeweiligen Geschichtserzählungen. Die sich im 19. und frühen 20. Jahrhundert als Wissenschaft herausbildende Ur- und Frühgeschichtsarchäologie ging mit verfestigten nationalistischen Deutungsmustern an die Bodenfunde und baute sie ins bestehende Germanenbild ein, während sie gleichzeitig viel neues, über die Schriftquellen hinausgehendes Wissen zusammentrug.

Das nationalistisch geprägte Germanenbild ist in Deutschland kulturell tief verwurzelt. Während die moderne Wissenschaft dieses Bild nach 1945 zunehmend hinterfragte und auseinandernahm, bis so gut wie nichts mehr davon übrig blieb, wirkt es unterhalb der akademischen Schwelle mächtig weiter auf ein großes Publikum – in populärwissenschaftlichen Werken und in Kinderbüchern, Filmen, Comics und Romanen, auf Mittelaltermärkten und in der Reenactment1-Szene. Germanen neu erzählt weiterlesen »

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