Warum es die Antifa braucht
4. Mai 2026
Interviews einer weltweiten Bewegung
Die linke Wochenzeitung WOZ aus der Schweiz bringt sechsmal im Jahr das Magazin wobei heraus. Die aktuelle Ausgabe »No pasarán – Warum es die Antifa braucht« befasst sich mit Herausforderungen, Praxen und Perspektiven der antifaschistischen Bewegung. Die Herausgebenden reisten dafür von Madrid (Spanien) über Reggio Emilia (Italien), Brüssel (Belgien) und Berlin (Deutschland) bis nach Budapest (Ungarn), um mit antifaschistischen Aktivist*innen ins Gespräch zu kommen. Historische Rückblicke auf die über 100-jährige Geschichte der Bewegung werden dabei nicht isoliert betrachtet, sondern jeweils in Beziehung gesetzt mit den Perspektiven aktueller antifaschistischer Strukturen.
Gerahmt wird dieser Hauptteil von kurzen Interviews mit Aktivist*innen aus Russland, Indonesien, Schweiz, Südafrika und Brasilien. Dass all dies auf gerade einmal 30 Seiten nur schlaglichtartig beleuchtet werden kann, dürfte nicht überraschen und regt im besten Fall zur weiteren Beschäftigung an. Doch auch ohne vertiefende Analyse tragen die Interviews dazu bei, Antifaschismus als globales Phänomen sichtbarer zu machen. Die jeweils skizzierten Erfahrungen und länderspezifischen Herausforderungen laden – im Sinne einer Reflexion der antifaschistischen Praxis – dazu ein, die Vielfältigkeit und gemeinsamen Grundlagen der Bewegung wieder stärker hervorzuheben.

Die Texte sind (demnächst) online hier verfügbar: woz.ch/wobei/26-2
Im Mittelpunkt stand und steht für das Gros der interviewten Aktivist*innen der Abwehrkampf gegen extrem rechte Strukturen. Ein Mitglied der Gruppe C.H.A.M.A. Antifa aus Brasilien resümiert entsprechend: »Antifaschismus heisst für uns vor allem, uns zu organisieren sowie Strategien und Taktiken zu entwickeln, um Faschismus entgegenzutreten.« Von Berlin und Moskau bis nach Madrid und Bandung umfasste dies gerade Ende der 1990er-/Anfang der 2000er-Jahre durchaus auch eine notwendige militante Perspektive. Damit verbunden waren immer wieder auch mehr oder weniger nachhaltige Erfolge. »›Wir waren jung, und wir waren nicht viele‹, erzählt Martin [Mitglied der Coordinadora Antifascista de Madrid]. ›Aber wir waren mutig.‹ Schliesslich hätten die Neonazis tatsächlich an Präsenz verloren und sich bald nicht mehr getraut, offen faschistische Symbole zu tragen. ›Sie hatten Angst vor unserer Reaktion.‹ Heute können sich Aktivist*innen in ihrer Nachbarschaft engagieren, ohne Gefahr zu laufen, von Rechten attackiert zu werden.«
Militanter Antifaschismus wird jedoch keinesfalls verklärt, sondern vielmehr als eine Praxis reflektiert, die insbesondere aufgrund anhaltender staatlicher Repression und zunehmend gesellschaftlicher Verankerung extrem rechter Inhalte und Strukturen an ihre Grenzen kommt. Die Frage danach, welche Konsequenzen daraus gezogen werden können, bleibt jedoch weitgehend unbeantwortet. Dass die antifaschistische Bewegung weiterhin notwendig ist wird mehr als deutlich, wie sie wieder erfolgreicher agieren kann, ist wahrscheinlich auch der Kreativität und dem Engagement der Leser*innen überlassen. Anlässe und Möglichkeiten gibt es genug.



























