Busch geht immer?

geschrieben von
Ingrid Pietrzynski

5. September 2013

Der Barrikadentauber und das Echo der Nachgeborenen

Mai-Juni 2010

AUSSTELLUNG

6. Mai 2010, 18.00 Uhr Eröffnung der Ronald Paris-Ausstellung »Für Ernst Busch«. Porträts von Ernst Busch, Hanns Eisler, Creszentia Mühsam, Helene Weigel, Inge Keller, Fred Düren, Ernst Schumacher und anderen. Helle Panke e.V., Kopenhagener Straße 9, 10437 Berlin

KONZERT

27. Mai 2010, 18.30 Uhr »Für Ernst Busch«. Hilmar Thate singt Brecht und Eisler. Alt-Biesdorf 55, 12683 Berlin. Eintritt: 10 Euro, erm. 7 Euro

ERNST BUSCH FEST

29. Mai 2010, ab 11 Uhr

Kulturforum Hellersdorf, Carola-Neher-Straße 1, 12619 Berlin

Schirmherrin: Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle u.a. mit Inge Keller, Klaus, dem Geiger, Gina Pietsch, Reinhold Andert, Diether Dehm, Nümmes Straßenrock, dem Ernst-Busch-Chor Berlin, Lennard Körber, Studenten der Schauspielschule Ernst Busch, Dr. Seltsam, Detlev K., dem Bremer Eisler Ensemble, Die Kranken Schwestern, Der Singende Tresen, Sebastian Lohse, Kinderprogrammen, Filmvorführungen, Ausstellung, Gesprächsrunde, Info-, Buch- und CD-Verkaufsständen. Eintritt: 10 Euro, erm. 8 Euro

ERNST BUSCH MATINEE

30. Mai 2010, ab 10.30 Uhr

Münzenbergsaal, Franz- Mehring-Platz 1, 10243 Berlin u.a. mit dem Ernst-Busch-Chor, Berlin, Konzertchor der Berliner Pädagogen, Hans Beimler Chor, Schalmeien-Orchester »Fritz Weineck«, Manfred Wekwerth und Renate Richter, Stefan Koerbel und Michael Letz, Wolfgang Helfritsch, Die Chansonettas. Eintritt: 3 Euro, erm. 7 Euro

KONZERT EWO2

das kleine elektronische weltorchester 30. Mai 2010, 16:30 Uhr, Münzenbergsaal, Eintritt: 10 Euro, erm. 8 Euro

Konto 1279282015, BLZ 100 900 00 bei der Berliner Volksbank eG, Kontoinhaber Freundeskreis Ernst Busch e.V., Kennwort »Busch 2010«, bitte Name und Anschrift angeben.

Freche Buben im Berliner Ensemble – Claus Peymann lässt eine Wilhelm-Busch-Revue über die Bühne gehen. Denn der Max-und-Moritz-Erfinder geht immer. Auch 178 Jahre nach dessen Geburt und 102 Jahre nach seinem Tod. Wie schön, dass das Berliner Ensemble die allgegenwärtige Kalender-Dramaturgie zu runden Geburtstagen und Jahrestagen durchbricht. Mutig! Busch geht immer. Ist nett. Und tut keinem weh.

Da kann man nicht erwarten, dass ein anderer Busch Platz findet auf den Brettern dieses Theaters. Schon weil sich sein Geburtstag in diesem Jahr zum 110. Mal jährt. Zum 30. sein Tod von 1980. Selbst wenn dieser Große der deutschen Schauspielkunst einstmals im Berliner Ensemble unvergessliche Theaterabende bescherte. Auch dass er weit über Theater und Film hinaus als großartiger Sänger politischer Lieder Millionen von Menschen begeisterte, ist den Nachgeborenen im Berliner Ensemble offenbar kein Anlass, seiner zu gedenken. Weder mit Nachsicht noch mit Engagement.

Ernst Busch. Kein Ort? Nirgends in diesem Jahr? Doch. Der Freundeskreis Ernst Busch e.V. veranstaltet im Mai 2010 Ernst Busch Tage in Berlin. Und schafft damit Gegen-Öffentlichkeit für linke Musikkultur. Unter dem Motto »Echo der Nachgeborenen« hat ein kleines, rühriges Team um Carola Schramm Künstler gewonnen, nicht nur an den »Barrikadentauber« zu erinnern, sondern auch ihre Sicht auf die Gegenwart darzubieten. Offen für alle musikalischen Genres. Chöre, Liedermacher, Musik-Bands, Kabarettisten, gestandene und junge Künstler werden auftreten. Aus Berlin, Dresden, Bremen, Köln oder Mannheim. Fast selbstverständlich: Brecht, Tucholsky oder Eisler werden gegenwärtig sein in diesen Tagen zu Ehren eines ihrer wichtigsten, kongenialsten Interpreten. Und: Eine andere Große der deutschen Schauspielkunst hat die Schirmherrschaft über die Ernst Busch Tage übernommen: Inge Keller. Sie alle wollen beweisen: Ernst Busch geht heute, mehr denn je! Apropos Berliner Ensemble: Dort stehen einige Brecht-Stücke auf dem Spielplan. Auch solche, in denen Ernst Busch brillierte. Immerhin.

Mit viel Enthusiasmus und ehrenamtlichem Engagement trotzen die Veranstalter den etablierten Kulturinstitutionen, die ihnen ihre Türen nicht öffneten. Fast folgerichtig heutzutage: Das Budget für die Ernst Busch Tage ist sehr knapp. Auch wenn die Künstler solidarische Honorare akzeptieren, verursachen die Veranstaltungen ja weitere Kosten. Der finanzkräftige Hauptstadt-Kulturfonds hat den Sponsoring-Antrag der Veranstalter rundherum abgelehnt. Kein Geld für Busch-Nachgeborene in der deutschen Hauptstadt im Jahr 2010. Deshalb die Bitte der Veranstalter: Besuchen Sie nicht nur die Konzerte, sondern unterstützen Sie sie auch durch Spenden finanziell!