AfD-Erfolge verhindern
2. Januar 2026
Christian Schneider von »Aufstehen gegen Rassismus« zum Wahljahr 2026
antifa: 2026 stehen in acht Bundesländern Wahlen bevor. Aktuelle Umfragen sehen die AfD zwischen 20 (Bayern) und 40 Prozent (Sachsen-Anhalt). »Aufstehen gegen Rassismus« (AgR) will in die Wahlkämpfe intervenieren, um die AfD-Ergebnisse zu drücken. Was habt ihr vor?
Christian: Im Gegensatz zu Parteien, die Wahlkampf für ihr Programm und ihr Personal machen, werden wir mit vielen anderen gegen die AfD, ihre Forderungen und ihr Personal arbeiten. Wir werden aufklären, Menschen befähigen, gegen die AfD aktiv zu werden, und auch Bündnisse für die Zeit nach der Wahl schmieden. Letztlich wollen wir die AfD aus den Parlamenten vertreiben und mögliche Fraktionsbildungen, Zählgemeinschaften und was es sonst noch alles Gruseliges auf kommunaler Ebene mit ihnen gibt, verhindern. Allen anderen Parteien muss klar werden, dass die Zusammenarbeit mit der AfD nicht in Frage kommt, auch wenn sie viele Wähler*innen von sich überzeugen kann. Gleichzeitig wollen wir unsere Forderung nach einem AfD-Verbot weiter ins Bewusstsein rücken.
antifa: Aufklären, Material erstellen, Schulungen durchführen, AfD-Verbot – das macht ihr auch sonst seit zehn Jahren. Was ist anders in Wahlkampfzeiten?
Christian: Die öffentliche Aufmerksamkeit ist viel höher, die Zeit ist gefühlt immer knapp, und wir müssen sehr flexibel sein. Um uns auf die Kommunalwahlen in Bayern vorzubereiten, haben wir zusammengetragen, was es im Freistaat außer den sechs AgR-Ortsgruppen und VVN-BdA-Strukturen noch so gibt. Also alles, was sich insbesondere nach der Correctiv-Recherche gegründet hat, was irgendwie Buntes …, Weltoffenes …, Demokratisches … heißt, wurde durch uns angeschrieben. Auch unsere regulären Bündnispartner*innen, die in der Fläche gut aufgestellt sind – also Parteien, Gewerkschaften, Jugendorganisationen, Omas gegen Rechts und Antifagruppen – wurden frühzeitig eingeladen. Wir haben Unterstützungsangebote gemacht mit dem, was wir gut können: Vernetzung, Material, Workshops, Mobilisierung und Social-Media-Trainings. Hinzu kam das Angebot der Linken, ihre Erfahrungen aus Haustürgesprächen mit zu integrieren. Aktuell haben wir schon in rund der Hälfte der 70 Landkreise gute Kontakte, die selbstständig aktiv sind. E-Mail-Verteiler wurden eingerichtet, Onlinetreffen fanden statt, und so bildet sich eine Strategie heraus, die auf die lokalen Besonderheiten angepasst werden kann.
antifa: Laut dem Rechercheprojekt a.i.d.a aus München hat die AfD bei den Kommunalwahlen 2020 fast 2.000 Kandidat*innen für unterschiedliche Gremien antreten lassen. Knapp 40.000 Mandate sind insgesamt zu vergeben. Wie wollt ihr dazu effektiv aufklären?
Christian: Dafür wird es eine Website geben, die für jeden Landkreis Hintergrundinfos zur Politik und den lokalen AfD-Kandidat*innen bereithalten soll. Diese müssen aber von den Aktiven vor Ort kommen. Als AgR werden wir was zum Programm der bayerischen AfD machen; es gibt auch eine hervorragende Studie zu den Reden der AfD-Abgeordneten im Landtag. Aber zur konkreten Gefahr in diesem oder jenem Ort durch diesen oder jenen Kandidaten können nur diejenigen etwas sagen, die damit konfrontiert sind. Nur lokal ist bekannt, welcher AfD-Kandidat welche Verbindungen zum neofaschistischen Vorfeld hat. Und an diese Leute müssen wir ran und sie in dieser Konfrontation unterstützen.
Wir wissen zudem aus den Studien zur Löchrigkeit der sogenannten Brandmauer, dass kommunale und vor allem ländliche Strukturen anfälliger für die Zusammenarbeit mit der AfD sind. Auch wenn die CSU nicht müde wird zu betonen, dass eine Kooperation ausgeschlossen ist, findet derlei trotzdem auf Gemeinde-Ebene statt. Umso genauer müssen wir hinschauen und vor dieser Normalisierung warnen. Um das wirklich gut zu machen, braucht es eine strukturierte Erfassung der Situation in den kommunalen Gremien. Die Vernetzung, die wir da gerade initiiert haben, wird uns dabei helfen.
antifa: Welche Rolle kann Aufstehen gegen Rassismus spielen?
Christian: Wir bieten die bundesweite Klammer und können Anti-AfD-Wahlkämpfe in einem bayerischen Landkreis mit einem in Hessen oder Niedersachsen verbinden. Die Vernetzung kann dafür sorgen, dass gute Konzepte, Material und lokale Strategien woanders übertragen werden können. Dafür braucht es natürlich mehr als nur E-Mail-Verteiler, und daran arbeiten wir gerade. In der Geschäftsstelle sind wir aktuell mit sechs Teilzeitstellen, die auch noch die reguläre Arbeit machen. Deshalb sind wir 2026 noch mehr als sonst auf ehrenamtliche Strukturen angewiesen. Auch die Finanzierung wird eine Herausforderung – das ist eine simple Rechenaufgabe. Für die Kommunalwahl in NRW haben wir beispielsweise 15.000 Flyer und Broschüren gedruckt und verteilt (weil wir auch spät dran waren). Allein in Bayern steigen wir schon mal mit 50.000 Flyern ein. Das Budget wird dieses Jahr mit acht Wahlen also sehr strapaziert, und Spenden sind dringend nötig, um den Kurs gegen die AfD halten zu können.
Christian Schneider ist in der Geschäftsstelle von »Aufstehen gegen Rassismus« (AgR) in Berlin beschäftigt und dessen Bundesgeschäftsführer.
Wahltermine 2026
– 8. 3.: Bayern (Kommunalwahlen/KW), Baden-Württemberg (Landtagswahl/LTW)
– 15. 3.: Hessen (KW)
– 22. 3.: Rheinland-Pfalz (LTW)
– 6. 9.: Sachsen-Anhalt (LTW)
– 13. 9.: Niedersachsen (KW)
– 20. 9.: Berlin (Abgeordnetenhaus, Bezirksverordnetenversammlungen) und Mecklenburg-Vorpommern (LTW)
Studien zur »Brandmauer«
– »Brandmauer – still alive!« (2019–2024), WZB-Berlin
– »Hält die Brandmauer?« (2019–2023), Rosa-Luxemburg-Stiftung
Zum Weiterlesen:
– »Aus Worten werden Taten – Aussagen im Bayerischen Landtag 2018–2023«, Grüne Fraktion im Landtag
AgR spenden: Vereinig. d. Verfolgten des Nazi-regimes (VVN-BdA) e. V.
IBAN: DE 90 4306 0967 1214 8918 00
Betreff: AgR – Spenden gegen die AfD
Ergebnisse lokaler Recherchen lassen sich hier einsehen und ergänzen: www.aufstehen-gegen-rassismus.de/bayern-kommunalwahl-2026


























