Bisher unbestraft

2. Januar 2026

NSU-Prozess gegen Susann Eminger und weiter Kritik der Betroffenen

Vor dem Oberlandesgericht Dresden läuft seit Anfang November 2025 ein weiterer Prozess im NSU-Komplex. Angeklagt ist diesmal Susann Eminger (44), eine langjährige Vertraute der verurteilten Beate Zschäpe. Wie schon ihr Mann André Eminger (bereits zu 2,5 Jahren Haft verurteilt) soll auch sie den NSU beim Leben unter falschen Identitäten unterstützt haben. Dazu zählen das Bereitstellen der eigenen Krankenkassenkarte und Personalien sowie die Beteiligung an der Abholung eines Wohnmobils, das der NSU beim letzten Raubüberfall 2011 nutzte. Laut Anklage wusste Eminger spätestens ab 2007 von den Morden und Überfällen.

Der Prozess ist Teil einer erneuten juristischen Aufarbeitung des NSU-Terrors, 14 Jahre nach dessen Selbstenttarnung und sieben Jahre nach dem Urteil im Münchner Hauptverfahren. Erwartet wurde, dass er Antworten auf offene Fragen liefert: Welche Helfer und Netzwerke gab es neben dem Kerntrio? Wer wusste was, und warum blieben viele Spuren im Dunkeln? Doch bislang entpuppt sich die Verhandlung als weitgehend ereignisarm und zeugenarm. Mehrere Zeugen zeigten sich unwillig und wollten sich nicht erinnern. Auch Zschäpe, die wie André Eminger versucht, sich als Aussteigerin darzustellen, belastete ihre Freundin Susann Eminger in ihren Aussagen nicht.

Vor dem Gericht demonstrieren regelmäßig Angehörige der Opfer. Sie sehen eine Wiederholung des Musters aus dem Münchner Prozess: Viele Beteiligte mauern, Details bleiben unklar, und die juristische Konzentration auf enge Tatvorwürfe verengt die Sicht auf strukturelle Fragen.

Parallel hat sich die Initiative »Echoes of Witnesses – Stimmen für die vom NSU Ermordeten« formiert. Angehörige wie Semiya Şimşek und Gamze Kubaşık bringen ihre Perspektiven aktiv in die öffentliche Debatte ein. Die Initiative fordert umfassende Aufklärung, namentliche Erinnerung an die Opfer und eine Justiz, die den Betroffenen Gehör verschafft, statt sie erneut zu marginalisieren. Besonders umstritten ist auch der Umgang mit Zschäpe selbst: Ihre Aufnahme in ein Aussteigerprogramm und ihre Aussagebereitschaft hilft nur ihr selbst und trägt nicht zur Aufklärung bei. Der Prozess um Eminger soll bis Mitte 2026 dauern. Für Betroffene bleibt er ein Symbol für die anhaltende Lücke zwischen juristischer Verfolgung und gesellschaftlicher Aufklärung.

(red)

echoesofwitnesses.org nsu-watch.info