Medien befördern Vorurteile

geschrieben von Axel Holz

2. Januar 2026

Angebliche Häufung: Tatverdächtige mit ausländischer Staatsangehörigkeit

Deutsche Leitmedien berichten deutlich häufiger über Gewaltdelikte von Tatverdächtigen mit ausländischer Staatsangehörigkeit, als es ihrem Anteil in der polizeilichen Kriminalitätsstatistik entspricht, berichtete jüngst der Mediendienst Integration. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger bei Gewaltdelikten liegt bei 34,3 Prozent. Ein Viertel der TV-Berichte benennt die Herkunft von Tatverdächtigen. Jedoch beziehen sich 94,6 Prozent davon auf Tatverdächtige mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Bei den Printmedien beziehen sich 90,8 Prozent der Berichte auf nichtdeutsche Tatverdächtige bei Gewaltdelikten. Tatverdächtige mit ausländischer Staatsangehörigkeit sind damit mehr als dreimal so häufig in den Medien vertreten, als es ihrem tatsächlichen Anteil entspricht. Das schürt bestehende Vorurteile gegenüber Migrantinnen und Migranten.

Besonders stark ist das Missverhältnis bei der Berichterstattung über Tatverdächtige aus muslimisch geprägten Herkunftsländern. Fast drei Viertel der Tatverdächtigen stammen in der Berichterstattung aus überwiegend muslimischen Ländern, werden in der Polizeilichen Kriminalstatistik jedoch nur mit einem Anteil von 15,8 Prozent ausgewiesen. Wenig wird hingegen über die Entlastung des Sozialstaates durch Migration berichtet.

Der Expertise des Wirtschaftsweisen Prof. Martin Werding für den Mediendienst Migration zufolge entlastet Migration bei einer jährlichen Nettozuwanderung von 200.000 Personen die öffentlichen Haushalte langfristig um jährlich 104 Milliarden Euro. Jede Person, die im Zuge dieser kontinuierlich hohen Zuwanderung nach Deutschland kommt, entlastet den Staatshaushalt jährlich um 7.100 Euro. Demnach führt eine anhaltend hohe Nettozuwanderung zu einer wesentlichen Reduktion der demografischen »Tragfähigkeitslücke« der öffentlichen Finanzen in Deutschland, so die Studie, die von der Robert Bosch Stiftung gefördert wird. Die Studie verwendet eine Methode, die auch die Auswirkungen auf die zukünftige Wirtschaftsleistung einbezieht. Eine Studie des Ökonomen Bernd Raffelhüschen, die diese Methode nicht nutzt, hatte zuvor unter den gegenwärtigen Bedingungen von einer Belastung des Sozialstaates durch Migration gesprochen.

Literaturtipps:

– Thomas Hestermann: Kriminalität und Migration: Das Bild in deutschen Medien

– Martin Werding: Beitrag der Migration zum Staatshaushalt.

Beide Expertisen sind nachzulesen unter mediendienst-integration.de