Nazistruktur bleibt aktiv
2. Januar 2026
Verbot gegen Hammerskins durch Bundesverwaltungsgericht wieder aufgehoben
Am 19. Dezember 2025 hat das Bundesverwaltungsgericht das 2023 ergangene Verbot der neonazistischen »Hammerskins« gekippt. Die Kammer gab als Begründung an, dass trotz Prüfung nicht nachgewiesen werden konnte, dass die 13 Gruppen, analog zu Rockern Chapter genannt, eine deutschlandweite Führung hatten. Nur dann, so das Gericht, kann ein Verein vom Innenministerium verboten werden. Drei Mitglieder der Hammerskins und neun der 13 Chapter hatten gegen das Verbot geklagt. Sie seien zwar Mitglieder der weltweiten Hammerskin-Bewegung, es gebe aber keinen Verein Hammerskin Deutschland, in dem sie Mitglied sind. Damit müssen auch das beschlagnahmte Vermögen und die Immobilie zurückgegeben werden.
Elite einer »nordischen Rasse«
Die Hammerskins wurden 1986 als militantes Neonazinetzwerk mit dem Namen Hammerskin-Nation (HSN) gegründet. Von Anfang an war der Aufbau an Rockerstrukturen angelehnt. Mitglied kann nur werden, wer einen langen Aufnahmeprozess durchläuft. Ähnlich ist auch, dass Mitglieder ewige Treue schwören müssen. Der Slogan für alle Chapter lautet »Hammerskins Forever – Forever Hammerskins« (HF-FH). Das Logo der Bewegung erinnert an das Symbol der NS-Organisation »Deutsche Arbeitsfront« (DAF): Vor einem Zahnrad sind zwei gekreuzte Arme abgebildet; bei der DAF war dort das Hakenkreuz zu sehen. Die Hammerskins verstehen sich als zukünftige Elite einer »nordischen Rasse«. Ihre Mitglieder haben immer wieder gezeigt, dass sie bereit sind, Gewalt zu verüben. Nach Einschätzung der Anti-Defamation League sind sie die »gewalttätigste und am besten organisierte Skinheadorganisation in den USA«.
In Deutschland wurden die ersten Ableger der Hammerskin-Nation 1991 gegründet, mittlerweile gibt es ungefähr 300 Mitglieder. Sie sind hauptsächlich in der Rechtsrock-Sparte aktiv. Mehrere Bands zählen zum direkten Umfeld der Hammerskins. Die Treffen sind deswegen oft an Konzerte gekoppelt. Auch im Umfeld des rechtsterroristischen NSU waren Mitglieder der Hammerskins zugegen.
Mitte November fand in Italien das europaweite »Hammerfest« statt. Der Rechercheplattform Exif ist es gelungen, Informationen über das Treffen zu sammeln: Ein großer Teil der 500 Teilnehmer sollen aus Deutschland angereist sein. Auch zu einem Treffen der europäischen Chapter, das unmittelbar vor dem Konzert stattfand, kam etwa die Hälfte der 60 Teilnehmer aus Deutschland. Chef der »Hammerskin Nation Europe« ist Malte Redeker aus Rheinland-Pfalz, seine offizielle Bezeichnung ist »European Secretary«. Laut Exif gehört zu seinen Aufgaben »die Kommunikation zwischen den europäischen Chaptern wie auch der Austausch mit den Ablegern der HSN außerhalb Europas«. Er reist regelmäßig in die USA, nach Australien und Neuseeland, um an Treffen der Hammerskin Nation teilzunehmen. Um sich auf den Tag der faschistischen Machtübernahme vorzubereiten, organisieren Hammerskin Chapter Kampfsportveranstaltungen, wie den mittlerweile verbotenen »Kampf der Nibelungen«.
Naives Vorgehen
Es wird deutlich, dass das Verbot einer Nazistruktur wie den Hammerskins sorgfältiger durchgeführt werden muss, als es 2023 geschehen ist. Einen Verein zu verbieten, den es in dieser Form nicht gibt, erscheint mehr als naiv. Die Taz schrieb über das gekippte Verbot der Hammerskin Chapter, dass nach Informationen der Amadeu Antonio Stiftung bereits im Jahr 2000 ein Verbot der Chapter geprüft und verworfen wurde, weil es keinen »Gesamtverein« Hammerskin gibt. In Deutschland kann so eine gefährliche militante Neonazistruktur fortbestehen.


























