Mitgestaltung von Gedenkstätten

geschrieben von Maxi Schneider

2. Januar 2026

Treffen des Netzwerks der Lagergemeinschaften in Sachsenburg

Vom 7. bis 9. November 2025 kam das LAG-Netzwerk im sächsischen Sachsenburg zusammen. Das Netzwerk besteht aus Vertretungen deutscher Interessenverbände ehemaliger Häftlinge der Konzentrationslager.

Bei den regelmäßigen Treffen steht der Austausch über unsere Gedenk- und Erinnerungsarbeit im Vordergrund. Vertreter*innen von Lagergemeinschaften – viele selbst Nachfahren von Verfolgten – vernetzen und unterstützen sich gegenseitig. Zentrales Anliegen des Netzwerkes ist es, erinnerungspolitische Entwicklungen und Debatten kritisch und im Sinne der ehemaligen Häftlinge, die die Lagergemeinschaften einst gegründet haben, zu begleiten. Mitgestaltung von Gedenkstätten weiterlesen »

Kirchen gegen extreme Rechte

geschrieben von (red)

2. Januar 2026

Mitte November 2025 kamen in Frankfurt am Main rund 70 Vertreter*innen zur Jahrestagung der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus (BAG K+R) zusammen. Zentrale Frage der Veranstaltung war, wo demokratischer Konservatismus endet und Rechtsextremismus beginnt. In seinem Eröffnungsgrußwort betonte Dr. Wolfgang Pax, Generalvikar des Bistums Limburg, dass völkischer Nationalismus und der christliche Glaube unvereinbar seien. Auch Antisemitismus stellte er als fundamentale Ablehnung christlicher Werte dar. Die Frankfurter Stadtpolitikerin Eileen O’Sullivan forderte klare rote Linien im Umgang mit rechten Narrativen. Kirchen gegen extreme Rechte weiterlesen »

Einen neuen Anlauf wagen

geschrieben von Interview: Andreas Siegmund-Schultze

2. Januar 2026

Gedenkinitiative erinnert an Lübecker Brandanschlag vor 30 Jahren

antifa: In den frühen Morgenstunden des 18. Januar 1996 brannte die Geflüchtetenunterkunft in der Hafenstraße 52 in Lübeck. Sieben Kinder und drei Erwachsene wurden dabei umgebracht. Wie erinnert ihr 30 Jahre nach dem Anschlag?

Betty Bass: Wir gehen davon aus, dass es sich um einen rassistischen Brandanschlag handelt und vier Neonazis aus dem benachbarten Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern) die Täter waren. Nach dem Anschlag hat sich in Lübeck aus der gesamten Unterstützer:innen-Szene heraus das Flüchtlingsforum gegründet. Aus diesem Kreis heraus haben Aktivist:innen in den letzten 29 Jahren die Gedenkarbeit organisiert, die Prozessbegleitung, die Unterstützung der Betroffenen und Überlebenden – etwa bei Fragen des Aufenthalts, bei der materiellen Absicherung oder generell bei politischer Solidarität.

Vor rund zehn Jahren gab es dann einen Einschnitt: Viele der Überlebenden und solidarischen Menschen waren enttäuscht und erschöpft. Damit begann auch ein Paradigmenwechsel. Wir haben uns mit İbrahim Arslan, der als Siebenjähriger den rassistischen Brandanschlag von Mölln überlebte, zusammengesetzt und darüber nachgedacht, welche Form der Gedenkarbeit politisch relevant ist.  Das Gedenken war in einen ritualisierten Ablauf geraten – jedes Jahr ähnliche Veranstaltungen am Tatort, zu denen wir die Stadt einluden, die ansonsten aber wenig tat. Wir wollten das verändern und stärker politisch arbeiten. Wir gründeten die Initiative Hafenstraße ’96. Zu unserer Arbeit gehören inzwischen viele Veranstaltungen. Einen neuen Anlauf wagen weiterlesen »

Messe als Knotenpunkt

geschrieben von Jan Tölva

2. Januar 2026

Wie Verlage, AfD-nahe Akteur*innen und Medien rechte Milieus vernetzen

Am 8. und 9. November fand in Halle an der Saale die rechte Buchmesse »Seitenwechsel« mit rund einhundert Aussteller*innen statt. Ort der Veranstaltung war das Gelände der Halle Messe, die von der Zwerenz-Gruppe aus Dresden betrieben wird. Ebenfalls in deren Portfolio: Die Messe Gießen, in der Anfang November das Gründungstreffen der neuen Parteijugend der AfD stattfand (siehe Seite 5).

Als Veranstalterin in Halle trat die Buchhändlerin Susanne Dagen aus Dresden auf, die gemeinsam mit ihrem Partner Michael Bormann im Stadtteil Loschwitz das Kulturhaus beziehungsweise Buchhaus Loschwitz samt angeschlossenem Verlag betreibt. Dagen wurde 2019 für die Freien Wähler in den Dresdner Stadtrat gewählt und sitzt dort nunmehr in der Fraktion der AfD. Außerdem veröffentlicht sie seit 2018 gemeinsam mit Ellen Kositza und wechselnden Gästen auf YouTube Videos unter dem Titel »Aufgeblättert. Zugeschlagen – Mit Rechten lesen«. Ihr bislang wahrscheinlich bekanntester Gast dort war Martin Sellner. Ellen Kositza ist die Ehefrau von Götz Kubitschek, dem Inhaber des Verlags Antaios, in dem wiederum 2024 Sellners Buch »Remigration. Ein Vorschlag« erschien. Messe als Knotenpunkt weiterlesen »

Recherchen ermöglicht

geschrieben von Maxi Schneider

2. Januar 2026

Digitalisierungsprojekt der VVN-BdA-Bundesvereinigung abgeschlossen

Ein kleiner Archivtraum ist mit der Digitalisierung des Organisations- und Kriegsverbrecherarchivs der VVN-BdA in Erfüllung gegangen. Über vier Jahre hinweg wurden die Materialien professionell gescannt. Das Ergebnis sind mehrere Festplatten mit insgesamt über 600 Gigabyte Daten in Form hochauflösender Fotografien.

Die Archive der VVN-BdA sind, wie unsere Vereinigung selbst, föderal strukturiert. Sie wurden seit Gründung 1947 auf Kreis-, Landes-, und Bundesebene von ehrenamtlich und hauptamtlich Aktiven angelegt. Unsere Archive unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht. Geographische und thematische Sammlungsschwerpunkte, Laufzeiten und Bestände, Zustand und Zugänglichkeit der Dokumente sind sehr unterschiedlich ausgeprägt. Recherchen ermöglicht weiterlesen »

Nationale Symbole

geschrieben von Mathias Wörsching

2. Januar 2026

Die Absicht bestimmt oft nicht die Wirkung

Die Eskalation des israelisch-palästinensischen Konfliktes1 hat zu einer verstärkten Präsenz palästinensischer Symbole, darunter das Palästinenser*innentuch (kurz Palituch)2, geführt. Dazu möchte ich einige persönliche Meinungen und Erfahrungen mitteilen.

Wenn ich Menschen mit Palituch sehe, dann weiß ich in der Regel nicht, was der konkrete politische Inhalt ihrer Palästina-Solidarität ist. Auf dem Palituch stehen meist keine politischen Forderungen oder Erklärungen geschrieben. In mir werden aber unweigerlich Erinnerungen an Erlebnisse mit Träger*innen des Palituchs wach. Ganz vorne stehen dabei die seit dem 7. Oktober 2023 nahezu täglich stattfindenden propalästinensischen und antiisraelischen Demos in Berlin, zu deren Erscheinungsbild sehr viele Palitücher gehören. Bei diesen Versammlungen nehme ich immer wieder Verherrlichung und Rechtfertigung tödlichen Terrors gegen die jüdisch-israelische Zivilbevölkerung wahr. So deute ich etwa Parolen wie »Glory to the Resistance« (Ruhm dem Widerstand), »All Colonizers are Targets« (Alle Kolonisierer*innen sind Ziele) oder »Decolonization is not a metaphor« (Dekolonisierung ist keine Metapher). Das alles sind Parolen, die häufig mit direktem Bezug zum Massaker von 2023 vorgebracht werden, zum Beispiel an dessen Jahrestag. Nationale Symbole weiterlesen »

Demokalender gut gefüllt

geschrieben von Andreas Siegmund-Schultze

2. Januar 2026

Budapest, Dresden, Osterhofen, Erfurt: Erste Antifaaktionen kündigen sich 2026 an

Das Jahr 2026 wird aus antifaschistischer Perspektive nicht nur im Hinblick auf Wahlen und mögliche Erfolge der AfD (siehe Seite 6) zur echten Herausforderung. Auch auf den Straßen zeichnen sich bereits wichtige Termine ab, die den Demokalender von Aktivist:innen prägen werden – als Zeichen des Widerstands gegen den rechten Vormarsch.

Bei den antifaschistischen Protesten in Gießen (siehe Seite 5) wurde bereits für das kommende Widersetzen-Happening am 4. und 5. Juli geworben, wenn die AfD in der Messe Erfurt ihren Bundesparteitag abhalten will. Bereits am 18. Februar – gut zwei Wochen vor den Wahlen in Bayern und Baden-Württemberg – wird die extrem rechte Partei bei ihrem Aschermittwochstreffen im Donaucenter in Osterhofen (Niederbayern) mit entschiedenen Protesten unter anderem von »Osterhofen zeigt Gesicht« sowie weiteren antifaschistischen Gruppen rechnen dürfen. Demokalender gut gefüllt weiterlesen »

Status quo der Erinnerung

geschrieben von Maxi Schneider und Ulrich Schneider

2. Januar 2026

Offene Fragen zum neuen Gedenkstättenkonzept

Im November 2025 wurde das neue Gedenkstättenkonzept aus dem Hause Wolfram Weimer (parteilos) – dem aktuellen Beauftragen der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) – vorgestellt. Weimer ist als rechtskonservativer Hardliner bekannt, die CDU/CSU hatte im letzten Wahlkampf erinnerungspolitische Positionen von vorgestern vertreten und am 8. Mai 2025 im Bundestag exemplarisch vorgeführt, wie eine revisionistische Täter-Opfer-Umkehr aussieht. Die Befürchtungen waren entsprechend groß. Trotzdem blieb die große öffentliche Debatte – anders als bei den früheren Konzeptionen 1999 und 2008 – aus. Aus Sicht der Gedenkstätten kam es offenbar nicht so schlimm wie befürchtet, gleichzeitig ist gesamtgesellschaftlich ein Gewöhnungseffekt gegenüber geschichtspolitischen Setzungen eingetreten, während durch das Wegfallen der Stimmen politisch aktiver Überlebender des NS-Regimes unsere Lobby schwächer wurde. Status quo der Erinnerung weiterlesen »

Gewissen gegen Barbarei

geschrieben von Jutta Harnisch

2. Januar 2026

Dompropst Bernhard Lichtenberg: Aus Verantwortung vor der Ewigkeit

Am 3. Dezember 2025 jährte sich der Geburtstag von Dompropst Bernhard Lichtenberg zum 150. Mal. Ein Jubiläum, das nicht nur die katholischen Christ:innen im Erzbistum Berlin begingen. Denn für sein mutiges und standhaftes Eintreten für die Menschlichkeit, das ihm den Hass der Nazis, Haft und schließlich den Tod brachte, verehren ihn bis heute Menschen, die sich mit seinem Leben und seinem Wirken beschäftigt haben. Sie sehen ihn zu Recht als Märtyrer und Vorbild (siehe Spalte). Gewissen gegen Barbarei weiterlesen »

Seinem Weg treu

geschrieben von Friedbert Mühldorfer

2. Januar 2026

Bertl Lörcher: Porträt eines lebenslang aktiven Antifaschisten

Aufgeben kam nicht in Frage. Mit Flugblättern wehrten sich 1933 Bertl Lörcher und Freunde, mussten angstvolle Wochen der Illegalität durchstehen und wurden dann doch verhaftet. Bertl wurde verurteilt und anschließend bis Mai 1935 erst ins Gefängnis und später ins KZ Dachau verfrachtet. Die Zeit nach seiner Entlassung war keine wirkliche Freiheit. Zu groß war die Angst vor erneuter KZ-Haft. Als »Häftling auf Urlaub« fühlte er sich damals.

Seine Schwester Elisabeth, weitere Verwandte und Freunde aus der Arbeiterjugend, darunter seine spätere Ehefrau Gretel Hörndl, selbst mit 19 Jahren in »Schutzhaft«, unterstützten ihn nach Kräften. Ursprünglich »wehrunwürdig« wurde Bertl Lörcher von den Nazis im Oktober 1942 dann mit der »Bewährungseinheit 999« ins Kriegsgebiet Tunesien verfrachtet. Die Zeit im »Strafbataillon« nimmt im Buch einen größeren Platz ein, weil erstmals ausführlicher Lörchers »Kriegstagebuch« zitiert wird. Versuche, zu den gegen die Nazis kämpfenden alliierten Truppen in Afrika überzulaufen, waren zum Scheitern verurteilt. Seinem Weg treu weiterlesen »

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