2. Januar 2026
Gedenkinitiative erinnert an Lübecker Brandanschlag vor 30 Jahren
antifa: In den frühen Morgenstunden des 18. Januar 1996 brannte die Geflüchtetenunterkunft in der Hafenstraße 52 in Lübeck. Sieben Kinder und drei Erwachsene wurden dabei umgebracht. Wie erinnert ihr 30 Jahre nach dem Anschlag?
Betty Bass: Wir gehen davon aus, dass es sich um einen rassistischen Brandanschlag handelt und vier Neonazis aus dem benachbarten Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern) die Täter waren. Nach dem Anschlag hat sich in Lübeck aus der gesamten Unterstützer:innen-Szene heraus das Flüchtlingsforum gegründet. Aus diesem Kreis heraus haben Aktivist:innen in den letzten 29 Jahren die Gedenkarbeit organisiert, die Prozessbegleitung, die Unterstützung der Betroffenen und Überlebenden – etwa bei Fragen des Aufenthalts, bei der materiellen Absicherung oder generell bei politischer Solidarität.
Vor rund zehn Jahren gab es dann einen Einschnitt: Viele der Überlebenden und solidarischen Menschen waren enttäuscht und erschöpft. Damit begann auch ein Paradigmenwechsel. Wir haben uns mit İbrahim Arslan, der als Siebenjähriger den rassistischen Brandanschlag von Mölln überlebte, zusammengesetzt und darüber nachgedacht, welche Form der Gedenkarbeit politisch relevant ist. Das Gedenken war in einen ritualisierten Ablauf geraten – jedes Jahr ähnliche Veranstaltungen am Tatort, zu denen wir die Stadt einluden, die ansonsten aber wenig tat. Wir wollten das verändern und stärker politisch arbeiten. Wir gründeten die Initiative Hafenstraße ’96. Zu unserer Arbeit gehören inzwischen viele Veranstaltungen. Einen neuen Anlauf wagen weiterlesen »