Erinnerung nach vorn

geschrieben von Rosemarie Steffens

31. Januar 2019

Wenn der Naziterror verhindert worden wäre…

Auf ganz eigene Art gestalteten Schüler*innen des Leistungskurses Geschichte des Gymnasiums Dreieichschule im südhessischen Langen eine Gedenkveranstaltung für die Opfer der NS-Pogrome vor 80 Jahren.

Am Mahnmal der ehemaligen Synagoge stellten sie drei Gäste vor mit entsprechenden Auftritten.: Laura, aus der 10. Klasse des Andreas-Gymnasiums in Berlin, Rosalie Sichel, auch aus der Dreieichschule und Max Baker von der Oregon High School aus Wisconsin, USA.

»Im Rahmen des Geschichtsunterrichts«, so berichtete Laura, »haben wir alle die Aufgabe übernommen, etwas über unsere Vorfahren herauszufinden. Dabei habe ich viel Interessantes in Erfahrung bringen können«: Erinnerung nach vorn weiterlesen »

Rassismus ist alltäglich

31. Januar 2019

Rede von Romani Rose am 13. Dezember 2018 in Sachsenhausen

Der 16. Dezember 1942, als Himmler die familienweise Deportation unserer Menschen in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau angeordnet hat, hat sich tief in das kollektive Gedächtnis unserer Minderheit eingebrannt.

Für uns Sinti und Roma ist dieses historische Datum untrennbar mit dem Verlust unserer Familienangehörigen verbunden. Der 16. Dezember 1942 ist ein Datum in der Geschichte, aber für uns ist diese Geschichte nach wie vor gegenwärtig.

Die in den Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordeten Menschen haben keine Gräber, sie wurden verbrannt und ihre Asche in Flüsse geschüttet oder auf Äckern verstreut… Rassismus ist alltäglich weiterlesen »

Gespenstisches Comeback

geschrieben von Michael Klein

28. Januar 2019

Louis Ferdinand Célines »Die Judenverschwörung« ist wieder im Handel

Wer Louis Ferdinand Célines »Reise ans Ende der Nacht« (deutsch: zuerst 1933, nun in einer Neuübersetzung bei Rowohlt) nicht gelesen hat, dem ist eine beeindruckende Leseerfahrung entgangen. Der Roman gehört zum Kanon der Literatur des 20. Jahrhunderts. Wichtige Teile von Célines Werk, seine politischen Pamphlete, bleiben ungedruckt. Selbst eine angekündigte kritische Edition in Frankreich wurde 2018 abgeblasen. Grund: Im Vergleich zu heutigen strafrechtlich relevanten rassistischen Äußerungen seien die von Céline eine »Atombombe« (so Serge Klarsfeld). Sind die Pamphlete also nur in Antiquariaten oder in dunklen Ecken des Internets zu finden? Nein, seit neuestem erscheint bei uns sein »Hauptwerk« ganz regulär – in der regulären Nazifassung. Gespenstisches Comeback weiterlesen »

Eine Ausstellung in Sobibor

geschrieben von Kamil Majchrzak

28. Januar 2019

Fortschritte im Kampf um die Erinnerung an die Opfer der »Aktion Reinhardt«

2018 jährte sich der 75. Jahrestag der »Aktion Reinhardt« bei der in den drei deutschen Vernichtungslagern Treblinka, Belzec und Sobibor mindestens 1,8 Millionen, vornehmlich polnische, Jüdinnen und Juden sowie Sinti und Roma ermordet wurden. Allein in Sobibor wurden dabei auf brutale Weise mittels Dieselmotoren mehr als 34 000 Kinder und erwachsene Juden und Roma aus den Niederlanden, 26 000 aus der Slowakei und 3 500 aus Frankreich vergast. Die »Aktion Reinhardt« stellt den eigentlichen Kern des Holocaust da. Eine Ausstellung in Sobibor weiterlesen »

Treffen in Rom

geschrieben von Ulrich Schneider

28. Januar 2019

Internationale Vernetzung antifaschistischer Kräfte notwendiger denn je

Offene Rassisten und extrem rechte Parteien in Regierungsverantwortung, antidemokratische, nationalistische und rechtspopulistische Parteien im Aufwind, offen faschistische und gewalttätige Gruppen auf den Straßen – mit solchen Stichworten lässt sich die aktuelle Situation in Europa beschreiben.

Vor diesem Hintergrund hatte die von ehemaligen Partisanen in Italien gegründete Organisation ANPI am 14. und am 15. Dezember zu einer internationalen Konferenz unter dem Motto »Antifaschist sein im heutigen Europa« (»Essere antifascisti oggi in Europa«) nach Rom eingeladen. Unter den gut hundert Gästen waren Vertreter antifaschistischer Organisationen sowie von Veteranenverbänden unter anderem aus Spanien, Portugal und Griechenland, aus Belgien, Deutschland, Großbritannien, Österreich, Kroatien, Slowenien und Ungarn sowie aus Polen und Russland. Grußschreiben kamen aus Frankreich, Polen und weiteren Ländern. Zumeist waren es Mitgliedsverbände der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR), der seit 2004 auch Antifaschisten jüngerer Generationen beitreten können. Treffen in Rom weiterlesen »

Wiederbegegnung mit Willy

25. Januar 2019

Konstantin Wecker zu seinem Revival antifaschistischer Lieder

antifa: Warum jetzt eine neue CD mit antifaschistischen Liedern aus 40 Jahren?

Konstantin Wecker: Es ist für mich so erschreckend, dass Lieder, die ich vor 30, ja 40 Jahren geschrieben habe, heute wieder so unglaublich aktuell sind, also noch viel aktueller als damals. Ich bin groß geworden mit dem Satz »Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen«. Ich hatte auch das Glück, antifaschistische Eltern zu haben. Ich werde nie vergessen, wie meine Mama, als wir in München damals zusammen gegen die NPD demonstriert haben, zu mir gesagt hat: »Schau Konstantin, da im Rathaus war das braune Pack, aber, sag‘ a Mal, die Neonazis müssen ja noch viel dümmer sein wie die Nazis damals, denn die wissen doch, wie es ausgegangen ist.« Das ist so ein wichtiger Satz. Und ich habe mir gemerkt und aufgeschrieben, was der Widerstandskämpfer Peter Gingold am 20. Jahrestag des Wiesn-Attentats bei unserer gemeinsamen antifaschistischen Demonstration auf dem Münchner Marienplatz gesagt hat: »Wenn ich sage, dass meine Elterngeneration es nicht verhindert hat, dafür gibt es für sie eine einzige Entschuldigung: Sie konnten nicht die Erfahrung haben, was Faschismus bedeutet. Diese Entschuldigung gilt nicht mehr für die heutige und alle künftigen Generationen. Darum: Nie wieder! Wiederbegegnung mit Willy weiterlesen »

Mikrokosmos des 20. Jahrhunderts

geschrieben von Erika Schwarz

25. Januar 2019

Ludwig Marum und seine deutsch-jüdische Familie

Warum Marum? Diese Frage steht als Überschrift auf der ersten von 30 Tafeln einer Wanderausstellung, die in den Räumlichkeiten der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin vom 15. November 2018 bis zum 10. Januar 2019 zu sehen war. Erarbeitet hatten die Präsentation »Ein Leben für Recht und Republik. Ludwig Marum 1882-1934« die Gedenkstätte, das Landesarchiv Baden-Württemberg und das Forum Ludwig Marum e.V. Mit ihr erhielt und erhält der Sozialdemokrat, Rechtsanwalt in Karlsruhe, 1919 von der badischen Nationalversammlung zum Staatsrat Gewählte, seit 1928 Mitglied des Reichstages, im März 1933 wieder gewählt, und nur wenige Tage danach verhaftet und von den Nazis am 29. März 1934 kaltblütig im badischen Konzentrationslager Kislau Ermordete, Anerkennung und Würdigung. In Karlsruhe wurden eine Straße und ein Gymnasium nach ihm benannt, alljährlich wird der Ludwig-Marum-Preis der Karlsruher SPD vergeben, auf dem Hauptfriedhof der Stadt befindet sich ein Ehrengrab, eine Stele von Gerhard Huber wurde vor der JVA Kislau in Bad Mingolsheim, dem ehemaligen KZ, aufgestellt, auf dem Friedhof der Sozialisten in Berlin wird sein Name auf der Ehrenmauer genannt, zahlreiche Publikationen sind erschienen, die jüngste über »Das letzte Jahr in Briefen«, ausgewählt und bearbeitet von Andrée Fischer–Marum (s. antifa Juli/ August 2017). Mikrokosmos des 20. Jahrhunderts weiterlesen »

Todesmarsch und »Hasenjagd«

geschrieben von Ulrich Sander

25. Januar 2019

»Ganz normale Bürger« halfen beim Morden

Vor zehn Jahren hat das Internationale Rombergparkkomitee das Buch »Mörderisches Finale« über die Kriegsend-phasenverbrechen herausgegeben. Es wurden zahlreiche Tatorte von Todesmärschen und Gestapo-Morden an Insassen von Haftanstalten kurz vor Kriegsende dokumentiert. Das war das erste Buch dieser Art und erst danach nahm sich die Historikerzunft des Themas an. Dabei handelt es sich um den letzten Abschnitt des Wirkens des NS-Mordregimes. Das Motiv für dieses Massenverbrechen im Frühjahr 1945 mit geschätzt 700.000 Todesopfern (Winter nennt eine geringere Zahl) wird in Publikationen unterschiedlich dargestellt. Die Geschichtsinitiativen – auch die aus der VVN-BdA – sahen das Motiv vor allem in der Absicht, möglichst keine Antifaschisten zur Gestaltung eines demokratischen Nachkriegsdeutschlands übrig zu lassen. Zudem: Kurzfristig erschien dem NS-Regime die Möglichkeit gegeben, einen Seitenwechsel der Westmächte zu erreichen, so dass sich diese mit den Resten der Nazitruppen gegen die Rote Armee wenden sollten. Dabei wären die KZ-Insassen, die befreiten Zwangsarbeiter und die deutschen Nazigegner höchst störend gewesen. Todesmarsch und »Hasenjagd« weiterlesen »

Füreinander Einstehn

geschrieben von Stephanie Schmoliner

22. Januar 2019

»Feine Sahne Fischfilet«-Konzert in Kiel

2018, mehrere hunderte Menschen stehen vor der ausverkauften halle400 in Kiel. Wochen zuvor und danach in vielen kleineren und größeren Städten zeigte sich immer das gleiche Bild – wenn Feine Sahne Fischfilet die Bühnen der Konzerträume und Jugendzentren betreten. Gut gelaunte Menschen freuen sich auf die kommenden anderthalb Stunden. Man kann an diesem Abend viele Shirts mit politischen Statements bestaunen.

Diese gute Stimmung, gepaart mit klaren linken Ansagen, passte in der Vergangenheit nicht allen. Und so hat die Band vor allem immer wieder an Popularität gewinnen können, weil der Verfassungsschutz sie überwachte, weil Bombendrohungen ihre Konzerte verhindern sollten und vieles mehr. Füreinander Einstehn weiterlesen »

Vom glühenden Leben

geschrieben von Ernst Antoni

22. Januar 2019

Das Werk des expressionistischen Künstlers Fritz Ascher

Der Maler Max Liebermann war von einigen Bildern des jungen Künstlers Fritz Ascher (1893 – 1970) hellauf begeistert und vermittelte ihm ein Studium an der Kunstakademie Königsberg. Zurück in Berlin setzte Ascher seine Ausbildung bei Lovis Corinth fort. Die Zeichen standen damals auf Erfolg für das expressionistische und symbolistische Werk Aschers, der sich auch als Poet versuchte. Angefangen hatte er damit noch vor dem Ersten Weltkrieg, fand nach dessen Ende zunehmend Anerkennung, Gruppen und Einzelausstellungen folgen. Mit der Machtübernahme der Nazis kommt das jähe Ende.

Wegen seiner jüdischen Familienherkunft werden ihm Berufs- und Existenzgrundlagen genommen, es beginnt die Verfolgung, die 1938 in Aschers Verhaftung und Internierung im Konzentrationslager Sachsenhausen kulminiert. Dank der Hilfe eines befreundeten Anwalts kann er freikommen, eine geplante Emigration nach Shanghai scheitert. 1942 droht Ascher die Deportation in ein Vernichtungslager. Der Mutter seines Freundes, Martha Grassmann, gelingt es, ihn bis zur Befreiung 1945 zu verstecken. Vom glühenden Leben weiterlesen »

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