Das Morgenrot der Menschheit

geschrieben von Bernd Kant

8. März 2026

Jüdischer Kommunist und Widerstandskämpfer: Peter Gingold zum 110. Geburtstag am 8. März

Zum 50. Gründungsjubiläum der VVN-BdA standen Peter Gingold und Esther Bejarano gemeinsam auf der Bühne und verlasen ihren – bis heute aktuellen – »Appell an die Jugend«. Es war für alle Anwesenden ein bewegender Moment, als diese Zeitzeugen den Nachgeborenen die Verantwortung für die Fortführung des Vermächtnisses der Überlebenden übergaben.

So war Peter Gingold, geboren am 8. März 1916, sein ganzes politisches Leben lang. Mit jungen Antifaschisten stand er in vielen Orten auf Straßen und Plätzen gegen Neofaschismus und Krieg. Gleichzeitig berichtete er in ungezählten Veranstaltungen, in Gesprächsrunden, in Schulklassen und Jugendgruppen von seinen historischen Erfahrungen – von dem Verfolgungsschicksal seiner Familie, aber auch seiner Bereitschaft, sich dem antifaschistischen Widerstand anzuschließen, und alles dafür zu tun, dass nie wieder Faschismus und Krieg die Menschheit bedrohen. Das Morgenrot der Menschheit weiterlesen »

Möglichst weit weg

geschrieben von Susanne Heim

8. März 2026

Als Juden vor verschlossenen Grenzen standen

Als im Herbst 1933 das Hochkommissariat des Völkerbunds für die Flüchtlinge aus Deutschland gegründet wurde, konnte Deutschland, das immer noch Mitglied des Bundes war, Bedingungen durchsetzen, die den Handlungsspielraum des Hochkommissars stark einschränkten.

Eine koordinierte Flüchtlingspolitik kam nicht zustande. Und die potenziellen Zufluchtsstaaten entwickelten nicht miteinander, sondern tendenziell in Konkurrenz zueinander neue Regularien zur Abwehr von Flüchtlingen. In Deutschland enteignet, in den Zufluchtsstaaten ohne Arbeitserlaubnis – die geflüchteten Jüdinnen und Juden wurden schnell zur unerwünschten Bevölkerungsgruppe. Dem versuchten die jüdischen Organisationen entgegenzutreten. Doch je länger die Flüchtlinge in den Zufluchtsstaaten festsaßen, desto mehr wurden die Ressourcen der Hilfs-organisationen für ihre vorübergehende Versorgung gebraucht und fehlten damit für den Aufbau neuer Existenzen. Zudem waren die Hilfsorganisationen in den Zufluchtsstaaten in einer ambivalenten Situation. Einerseits bemühten sie sich, die Flüchtlinge zu unterstützen, andererseits waren sie an einer Kooperation mit den Behörden interessiert und bereit, die Zahl der Neuankömmlinge in Grenzen zu halten aus Sorge vor einer Ausbreitung des Antisemitismus. Möglichst weit weg weiterlesen »

Führerprinzip und Kapitalismus

geschrieben von Dirk Schneider

8. März 2026

Vor 100 Jahren: Bamberger Tagung der NSDAP

Ein Jahr nach Wiedergründung der NSDAP 1925 kam es im Februar 1926 in Bamberg zur Machtprobe zwischen dem Nordflügel um Gregor Strasser und Joseph Goebbels sowie dem von Hitler dominierten Südflügel. Die Tagung in der fränkischen Provinz bestimmte dabei die langfristige Ausrichtung der Nazipartei. Goebbels und Strasser standen im Vorfeld programmatisch in der Tradition der Thesen Oswald Spenglers in dessen Schrift »Preußentum und Sozialismus«. Beide verfochten eine »nationalbolschewistische« Wirtschaftspolitik und befanden sich so in Fundamentalopposition zu Hitler und den süddeutschen Parteigauen. Führerprinzip und Kapitalismus weiterlesen »

35 Jahre von 75

8. März 2026

Ein Gespräch über die FIR, die vor 75 Jahren gegründet wurde

Regina Girod: Sich an die Geschichte der FIR zu erinnern, ist für uns untrennbar mit der Geschichte der VVN verbunden, die seit ihrer Gründung 1951 Mitglied in der FIR war. Wenn wir heute über die 35 Jahre sprechen, die wir beide aktiv miterlebt und mitgestaltet haben, bringst du die Westerfahrung und ich die Ostperspektive ein. Die alte VVN war von Anfang an dabei, du bist heute der Aktivist der VVN-BdA, der die FIR am längsten und besten kennt. Mir ist sie das erste Mal 1992 bei einer Generalversammlung in Berlin begegnet, da hast du als einziger Nachgeborener bereits die VVN-BdA vertreten. Von den beiden 1990 im Osten gegründeten Organisationen war damals nur die IVVdN Mitglied in der FIR. Ihr Vorsitzender, Fred Dellheim, erzählte mir, dass du zu diesem Zeitpunkt keinen leichten Stand unter den gestandenen Widerstandskämpfern hattest. 35 Jahre von 75 weiterlesen »

USA am Kipp-Punkt


geschrieben von André Wartmann

8. März 2026

Entwicklung zu einem faschistisch-autoritären Staat

Ein Jahr nach Beginn der zweiten Amtszeit von Donald Trump ist klar: Die Entwicklung übertrifft selbst die düsteren Erwartungen vieler Beobachter*innen. Anders als während seiner ersten Präsidentschaft von 2017 bis 2021, als Trump noch als politischer Außenseiter ohne erkennbare strategische Linie agierte, treibt er nun von Beginn an einen systematischen autoritären Staatsumbau voran. Die ideologische Grundlage liefert das Programm »Project 2025« der Heritage Foundation, umgesetzt von loyalen Amtsträger*innen in Schlüsselpositionen. Seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus ist die politische Kultur der Vereinigten Staaten nicht nur rauer geworden – sie ist bereits in den ersten Wochen des Jahres 2026 in einer Weise eskaliert, die selbst pessimistische Prognosen übertroffen hat. USA am Kipp-Punkt
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Stimmen für die Ewigkeit

geschrieben von Falk Mikosch

8. März 2026

»Holo-Voices« im Erinnerungs- und Lernort auf Zeche Zollverein in Essen

Nur noch wenige NS-Opfer können über ihre Erlebnisse berichten. Die neue Ausstellung »Holo-Voices – begegnen – fragen – weitersagen« soll deshalb dafür sorgen, dass die Zeitzeugen nie verstummen werden. Am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, eröffnete »Holo-Voices« in der Zeche Zollverein in Essen. Mit Aufnahmen von Holocaustüberlebenden wurden lebensgroße Hologramme gebildet. Fast könnte man vergessen, dass es sich um ein dreidimensionales Video handelt. Auf eine Bühne projiziert, ist es sogar möglich, Fragen an die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu stellen. Stimmen für die Ewigkeit weiterlesen »

Feldzug gegen die UdSSR

geschrieben von Ulrich Schneider

8. März 2026

Quellenreiche Studie zum deutschen Überfall erschienen

Jochen Hellbeck ist Autor der Studie »Ein Krieg wie kein anderer«. Der Professor an der Rutgers University ist bereits vor einigen Jahren mit dem Band »Die Stalingrad-Protokolle« in Erscheinung getreten. Darin gelang es ihm, ausgehend von den Erinnerungen der Soldaten beider Seiten, die Dramatik dieser Schlacht, die tatsächlich eine Kriegswende der faschistischen Expansion bedeutete, »von unten« zu beleuchten. Sein neues Buch ist die Fortsetzung dieses Projekts. Es enttäuscht die Erwartungen nicht.

Der Autor beginnt seine etwa 500-seitige Darstellung nicht mit der Kriegsplanung, sondern mit der ideologischen Grundausrichtung der NS-Bewegung, deren Antibolschewismus aus seiner Sicht konstitutiv für alle politischen Entscheidungen in den folgenden Jahren der »Kampfzeit«, aber auch nach der Machtübertragung 1933 war. Er ordnet dabei auch den Antisemitismus, der sich in letzter Konsequenz zur eliminatorischen Form entwickelte, in seiner Bedeutung für das faschistische Projekt neu ein. Er bezeichnet dies als »Triebfeder« des NS-Regimes, die sich in den Massenmorden an den sowjetischen Juden ausdrückte und »zur Blaupause für den Holocaust in ganz Europa« wurde. Erhellend sind in seiner Darstellung die Beispiele für die Konsistenz dieser Ideologie, die sich insbesondere gegen die sowjetischen Juden richtete, die in der NS-Vorstellung als reale Bedrohung aufgebaut wurden. Feldzug gegen die UdSSR weiterlesen »

Kämpfe immer verbunden

geschrieben von Maxi Schneider

8. März 2026

Zur Ausstellung zu Rom*nja und Sinti*zze nach 1945. Ein Gespräch mit Jane Weiß

antifa: Im November 2025 wurde die Ausstellung »Widerstand und Würde – Verbundene Kämpfe von Rom*nja und Sinti*zze nach 1945« im Friedrichshain-Kreuzberg-Museum in Berlin eröffnet. Wie kam es dazu, und was war euch inhaltlich besonders wichtig?

Jane Weiß: Die Ausstellung wurde vom Museum initiiert und gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Akteur*innen erstellt. Für uns ist sie ein wichtiger Teil unserer Arbeit bei RomaniPhen e. V., bei der es darum geht, Wissen rassismuskritisch und mit verändertem Blick aufzubereiten und der Öffentlichkeit, vor allem aber auch unserer Community, zur Verfügung zu stellen. Aus dem Material und unserer Zusammenarbeit haben sich vier Schwerpunkte ergeben: Kämpfe um Erinnerung, Anerkennung, Bleiberecht und feministisches Empowerment (Romnja*-Power). Eine Besonderheit unserer Ausstellung ist, dass wir BRD und DDR immer gleichwertig in den Blick nehmen. Meistens wird die DDR als Fußnote behandelt und dann auch wenig kenntnisreich. Außerdem war es uns sehr wichtig, Geschichte und Gegenwart zu verbinden. Kämpfe immer verbunden weiterlesen »

Fluchtpunkt Marseille

geschrieben von Axel Holz

8. März 2026

Künstler, Helfer und Netzwerke im Europa des Jahres 1940

Im Juni 1940 hat Hitlers Wehrmacht Frankreich besiegt. Hunderttausende von den Nazis Verfolgte hatten in den 1930er-Jahren Deutschland verlassen. Viele landeten als Emigranten in Frankreich und waren nun erneut bedroht. Darunter zahlreiche Prominente – Politiker, Literaten, Lektoren, Komponisten und Maler –, die Crème de la Crème der deutschen Intellektuellen. Sie alle waren abermals in Gefahr und flüchteten vor der Front nach Südfrankreich, um über Marseille nach Tunesien, Spanien, Portugal und weiter nach Amerika zu emigrieren.

Mit Kriegsbeginn wurden alle Deutschen als feindliche Ausländer in fünf großen Lagern interniert, darunter in Gurs und Drancy. Die Bedingungen waren katastrophal, sodass Tausende bereits dort starben. Im Waffenstillstandsabkommen der Nazis mit Pétains Marionettenregime war auch die Auslieferung der Nazigegner vereinbart worden, deshalb mussten Tausende Emigranten nun um ihr Leben fürchten. Besonders Juden, politisch Verfolgte und liberale Künstler. Darunter befanden sich Lion Feuchtwanger, Franz Werfel und Alma Mahler-Werfel, Golo Mann und Heinrich Mann, Alfred Döblin, Anna Seghers, Hannah Arendt und Walter Benjamin, Wilhelm Mehring und Max Ernst, aber auch Politiker wie Rudolf Breitscheid und Rudolf Hilferding. Einige brachten sich aus Verzweiflung selbst um, wie der Prosapoet Franz Hessel oder der Autor Walter Benjamin, der kurz zuvor seinen letzten Essay Anna Seghers übergeben hatte und sich auf der Flucht verzweifelt in Portbou vergiftete. Seghers floh mit ihren Kindern zu Fuß aus Paris, Louis Fürnberg steckte im Internierungslager Gurs fest. Andere liefen sich in Marseille über den Weg, auf der Suche nach Visa, Aus- und Einreisepapieren, Schiffspassagen und Geldmitteln. Spanien und Portugal waren als Durchgangsrouten notwendig, aber als Emigrationsziel nicht sicher; die USA versuchten, sich aus dem Krieg herauszuhalten, und vermieden weitgehend die Ausgabe von Visa. Tausende Emigranten saßen in der Falle und mussten um ihr Leben fürchten. Fluchtpunkt Marseille weiterlesen »

Erinnerung in Bewegung

geschrieben von Harry Friebel

8. März 2026

Gegen Ritualisierung und rechte Instrumentalisierung

Nachdem in der antifa-Januar-/Februarausgabe bereits »Gedenken neu denken«, die Neuerscheinung von Susanne Siegert, besprochen wurde, sei hier nur knapp daran erinnert, dass auch sie – aus der Perspektive einer jüngeren Generation – für eine aktivierende und inklusive Erinnerungskultur plädiert. Im Vergleich dazu argumentiert Wolfgang Benz stärker historisch-systematisch und mit dem Gewicht jahrzehntelanger Forschungserfahrung.

Wolfgang Benz, Historiker, war leitender Antisemitismusforscher an der TU Berlin und wirkt in verschiedenen Beiräten von KZ-Gedenkstätten mit. In »Zukunft der Erinnerung« schreibt er mit Vehemenz gegen die Ritualisierung der Erinnerung und des Gedenkens an. Sein Anliegen ist es, die Erinnerungsarbeit gegen politische Instrumentalisierung zu verteidigen. Mit großer Schärfe kritisiert Benz Rechtsradikale, insbesondere Funktionäre und Mandatsträger der AfD. »Die Äußerungen von Funktionären und Mandatsträgern in der Öffentlichkeit bilden ein Quodlibet (Mischmasch H. F.) von Nationalkonservativen, vulgär-patriotischen, völkisch-rassistischen, islamfeindlichen und antidemokratischen Stimmen« (S. 93). Benz verweist dabei etwa auf Höckes pöbelnde Aussprüche gegen die NS-Erinnerungskultur: Deutschland sei, so Höcke, »das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt« (ebenda) habe. Erinnerung in Bewegung weiterlesen »

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