Die Zora ist Knotenpunkt

5. Mai 2026

Ein soziokulturelles Zentrum im Harz stemmt sich gegen Nazis

antifa: Sie haben in der Vergangenheit über zunehmende rechte Aktivitäten in Halberstadt berichtet. Wie genau wirkt sich diese Bedrohung auf die ZORA aus?

Robert Fietzke: Die Zora war schon immer so etwas wie ein Blitzableiter für die extreme Rechte. Neonazigewalt gibt es ja seit Jahrzehnten, und das Zentrum hat schon schlimme Zeiten durchgemacht. Es war nie wirklich ruhig, aber man kann feststellen, dass sich durch den Zuzug von westdeutschen Akteuren wie Alexander Deptolla die zuvor sehr versprengte Neonaziszene vor Ort reorganisiert und auch professionalisiert hat. Die Zora ist Knotenpunkt weiterlesen »

Provokateur verhaftet

geschrieben von Janka Kluge

5. Mai 2026

Die Flucht, Festnahme und Inszenierung des Neonazis Liebich

Der einst unter dem Namen Sven Liebich bekannte neonazistische Provokateur wurde am 8. April in der tschechischen Grenzgemeinde Krásná verhaftet. Liebich hatte – als eine Haftstrafe drohte – seinen Vornamen und den Geschlechtseintrag in Marla-Svenja Liebich ändern lassen, um in eine Frauenhaftanstalt eingewiesen zu werden. Der erste neu angenommene Vorname ist ein Anagramm des Wortes »Alarm« – und für Aufmerksamkeit hat Liebich damit zur Genüge gesorgt. Im Gerichtssaal erschien Liebich mit einem großen, breiten Frauenhut und einem Oberteil in Tigeroptik. Vor sich stellte er demonstrativ Nagellack und zwei Flaschen Saft auf den Tisch. In einer Verhandlungspause lackierte er sich die Fingernägel.

Liebichs Wandel von Sven zu Marla-Svenja hat viele überrascht, ist jedoch die konsequente Fortsetzung seiner politischen Strategie. Seit Jahren versucht Liebich, durch gezielte Provokationen öffentliche Aufmerksamkeit zu erzeugen. Die Inszenierung als »Marla-Svenja« dient dabei nicht nur der Selbststilisierung, sondern auch der bewussten Diffamierung von trans-Identitäten und der Lächerlichmachung. Provokateur verhaftet weiterlesen »

Rechter Terror – eine Kontinuität

geschrieben von Bernd Kant

5. Mai 2026

Von der Nachkriegszeit bis heute

Im Kreis der Leser*innen der antifa muss sicherlich niemand an die NSU-Verbrechen erinnert werden, von denen sich die beiden Morde in Kassel und Dortmund in diesen Tagen zum 20. Mal jährten. Diese Gewalttaten haben das Bild vom Rechtsterrorismus in den deutschen Medien stark geprägt. Dass dies aber keine neuen Erscheinungen im deutschen Neofaschismus sind, zeigt Barbara Manthe in ihrem neuen Buch, das als Ergebnis langjähriger Recherchen und eines DFG-Forschungsprojekts »Rechtsterrorismus in der Bundesrepublik Deutschland 1970 bis 1990« im März 2026 bei C. H. Beck erschienen ist.

Anders als in dem Forschungsprojekt selbst schlägt Manthe in sieben Kapiteln den Bogen von den ersten Jahren der BRD bis in die jüngste Gegenwart. Schon in den Gründungsjahren der Bundesrepublik finden sich Formen von Rechtsterrorismus, der sich – ideologisch im Naumann-Kreis und organisatorisch im »Technischen Dienst« des Bundes Deutscher Jugend – bereits im öffentlichen Raum bewegen konnte, auch wenn vereinzelt Zwangsmaßnahmen gegen diese Strukturen ergriffen wurden. Rechter Terror – eine Kontinuität weiterlesen »

Erinnern heißt kämpfen

geschrieben von Peter Nowak

5. Mai 2026

Ein neues Radiofeature bringt die Stimme der Antifaschistin Lore Wolf zurück

Ab Mitte der 1970er-Jahre eröffnete sich in der BRD für einige Jahre für NS-Widerstandskämpfer*innen die Möglichkeit, ihre Erfahrungen einer größeren Öffentlichkeit zu vermitteln. Neben Peter Gingold, Emil Carlebach, Alfred Marchand und Willy Bleicher gehörte auch Lore Wolf zu den bekannten Rednerinnen auf Demonstrationen und Kongressen. Die Mitbegründerin der VVN hatte bereits 1973 mit dem Buch »Ein Leben ist viel zu wenig« ihre Geschichte von Widerstand und Verfolgung aufgeschrieben. Erinnern heißt kämpfen weiterlesen »

Wiederkehrende Geister

5. Mai 2026

Aus Reden von Lena Sarah Carlebach, Hape Kerkeling und Sabine Stein bei den Buchenwald-Gedenkfeiern 2026

Lena Sarah Carlebach, Präsidentin des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos, zur Bedeutung von Erinnerung und Widerstand heute:

Es ist mir eine besondere Ehre, Sie anlässlich des 81. Jahrestages der Befreiung und Selbstbefreiung des KZ Buchenwald (…) ansprechen zu dürfen. (…) Dieser Augenblick ist auch deshalb so bewegend für mich, weil meine Familiengeschichte (…) mit der Verfolgung (…) und mit der Vernichtung von jüdischen Menschen verbunden ist. Vor (…) 81 Jahren (…) erlebte mein Großvater Emil Carlebach (…) die (…) Befreiung in Buchenwald. (…) Hier (…) musste er (…) im Schlamm unter den Bodenbrettern vom Block 56 mehrere Tage und Nächte versteckt bleiben, um (…) der Hinrichtung durch die SS zu entkommen. (…) Nur weil er sich auf die Solidarität seiner Kameraden verlassen konnte, (…) kann ich (…) als seine Enkelin heute hier stehen. Wiederkehrende Geister weiterlesen »

Lied gegen Vereinnahmung

geschrieben von Andreas Siegmund-Schultze

5. Mai 2026

Gedenken in Buchenwald: Antifaprotest gegen rechten Kulturstaatsminister

Dass die Merz-Regierung mit Wolfram Weimer einen rechten Kulturkämpfer zum Kulturstaatsminister gemacht hat, ist spätestens seit dem Skandal um drei linke Buchhandlungen, die unter Verweis auf angebliche »verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse« von der Liste für den Deutschen Buchhandlungspreis gestrichen wurden, allgemein bekannt. Dass sein Haus dabei die Jury überging und die Betroffenen mit irreführenden Darstellungen abspeiste, zeigt: Hier wird nicht verwaltet, hier wird eingegriffen. Der kulturkämpferische Modus, den die extreme Rechte seit Jahren vorantreibt, ist in abgeschwächter Form längst in der Bundesregierung angekommen.

Zum diesjährigen Gedenken an die Selbstbefreiung des KZ Buchenwald hatte Weimer sich selbst in die Gedenkstätte eingeladen. Dass ihn mit der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora e. V. sowie der Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora/Freundeskreis e. V. zwei Verbände der ehemaligen Häftlinge und ihrer Angehörigen im Vorfeld aufgefordert hatten, auf seine Rede zu verzichten, war folgerichtig – Weimers bisheriger Kurs: Kürzungen und politischer Druck auf kritische Projekte und deutschnationale Akzentverschiebungen im Kulturbetrieb liefert den Kontext – und wurde ignoriert. Damit war klar, dass die weitgehend aus Bundesmitteln finanzierte Gedenkstätte ihn als Vertreter der Politik willkommen heißen musste. Dennoch hatte Gedenkstättenleiter Wagner im Vorfeld ungewöhnlich deutlich Position bezogen und den Kulturstaatsminister wiederholt kritisiert. Das ist bemerkenswert – und verweist zugleich auf die strukturelle Zwickmühle: Wer sonst die Gefahr läuft, abgewickelt zu werden, gerät schnell in eine Situation, in der politische Klarheit mit institutioneller Abhängigkeit kollidiert. Genau diese Spannung wurde in Buchenwald sichtbar. Lied gegen Vereinnahmung weiterlesen »

Rechte Wortmacht

geschrieben von Mareike Gronich

4. Mai 2026

Zur Kultur- und Literaturpolitik der extremen Rechten.

Wie ist es der extremen Rechten in den Jahren seit 2015 gelungen, ihre Deutungen der politischen Realität so wirkmächtig werden zu lassen, dass die Normalisierung ihrer Argumentationsmuster inzwischen weit fortgeschritten ist. Themen und Begriffe, die vor 15 Jahren klar dem Spektrum der extremen Rechten zugeordnet und weitgehend tabuisiert waren, finden sich heute wie selbstverständlich in der öffentlichen Debatte wieder. Die Wahlforschung bescheinigt einem größer werdenden Teil der Wähler*innenschaft der AfD eine inhaltliche Übereinstimmung mit den Zielen der Partei, wie der Rückabwicklung von Teilhabe und gesellschaftlicher Sichtbarkeit, von Diversität und geschlechtlicher Selbstbestimmung.

Am Beispiel des Begriffs »Remigration« lässt sich nicht nur lernen, wie die extreme Rechte mit Begriffen Politik macht. Der Fall zeigt auch, welche Bedeutung hegemoniepolitische Strategien für den Erfolg der extremen Rechten haben. »Remigration« wurde von der extremen Rechten als Kampfbegriff inhaltlich angeeignet, etabliert, und in den seit 2016 verstärkt geführten Diskurs um Migration eingespeist. Die »Identitäre Bewegung« (IB) etwa setzte ihn ein, um die Idee einer millionenfachen zwangsweisen Rückführung von Personen mit Migrationsgeschichte unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit zu plausibilisieren.

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Aus vollem Herzen

geschrieben von Christoph Leclaire

4. Mai 2026

Die Antifaschistin Eva Mamlok – jüdischer Widerstand gegen das NS-Regime

Die deutsch-jüdische Widerstandskämpferin Eva Mamlok war lange Zeit kaum bekannt. Erst eine vielbeachtete Ausstellung über sie im FHXB-Museum in Berlin im Sommer 2024 änderte dies. Bereits seit 2011 erinnert in Kreuzberg ein Stolperstein an sie, und demnächst soll dort auch der Platz am Ort ihrer ersten antifaschistischen Aktion nach ihr benannt werden. Anfang Mai dieses Jahres wurde sie sogar durch die Bundesrepublik mit einer Briefmarke in der Reihe »Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus« geehrt.

Eva Mamlok wurde am 6. Mai 1918 als zweite Tochter des jüdischen Weingroßhändlers Albert Mamlok und dessen Frau Martha (geb. Peiser) in Berlin geboren und wuchs im Stadtteil Kreuzberg auf. Schon in der Schule zeigte sie »Oppositionsgeist«, wie sie es später selbst beschrieb. Nach der Mittleren Reife auf dem Lyzeum begann sie eine Lehre als kaufmännische Angestellte. Schon früh war sie politisch aktiv und Mitglied in der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ). Nach deren Zerschlagung im Juni 1933 war sie im illegalen Widerstand. Aus vollem Herzen weiterlesen »

Leben für das Überleben

geschrieben von Bernhard Trautvetter

4. Mai 2026

Der Zeitzeuge Sally Perel – einst »Hitlerjunge Salomon«

Der jüdische Zeitzeuge Sally bzw. Salomon Perel, in der Zeit seiner Zugehörigkeit zur Hitlerjugend als Josef Perjell bekannt, wäre am 21. April dieses Jahres 101 Jahre alt geworden. Er wurde 97 Jahre alt – nachdem er die Nazizeit und den Holocaust dank seiner intuitiven Intelligenz, seines Mutes, einiger glücklicher Zufälle und auch dank eines »anderen Deutschlands«, in dem Solidarität wirkte, überlebt hatte.

Seine Botschaft ist gerade heute so wichtig wie einst: In den letzten Jahrzehnten seines Lebens ging er immer wieder in Schulen, um bei jungen Menschen und Lehrkräften die Kraft für ein friedliches Miteinander, Menschlichkeit und damit für den Frieden zu stärken. Als Mensch, der unter der Judenverfolgung auf ungewöhnliche Weise litt, gewann er die Herzen seiner Zuhörerinnen und Zuhörer – unabhängig davon, ob diese christlich, muslimisch, atheistisch oder aus unterschiedlichen kulturellen Hintergründen kamen. Leben für das Überleben weiterlesen »

Verfassung verteidigt

geschrieben von Filippo Giuffrida

4. Mai 2026

Italiens Antifaschisten und Gewerkschaften setzen sich gegen Meloni durch

Die italienischen Antifaschisten, insbesondere die Nationale Vereinigung italienischer Partisanen (ANPI), haben sich in den letzten Wochen als Gegner der von der Meloni-Regierung geplanten Verfassungsreform der Justiz hervorgetan. Der Widerstand gründete sich nicht nur auf rechtliche Kritik, sondern auf ein umfassenderes historisches und politisches Gebot: die Wahrung des verfassungsrechtlichen Gleichgewichts, das während der Resistenza und nach dem Sturz des Faschismus geschaffen wurde.

Diese Reform, die von der rechten Regierung von Giorgia Meloni als unerlässlich für die Verbesserung der Effizienz und Unparteilichkeit des Justizsystems angepriesen wurde, konzentrierte sich in erster Linie auf die Trennung der Laufbahnen von Staatsanwälten und Richtern, die Neugestaltung des Obersten Justizrats (CSM) und die Einführung neuer Disziplinarvorschriften. Die Befürworter argumentierten, dass diese Änderungen den Grundsatz fairer Verfahren stärken, eine übermäßige Machtkonzentration innerhalb der Justiz verhindern und Italien an europäische Normen anpassen würden, bei denen die Rollen klar voneinander getrennt sind. Verfassung verteidigt weiterlesen »

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