4. Mai 2026
Zur Kultur- und Literaturpolitik der extremen Rechten.
Wie ist es der extremen Rechten in den Jahren seit 2015 gelungen, ihre Deutungen der politischen Realität so wirkmächtig werden zu lassen, dass die Normalisierung ihrer Argumentationsmuster inzwischen weit fortgeschritten ist. Themen und Begriffe, die vor 15 Jahren klar dem Spektrum der extremen Rechten zugeordnet und weitgehend tabuisiert waren, finden sich heute wie selbstverständlich in der öffentlichen Debatte wieder. Die Wahlforschung bescheinigt einem größer werdenden Teil der Wähler*innenschaft der AfD eine inhaltliche Übereinstimmung mit den Zielen der Partei, wie der Rückabwicklung von Teilhabe und gesellschaftlicher Sichtbarkeit, von Diversität und geschlechtlicher Selbstbestimmung.
Am Beispiel des Begriffs »Remigration« lässt sich nicht nur lernen, wie die extreme Rechte mit Begriffen Politik macht. Der Fall zeigt auch, welche Bedeutung hegemoniepolitische Strategien für den Erfolg der extremen Rechten haben. »Remigration« wurde von der extremen Rechten als Kampfbegriff inhaltlich angeeignet, etabliert, und in den seit 2016 verstärkt geführten Diskurs um Migration eingespeist. Die »Identitäre Bewegung« (IB) etwa setzte ihn ein, um die Idee einer millionenfachen zwangsweisen Rückführung von Personen mit Migrationsgeschichte unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit zu plausibilisieren.
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