Antwort an Karl Stenzel

geschrieben von Dr. Horst Seferenz, Stiftung Brandenburgische
Gedenkstätten

5. September 2013

Zu „Schönbohm provozierte“, „antifa“ Juli / August
2006

Sept.-Okt. 2006

Zu dem in der „antifa“ Juli / August 2006 als Leserbrief auszugsweise zitierten offenen Brief von Karl Stenzel an Prof. Günter Morsch ging uns vom Pressesprecher der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten vorstehende Stellungnahme zu.

„Die Jahrestage der Befreiung werden in der Gedenkstätte und dem Museum Sachsenhausen seit vielen Jahren von der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten in Kooperation mit dem Internationalen Sachsenhausen-Komitee (ISK) ausgerichtet, was sich sehr bewährt hat. Zum diesjährigen Jahrestag, in dessen Mittelpunkt das Vermächtnis der Überlebenden von Sachsenhausen stand, haben die Veranstalter gemeinsam den Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg eingeladen, der aus Krankeitsgründen den stellvertretenden Ministerpräsidenten gebeten hat, diesen Termin wahrzunehmen. Dies ist ein ganz normaler protokollarischer Vorgang, der auch vom ISK akzeptiert wurde.

Im übrigen hat Stiftungsdirektor Prof. Dr. Günter Morsch bereits unmittelbar nach der Veanstaltung gegenüber der Presse jede Polarisierung hinsichtlich der zweifachen Geschichte von Sachsenhausen kritisiert und die Beteiligten zu einem Gespräch eingeladen, das Mitte Juli in Oranienburg stattfinden wird. In einem dpa-Interview hat er sich im Hinblick auf die Inhaftierten des Speziallagers dafür ausgesprochen, dass „zwischen den tatsächlichen oder vorgeblichen Regimegegnern der Sowjets, den zahllosen unschuldig Inhaftieren sowie den einstigen KZ-Aufseherinnen aus Ravensbrück, den Angehörigen der Polizeibataillone oder den kleinen und mittleren NS-Funktionsträgern, (…) ohne die der NS-Terror nicht funktioniert hatte“, differenziert werden müsse. Außerdem hat Morsch dafür plädiert, dass das Gedenken an die beiden Phasen von Sachsenhausen getrennt werden müsse, da sonst die Gefahr des Aufrechnens und Relativierens bestehe.

Was die langjährige hauptamtliche Tätigkeit des ehemaligen ISK-Generalsekretärs Hans Rentmeister als Offizier der Staatsicherheit der DDR betrifft, so ist diese durch die Medien bekannt geworden. Dass die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten eine „Hetzjagd“ auf ihn eröffnet oder sich daran beteiligt habe, weisen wir zurück. Allerdings hat die Stiftung die Zusammenarbeit mit Rentmeister unverzüglich aufgekündigt. Für eine Institution, die sich als Anwalt der Opfer von staatlichem Terror jeder Art versteht, ist ein Stasi-Offizier als Partner untragbar. Dies gilt in besonderer Weise für diejenigen, die unter der Verfolgung durch die Staatssicherheit gelitten haben.“