Der »Balkanfeldzug«: Heute vor 80 Jahren überfiel die Wehrmacht Jugoslawien und Griechenland

6. April 2021

Am 6. April 1941 begann die deutsche Wehrmacht die Königreiche Jugoslawien und Griechenland zu überfallen. Der Balkan bildete für den deutschen Imperialismus bei seinem zweiten Griff nach der Weltmacht
keine vorrangige Einfussregion. Anders war es für das faschistische Italien unter Mussolini, das die Anrainerstaaten der Adria als seine Einfusszone sah und Ansprüche auf griechische Inseln erhob.

Am 28. Oktober 1940 überfielen italienische Truppen auf Befehl Mussolinis Griechenland. In diesen Kämpfen geriet die italienische Armee in die Defensive und musste wenige Wochen nach dem Überfall Teile Albaniens aufgeben. Daher sah die deutsche militärische Führung die Notwendigkeit, vor dem geplanten Überfall auf die Sowjetunion im Frühsommer 1941 die Südfanke militärisch und politisch zu sichern.

Ursprünglich hatte das NS-Regime versucht, das neutrale Jugoslawien mit einem Bündnis in seine Einfusssphäre zu bringen. 1934 gab es erste diplomatische und politische Kontakte zum Königreich Jugoslawien. Mit dem Anschluss Österreichs 1938 musste die jugoslawische Regierung die eigene Lage zwischen großdeutschem Imperialismus, italienischem Faschismus und ungarischem Horthy-Regime austarieren. Ein verlässlicher und militärisch potenter Bündnispartner war nicht in Sicht, und so trat das
Königreich Jugoslawien am 25. März 1941 dem Dreimächtepakt (»Achse Berlin-Rom-Tokio«) bei.

Gegen dieses Militärbündnis kam es zu großen antideutschen Demonstrationen und einem Putsch jugoslawischer Offziere, so dass Ende März die Regierung nach Griechenland floh. Die neue jugoslawische Regierung entsandte Anfang April 1941 sogar eine Delegation nach Moskau, um Verhandlungen mit der sowjetischen Regierung über einen Beistandspakt aufzunehmen. Dort unterzeichnete man am 5. April
1941 jedoch nur einen Freundschafts- und Nichtangriffspakt.

Angesichts dieser Entwicklung entschloss sich das faschistische Deutschland, nicht nur Italien gegen Griechenland militärisch zu unterstützen, sondern auch Jugoslawien anzugreifen.

Schon Ende März hatte Adolf Hitler in seiner Weisung Nr. 25 angeordnet,
in einem Blitzfeldzug Jugoslawien »militärisch und als Staatsgebilde zu zerschlagen«. Am Tag nach der Vertragsunterzeichnung in Moskau, am 6. April 1941, griff die Wehrmacht gemeinsam mit italienischen, bulgarischen und ungarischen Truppen Jugoslawien und Griechenland an.

Dieser Überfall lief in den ersten Tagen – trotz militärischer Gegenwehr – wie ein »Blitzkrieg«. Schon am 12. April drangen deutsche Panzertruppen in die jugoslawische Hauptstadt Belgrad ein. Eine Schwächung der jugoslawischen Streitkräfte stellte das Ausscheiden der kroatischen Einheiten als Folge der Unabhängigkeitserklärung Kroatiens dar. Dadurch
löste sich die jugoslawische Armee faktisch auf und sah sich am 17. April zur Kapitulation gezwungen.

Rund 344.000 Soldaten gerieten in deutsche Kriegsgefangenschaft, von denen etwa 180.000 Serben als Zwangsarbeiter in das Deutsche Reich verschleppt wurden. Die militärische Besetzung Jugoslawiens war begleitet von zahlreichen Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung. In Pancevo erschoss die Wehrmacht am 22. April als Strafe für den Tod zweier Deutscher 18 serbische Männer und Jugendliche an der Friedhofsmauer der Stadt. 18 weitere Einwohner von Pancevo wurden öffentlich gehenkt.

Ähnlich wie das besetzte Frankreich wurde Jugoslawien in Gebiete mit unterschiedlichem staatsrechtlichen Status aufgeteilt. Kroatien hatte sich bereits am 15. April zum unabhängigen Staat erklärt. Es war faktisch ein Vasallenstaat, in dem die Ustascha ein terroristisches Regiment errichtete, wobei das KZ Jasenovac das sichtbare Symbol dieser gewalttätigen Verfolgung von politischen Gegnern und ethnischen Minderheiten darstellte.

Serbien wurde auf sein Territorium in den Grenzen von 1912 reduziert,
Ungarn und Bulgarien bekamen ebenfalls Teile der Beute. Serbien wurde zur ausschließlich deutschen Einfusszone erklärt und unter deutsche Militärverwaltung gestellt. Gegen die Besatzung entstand unter der Leitung von Josip Broz Tito die jugoslawische Volksbefreiungsarmee, deren militärische Aktionen vier vollständige deutsche Infanteriedivisionen beschäftigte, die nicht im Krieg gegen die Sowjetunion eingesetzt werden konnten.

Die deutsche Militärverwaltung reagierte auf diesen Befreiungskampf mit zahllosen Verbrechen gegen Zivilisten. So ließ beispielsweise der Kommandierende General der Militärregierung am 26. Dezember
1942 per Plakat verkünden, dass wegen des Todes von sechs Mitgliedern der Organisation Todt in einem jugoslawischen Dorf 250 Geiseln hingerichtet worden seien. Solche Verbrechen sollten abschreckend wirken, führten aber meist dazu, dass sich die jugoslawische Bevölkerung noch überzeugter auf die Seite der Partisanen stellte, die im Ergebnis der Kämpfe
die Hauptstadt Belgrad am 20. Oktober 1944 von den faschistischen Okkupanten befreien konnte.

Der Balkanfeldzug verzögerte den Überfall auf die Sowjetunion um mindestens sechs Wochen und machte die Pläne der Wehrmacht, in einem Blitzkrieg noch vor dem Wintereinbruch die Hauptstadt Moskau einzunehmen, zunichte. Damit hatte Jugoslawien nicht nur als Kriegsgebiet, sondern auch als politischer Faktor die faschistische Expansionspolitik
massiv behindert.

// Ulrich Schneider

Literatur zum Balkanfeldzug:

Martin Seckendorf, Günter Keber u.a.: Die Okkupationspolitik des deutschen Faschismus in Jugoslawien, Griechenland, Albanien, Italien und Ungarn (1941–1945). Hrsg.: Bundesarchiv ( Europa unterm Hakenkreuz. Band 6). Hüthig bzw. R.v.Decker / C.F.Müller, Berlin / Heidelberg 1992, 454 Seiten

Walter Manoschek: »Serbien ist judenfrei«: Militärische Besatzungspolitik und Judenvernichtung in Serbien 1941/42. 2. Auf., R. Oldenbourg, München 1995, 210 Seiten

Mark Mazower: Griechenland unter Hitler. Das Leben während der deutschen Besatzung 1941–1944. S. Fischer Verlag, Frankfurt 2016, 528 Seiten

Ahlrich Meyer (Hrsg.): Repression und Kriegsverbrechen. Die Bekämpfung
von Widerstands- und Partisanenbewegungen gegen die deutsche Besatzung in West- und Südeuropa
. Verlag der Buchläden Schwarze Risse, Rote
Straße, Berlin 1997. 205 Seiten