Stimmen für die Ewigkeit
8. März 2026
»Holo-Voices« im Erinnerungs- und Lernort auf Zeche Zollverein in Essen
Nur noch wenige NS-Opfer können über ihre Erlebnisse berichten. Die neue Ausstellung »Holo-Voices – begegnen – fragen – weitersagen« soll deshalb dafür sorgen, dass die Zeitzeugen nie verstummen werden. Am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, eröffnete »Holo-Voices« in der Zeche Zollverein in Essen. Mit Aufnahmen von Holocaustüberlebenden wurden lebensgroße Hologramme gebildet. Fast könnte man vergessen, dass es sich um ein dreidimensionales Video handelt. Auf eine Bühne projiziert, ist es sogar möglich, Fragen an die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu stellen.
Dass die Hologramme auf die Fragen der Ausstellungsbesucher antworten können, funktioniert mit Hilfe von KI. Die Antworten seien jedoch die authentischen Worte echter Zeitzeugen, betonte Ina Brandes, Ministerin für Kultur und Wissenschaft in NRW, in ihrer Eröffnungsansprache. Sie werden nicht verfremdet, zusammengeführt, gekürzt oder ergänzt. Dazu wurden mehrtägige Interviews mit bis zu 900 möglichen Fragen mit den Überlebenden geführt. Ein Vorreiter für die Hologrammtechnik ist das Illinois Holocaust Museum in Chicago. Laut Brandes ist diese Technik nach der persönlichen Begegnung die zweitbeste Möglichkeit, mit Überlebenden ins Gespräch zu kommen. Bei »Holo-Voices« handelt es sich um ein KI-Projekt der Technischen Uni Dortmund. Studierende des Journalistik-Studiengangs sowie von Zweitzeugen e. V. haben gemeinsam mit Historikerinnen und Historikern einen Fragenkatalog zusammengestellt.

»Holo-Voices | begegnen – fragen – weitersagen«, Halle 8, UNESCO-Welterbe Zollverein, Essen, holo-voices.de
»Holo-Voices« richtet sich besonders an Kinder und Jugendliche. Bereits jetzt liegen der Gedenkstätte 160 Anfragen vor. Bis Sommer werden mehr als 4.000 Jugendliche erwartet. Parallel dazu wird eine vom Verein Zweitzeugen kuratierte Ausstellung »Unter Tage – Unter Zwang« gezeigt, die sich auf die Zwangsarbeit im Steinkohlenbergbau des Ruhrgebietes bezieht. Foto: Falk Mikosch
Die 90-jährige überlebende Zeitzeugin Eva Weyl betonte in ihrer Rede anlässlich der Eröffnung der Gedenkstätte, es sei wichtig, dass junge Menschen die Vergangenheit kennen, um zu helfen, dass der Frieden bewahrt bleibt. Sie rief dazu auf, gegen Intoleranz, Respektlosigkeit und Entwürdigung einzutreten.
Zweidrittel der Kosten für die neue Gedenkstätte in Höhe von 3,2 Millionen Euro übernimmt das Land NRW. Weitere Geldgeber waren die RAG-Stiftung, die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und die Brost-Stiftung. Bärbel Bergerhoff-Wodopia, Vorstandsmitglied der RAG-Stiftung, äußerte in der Podiumsdiskussion bei der Eröffnung der Gedenkstätte, dass es sich beim Erhalt der Stimmen der Holocaustüberlebenden um Ewigkeitsaufgaben handele. Unter erbärmlichsten Arbeitsbedingungen, durch Ermordung durch Arbeit seien im Bergbau des Ruhrgebietes Kohle abgebaut, Stahl produziert und damit Waffen hergestellt worden. »Wir haben daraus gelernt«, betonte sie. Es sei in »unserer Verantwortung, dem Leiden unter NS-Namen ein Gesicht zu geben«.
Prof. Ursula Gather, Kuratoriumsmitglied der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, betonte, dass »Holo-Voices« mit die letzte Chance sei, die Originalstimmen der Zeitzeugen zu hören. Sie betrachtete die Beteiligung ihrer Stiftung an dem Projekt auch als eine Form der Wiedergutmachung, da der Stiftungsgründer Alfried Krupp ein verurteilter Kriegsverbrecher gewesen sei. Christoph Tesche, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Zollverein, verwies auf die Strahlkraft des Weltkulturerbes Zollverein. Zollverein hat jedes Jahr 1,7 Millionen Besucherinnen und Besucher. Er rechnet deshalb für die neue Ausstellung mit viel Zulauf. Ruth-Anne Damm, Geschäftsführerin von Zweitzeugen e. V., verwies auf Elie Wiesel, der betont hatte, dass: »jeder, der Zeugen zuhört, selbst zum Zeugen« würde.


























