Die AfD als Familienunternehmen

geschrieben von Janka Kluge

8. März 2026

Netzwerke und Posten: Wie sich die selbsternannte Antikorruptionspartei in personelle Abhängigkeiten verstrickt

Die AfD steht erneut im Zentrum eines Skandals, den sie selbst verursacht hat. In Medien und Öffentlichkeit macht der Begriff der Vetternwirtschaft die Runde. Der Vorwurf: Abgeordnete der Partei beschäftigen bevorzugt Familienangehörige anderer AfD-Mandatsträger – ein Geflecht, das zwar juristisch oft schwer angreifbar ist, politisch jedoch ein deutliches Geschmäckle hinterlässt. Im Abgeordnetengesetz des Bundestags ist geregelt, dass Abgeordnete ihre Ehepartner sowie Verwandte ersten Grades nicht beschäftigen dürfen. Nicht eindeutig geregelt ist jedoch die Anstellung von Lebenspartner*innen ohne Trauschein – eine Lücke, die offenbar genutzt wird.

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Stefan Keuter kennt die Personalsituation der Fraktion besonders gut: Als stellvertretender Fraktionsvorsitzender ist er für Personalfragen zuständig. Nun sorgt er für Schlagzeilen, nachdem bekannt wurde, dass seine Lebensgefährtin in seinem Berliner Abgeordnetenbüro beschäftigt ist. Ein ähnliches Muster zeigt sich bei Dirk Brandes. Die Lebensgefährtin des MdB und Bundesvorstandsmitglieds arbeitet für den AfD-Abgeordneten Stefan Henze. Beide gehören dem AfD-Kreisverband Hannover-Land an, den Brandes als Vorsitzender und Henze als Stellvertreter führen. Auch die Partnerin selbst ist im Bezirksvorstand aktiv – politische Macht, Mandat und Beschäftigungsverhältnis greifen hier ineinander.

Weitere Beispiele finden sich in NRW. Die Ehefrau des Landtagsabgeordneten Klaus Esser arbeitet im Büro des MdB Markus Matzerath, der ebenfalls aus dem NRW-Landesverband stammt. In Essers Büro wiederum war zeitweise eine 85-jährige Frau beschäftigt – die frühere Ehefrau eines AfD-Kommunalpolitikers aus NRW, der im Brüsseler Büro eines AfD-Abgeordneten arbeitet. Inzwischen stellte die Landtagsverwaltung die Zahlungen ein, nachdem kein Arbeitsnachweis erbracht werden konnte.

Solche personellen Verflechtungen scheinen kein Einzelfall zu sein. Das Netzwerk aus Beschäftigungen von Partnern, Ehefrauen und ehemaligen Angehörigen zieht sich durch mehrere Landesverbände. Die AfD war einst mit dem Anspruch angetreten, eine Antikorruptionspartei zu sein. Heute zeigt sich ein anderes Bild: ein eigener blauer Filz, der juristisch oft schwer zu fassen ist, politisch jedoch ein deutliches Zeichen setzt – und ein weiteres Beispiel dafür liefert, wie Machtstrukturen auch jenseits klarer Gesetzesverstöße wirken können.